Hobbyköhler des Solling-Heimatvereins halten altes Köhlerhandwerk aufrecht

Weißer Rauch am Meiler

Jagdsignale am kurz zuvor entzündeten Holzkohlenmeiler: Henrike Gamasin (Mitte) leitet das Bläserkorps der Jägerschaft Uslar seit 2010. Seit Jahrzehnten begleiten die Jagdhornbläser das traditionelle Meilerfest an der Köhlerhütte im Rehbachtal. Foto: Dumnitz

Delliehausen. Rund 500 Arbeitsstunden von vielen Helfern sind für einen einzigen Holzkohlenmeiler nötig. Die Arbeitsstunden vom Einschlagen des Buchenholzes über das Aufschichten zum imposanten Meiler, dem kontrollierten Verkohlen des Holzes bis hin zum Einsacken der fertigen Holzkohle wird ehrenamtlich geleistet. Das hat Winfried Müller am Sonntag beim Meilerfest im Rehbachtal als Ehrenvorsitzender des Solling-Heimatvereins betont.

Seit 1976 halten die Hobby-Köhler des Heimatvereins die Tradition der Köhlerei aufrecht. Jedes Jahr wird ein Meiler aufgeschichtet und später nach dem Öffnen die begehrte Holzkohle verkauft. Bis 1959 war der letzte Köhler im Dorf hauptamtlich tätig. 1968 wurde als Erinnerung an die Köhler aus dem Ort eine originalgetreue Köhlerhütte gebaut. Ein Jahr später initiierten zunächst Privatleute aus dem Dorf ein Meilerfest, das jetzt seit 39 Jahren der Heimatverein organisiert.

Müller stand oben auf dem Meiler und gab den Gästen Informationen zu dem Handwerk, dem einst etliche Delliehäuser nachgingen. Er berichtete vom harten Leben der Köhler, die nur wenig Kontakt zu ihren Familien hatten und sich vorwiegend durch selbst zubereitete Hülsenfrüchte ernährten.

Zuvor hämmerte Altköhler Helmut Hillebrandt mit zwei Holzhammern auf einem Holzbrett, der Hillebille. Damit verständigten sich die Köhler früher im Wald, erfuhren die Festgäste. Heute wir das Meilerfest mit diesen Klängen eingeläutet. Zum Anzünden spielte außerdem das Bläserkorps der Jägerschaf Uslar.

Von 55 Raummeter Buchenholz bleibt nach dem Verkohlungsprozess mit Temperaturen bis zu 350 Grad im Innern nur etwa die Hälfte als Holzkohle übrig, rund 25 Prozent des Gewichtes geht verloren.

„Die Kunst ist es, die Glut im Meilerrund so zu steuern, dass das Buchenholz gleichmäßig verkohlt“, beschrieb Müller das Handwerk, das man nur durchs praktische Üben erlernen könne.

Den Gottesdienst unter freiem Himmel gestaltete Pastorin Giesela Waßmuth-Kahle mit Stefanie von Lingen, die mit ihrem Mann Jan das neue Superintendenten-Duo des Kirchenkreises Leine Solling bildet, und dem Posaunenchor Volpriehausen. Mit Ständen war die Jägerschaft Uslar (Lernort Natur) und Hubert Hennecke (Wildwurst/Schlarpe) vertreten. Am Nachmittag spielte der Musikzug des TSV Germania Lauenberg für die Festbesucher auf.

Zehn Tage und zehn Nächte

Neun Hobbyköhler steuern zehn Tage und zehn Nächte den Verkohlungsprozess des Meilers. Das sind Heinrich Kempf, Helmut Hillebrand, Winfried Müller, Christian Brüll, Wolfgang Kahnert, Maik Olschewski, Erhard Jordan, Markus Molthan, Luca Kempf und Helmut Kleinert.

Geöffnet wird der Meiler am Wochenende 20./21. Juni. Dann können Interessierte die begehrte Köhler-Holzkohle säckeweise kaufen. In der Vergangenheit war die Nachfrage größer als das Angebot.

Von Jürgen Dumnitz

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