Kliniken in Lippoldsberg und Uslar: Warten auf Februar-Gehalt

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In unruhigem Fahrwasser: Die Mitarbeiter der Klinik und des Rehabilitationszentrums Lippoldsberg (im Bild Haus Berlin) haben im Januar und Februar kein Gehalt bekommen. Auf ihren Lohn warten auch die Beschäftigten der Klinik in Uslar.

Lippoldsberg. Es kehrt keine Ruhe ein im Klinik- und Rehabilitationszentrum Lippoldsberg sowie im Krankenhaus Uslar. Seit Wochen warten die knapp 400 Mitarbeiter schon wieder auf Gehaltszahlungen.

Die Januar-Löhne gingen erst gestern Mittag ein. Das Februar-Gehalt steht hingegen weiter aus.

Unter den Betroffenen macht sich indes immer mehr Frust und Wut breit. Beschäftigte aus Lippoldsberg, die aus Angst vor Repressalien anonym bleiben wollen, sagen, dass es ja nicht allein um die Januar- und Februar-Löhne 2012 gehe. Eine versprochene Einmalzahlung über 600 Euro zum Ende des vergangenen Jahres sei gleichfalls noch nicht angewiesen worden. Ebenso habe man bis heute das 2010 und 2011 gestundete Weihnachtsgeld noch nicht zurück erhalten.

Wilfried Gründel

Wut kocht in der Belegschaft der beiden Häuser vor allem deshalb hoch, weil die Geschäftsführung es mittlerweile noch nicht einmal mehr für nötig erachte, über ausbleibende Lohnzahlungen zu informieren. Seien in der Vergangenheit zumindest noch lapidar verfasste E-mails versandt worden, in denen es hieß, die Gehälter würden mit ein paar Tagen Verzögerung angewiesen, sei selbst dies mittlerweile nicht mehr der Fall. Eingestellt worden sei inzwischen auch das Angebot, Mitarbeitern, die wegen dringender Verpflichtungen Geld benötigten, Vorschusszahlungen anzubieten.

Von einer sehr angespannten Stimmung unter der Belegschaft spricht die Mitarbeitervertretung der Klinik Lippoldsberg. Jürgen Hüne will auch nicht ausschließen, dass sich bei einigen Kollegen Resignation breit macht, ob der immer wiederkehrenden Zahlungsschwierigkeiten.

Letzte Gespräche zwischen Geschäftsführung und Mitarbeitervertretung seien Ende Januar geführt worden. Seit dieser Zeit gebe es keine Informationen, bedauert Hüne den schleppenden Informationsfluss.

Altbekannte Probleme

„Ich kämpfe wie ein Löwe um die Einrichtung“, will Geschäftsführer Wilfried Gründel auch nicht den Hauch eines Verdachts aufkommen lassen, die beiden Häuser interessierten ihn nicht mehr. Neben der altbekannten Probleme wie späte Zahlungen der Krankenkassen und mangelnde Auslastung des Uslarer Krankenhauses sei erschwerend hinzugekommen, dass Ende und Anfang eines jeden Jahres ohnehin weniger Patienten in Krankenhäusern versorgt würden.

Gründel zeigt Verständnis

Gleichwohl zeigt Gründel „vollstes Verständnis“ für den Unmut der Belegschaft. Selbst wenn Mitarbeiter kündigten, könne er diesen Entschluss verstehen. Bei alledem dürfe aber nicht außer Acht gelassen werden, dass die Altlast Chirurgie Uslar nicht von heute auf morgen abgearbeitet werden könne und dass die Auslastung in Lippoldsberg mittlerweile so hoch sei wie niemals zuvor.

Das sagt die Gewerkschaft

Ver.di-Gewerkschaftssekretärin Julia Niekamp spricht im Fall der beiden Krankenhäuser von einem untragbaren Zustand. Die Geschäftsführung verweigere jegliche Kontaktaufnahme.

Der Bitte, Zahlen auf den Tisch zu legen, werde ohne Angabe von Gründen nicht entsprochen. So wisse man beispielsweise bis heute nicht, wie schlecht es den beiden Kliniken finanziell wirklich gehe, um gegebenenfalls einen Notlagentarifvertrag abzuschließen.

Keinen Hehl macht die Gewerkschaftssekretärin auch daraus, dass sie die Eignerstruktur der Klinik und des Rehabilitationszentrums Lippoldsberg als dubios ansieht. Dort würden nach ihren Angaben 21 Privatpersonen als Einzelgesellschafter mit Einlagen von jeweils 300 000 Euro aufgeführt. (kil)

Von Peter Kilian

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