Serie zur Sonderausstellung: Zur Spiegelfabrik Amelith gehörte einst ein großes Gut

Zwischen Fabrik und Feld

Blick auf Amelith: Das Bild zeigt links die landwirtschaftlichen Gebäuden rund um das Herrenhaus und rechts die eigentlichen Fabrikgebäude. Foto: nh

Uslar. Die Glashütte Amelith wurde 1776 auf Initiative der Regierung in Hannover bewusst direkt in den Wald gesetzt, um „das abständige Holz im Sollinge zu versilbern“ und damit die Staatskasse zu füllen. Die abgeholzten Flächen fielen jedoch nicht wieder an den Fiskus zurück, sondern blieben Eigentum der Hütte. Damit entstand die heutige Feldmark um den Ort.

Die neu entstandenen Felder und Wiesen dienten der Ernährung der „Fabrikanten“, wie sich die Arbeiter der Spiegelfabrik nannten. Jeder erhielt aus der Hand seines „Principals“, also dem Eigentümer der Hütte, Gärten sowie Wiese und Ackerland für zwei Stück Hornvieh. Da viel mehr Ländereien zur Fabrik gehörten, als an die Arbeiter ausgegeben werden mussten, entstand zunächst rund um das Herrenhaus „Eckhardts Hoff“ und später die „Amelither Gutsverwaltung“. Unter Johannes Bippart dehnte sich das Gut weiter stark aus, indem er die Ländereien des Amts Nienover zunächst pachtete und später sogar kaufte.

Einsatz von Pottasche

Ernst Jacob Eckhardt war nicht nur auf dem Gebiet der Glasherstellung ständig auf der Suche nach Innovationen, sondern experimentierte auch in der Landwirtschaft. Auf einigen seiner Felder ließ er „Pottaschedünger“, die ausgelaugte Asche aus den Pottaschesiedereien, ausbringen und freute sich, dass „auf diesem einst fast unbrauchbaren Felde nun die besten Früchte wachsen“.

Als in den 1840er-Jahren der Ökonom Bokelmann aus Bodenfelde ebenfalls Interesse signalisierte, die Amtsländereien zu pachten, schrieb Ferdinand Bippart einen aufschlussreichen Brief an die Regierung. Darin legt er dar, dass der Ackerboden nur von minderer Qualität sei und durch das kalte Klima keine hohen Erträge zustande kommen.

Trotzdem seien die Ländereien für ihn von hohem Nutzen. Die große Landwirtschaft ermöglichte es ihm, in Zeiten in denen wenig Spiegelglas abgesetzt werden konnte, auf Kündigungen zu verzichten. Die Glasmacher arbeiteten in diesen Zeiten einfach in der Landwirtschaft statt in der Fabrik und kehrten bei gutem Spiegelabsatz wieder in die Hütte zurück. Florierte dagegen der Absatz von Spiegelglas, arbeiteten Tagelöhner aus Schönhagen und Kammerborn auf den Feldern der Gutsverwaltung. Die Hüttenbetreiber waren immer bemüht, ihre Arbeiter und damit auch ihr Fachwissen an den Betrieb zu binden und Abwanderung zu vermeiden.

Erst viel später Eigentümer

Dieses eigentümliche System, in dem die Fabrikarbeiter jahrzehntelang auf fremden Grund und Boden wirtschafteten, blieb bis zum Ende der Glashütte bestehen. Erst Anfang der 1930er-Jahre konnten sie auch Eigentümer ihrer Grundstücke werden. Sonderausstellung im Museum Uslar „Die Fabrik im Wald. Glas und Spiegel aus Amelith und Polier“, dienstags bis sonntags von 15 bis 17 Uhr und nach Vereinbarung unter Tel. 05571-307142

Von Daniel Althaus

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.