Wildtiere leben im Rudel und brauchen einen Chef, hieß es beim Wolfstag im Wildpark

Wolf ist kein Schoßhund

Der Wolf ist ein Rudeltier: Im Gehege des Waldparks Neuhaus leben derzeit 14 Wölfe. Die Geburtenrate wird derzeit durch die Pille reguliert, hieß es beim Wolfstag in Kooperation mit der Nabu-Landesarbeitsgemeinschaft Wolf. Foto: Dumnitz

NEUHAUS/SOLLING. Wölfe sind Wildtiere und brauchen jeden Tag rund zwei Kilogramm Fleisch, in freier Wildbahn wegen ihres höheren Energieverbrauchs sogar oft das Doppelte. „Sie sind keine Schoßhunde“, sagte die Waldpädagogin Susanne Schröder bei einem Fachvortrag am Wolfsgehege im Wildpark Neuhaus vor etwa 30 Besuchern.

Zum Wolfstag hatten die Niedersächsischen Landesforsten sowie ehrenamtliche Wolfsberater und die Landesarbeitsgemeinschaft Wolf des Naturschutzbundes Nabu eingeladen. Hintergrund sind die kontroversen Diskussionen nach der Wiedereinwanderung der Wildtiere in Deutschland, die im 19. Jahrhundert landesweit und sogar in Europa durch die Bejagung durch Menschen nahezu ausgerottet wurden. Seit einigen Jahren steht der Wolf jedoch unter internationalem Schutz. In Deutschland leben derzeit rund 40 Wolfsrudel unterschiedlicher Größe, hieß es im Vortrag von Schröder. Berechnungen zufolge sei im Bundesgebiet in geeigneten Arealen Platz für rund 400 Rudel.

Eigentlich müsste niemand Angst vor dem Wolf haben, weil er normalerweise wie andere Wildtiere einen natürlichen Fluchtinstinkt gegenüber dem Menschen habe. Bis zu vier Wochen lang könne ein 40 Kilogramm schwerer Wolf ohne Nahrung auskommen. Allein sein schnürender Gang spare Energie. Gebe es aber ein geeignetes Fleischangebot, dann könne er locker bis zu zehn Kilogramm aufnehmen, von denen er nach und nach zehrt, so die Naturführerin.

Beute seien in der Regel andere Wildtiere wie Rehe oder Hasen, manchmal aber auch Schafe und Ziegen auf Weideflächen. „Das finden vor allem die Tierhalter nicht gut, aber der Wolf ist ein besonders geschütztes Wildtier“, sagte Susanne Schröder zur aktuellen Diskussion.

Wenn man einem Wolf begegne, solle man ihm besser aus dem Weg gehen. Von konkreten Angriffen auf den Menschen sei bisher nichts bekannt, wenngleich viele Geschichten über den „bösen Wolf“ erzählt würden. Halte sich ein Wolf in unmittelbarer Nachbarschaft auf, sei eine Vergrämung (also ein wiederholtes Stören) ihrer Ansicht ein gutes Mittel, um dem Tier zu zeigen, dass er sich besser verziehen soll.

Notfalls ein Tier töten

Schröder forderte eine Akzeptanz des Wolfes unter dem Motto „Willkommen Wolf - aber nicht kompromisslos“. Störenfriede, die den Fluchtinstinkt verloren haben, etwa weil sie von Menschen gefüttert wurden, müsste man notfalls einfangen oder sogar töten, um eine Gefährdung auszuschließen. Wenn ein Wolf Probleme macht, müsse umgehend gehandelt werden, so die zertifizierte Waldpädagogin, die im Auftrag der Landesforsten referierte.

Von Jürgen Dumnitz

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