Pro Familia im Projekt Jugendwohnen des Uslarer Albert-Schweitzer-Familienwerks

Vier Tage Mama auf Probe

Schnupperkurs für die Mutterrolle: Jenifer Fahldieck (von links), Lidwina Le Gouté, Priscila Tabuada, Conny Wittkuhn, Michelle Borschel, Jenny Kazmierczak sowie (oben) Selvije Izlamaj haben vier Tage und Nächte lang Verantwortung für „ihre“ Babys übernommen. Dabei handelt es sich um fast lebensechte Puppen mit Originalgewicht und einem Computerprogramm im Innern. Foto: Dumnitz

Uslar. Nein, jetzt schon Mutter werden will keine der jungen Frauen, die für vier Tage und Nächte an einem Baby-Projekt der Jugendwohngruppe des Albert-Schweitzer-Familienwerks in Uslar teilnahmen.

Das Seminar zum Thema Partnerschaft, Familienplanung und Kinderwunsch ist laut Sabine Böker und Andrea Schlemme vom Jugendwohn-Projekt ein wichtiger Bestandteil ihrer pädagogischen Arbeit mit den Mädchen.

Am Montag haben die beiden Sozialpädagoginnen Ute Wiese-Hast und Lisa Kastner von Pro Familia (Göttingen/Northeim) Puppen unterschiedlichen Geschlechts und mit normalem Babygewicht mit nach Uslar gebracht. Elternschaft lernen – ein Praktikum für das Leben mit Kind, heißt das Seminar. Als die sieben jungen Frauen zwischen 16 und 25 Jahren ihren Baby-Simulator in den Händen hielten, war das ungewohnt. Jenifer Fahldieck, Lidwina Le Gouté, Priscila Tabuada, Conny Wittkuhn, Michelle Borschel, Jenny Kazmierczak und Selvije Izlamaj erhielten die Geburtsurkunden, und dann ging es los. Alle Babys haben Namen erhalten.

Yuki heißt der Junge von Jenifer. Sie ist 19 und wurde im Schnitt nachts nur einmal durch Yukis Schreien wach. Nach dem Fläschchen schlief er weiter. Ähnlich war es bei der 16-jährigen Lidwina. Ihre Aileen sei eine „krasse Erfahrung“, sagt die Schülerin. Freunde mussten bei ihr kürzer treten, weil das Baby viel Zeit und Zuneigung braucht, und sie manchmal auch tagsüber müde war. „Später will ich Kinder haben, jetzt aber noch nicht“, sagte Lidwina.

Baby bestimmt den Ablauf

So sieht es auch Priscila (20), die ihren Jungen Taylor nennt. Er schläft im Reisebett, und tagsüber trägt sie ihn in einem Babysafe umher. Ihr ist aufgefallen, das man seinen Ablauf dem Rhythmus des Kindes anpassen muss. Mit einem Ohr lauscht sie stets in Richtung Baby.

Conny ist 18, sie findet es gut, dass sie sich über ihren Jungen Noel mit den anderen austauschen kann. Man kann ja nicht wissen, ob das Verhalten so in Ordnung ist. Ihr Freund war zuerst nicht begeistert, findet Noel jetzt aber süß und unterstützt Conny beim Wickeln und Füttern.

Ihre Johanna ist ehr ein ruhiges Kind, beschreibt Michelle (21) ihre Situation. Ihr ist es nicht peinlich mit der Puppe im Arm durch die Stadt zu gehen. Wenn sie jemand fragt, erklärt sie das Baby-Praktikum. Auch beim Wickeln im Geschäft machen ihr die neugierigen Blicke der Leute nichts aus. Wenn sie echte Mutter wäre, würde sie sofort mit dem Rauchen aufhören.

Jenny (18) betreut Sascha zusammen mit ihrem Freund. Das Paar schiebt zusammen den Kinderwagen und wechselt sich nachts beim Fläschchen geben ab. Ein Kind wollen später beide haben, aber erst, wenn sie dafür bereit sind. Ähnlich sieht es Selvije (25), die weiß, dass ihr Liam schreit, wenn was ist. Auch ihr Freund hilft, und der Austausch ist ganz wichtig. (jdx)

Von Jürgen Dumnitz

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