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Gemeinde Willingen überdenkt wegen Krise Bauprojekte

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Von: Wilhelm Figge

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Könnten leer bleiben: Wegen der kaum kalkulierbaren Baukosten besprechen die Upländer Kommunalpolitiker, ob noch nicht begonnene Projekte wie die Fußgängerbrücke am Bahnhof und der Platz am Rathaus angegangen werden. archiv
Könnte leer bleiben: Wegen der kaum kalkulierbaren Baukosten besprechen die Upländer Kommunalpolitiker, ob noch nicht begonnene Projekte wie die Fußgängerbrücke am Bahnhof überhaupt angegangen werden. © Wilhelm Figge

Inflation und steigende Baukosten machen Bauprojekte auch in Willingen kaum kalkulierbar. Bei einigen noch nicht begonnenen Projekte wird beraten, ob sie angegangen werden.

Willingen (Upland) – Die Corona-Krise und der Krieg in der Ukraine prägen die Wirtschaftslage, auch die Gemeinde Willingen spürt die starke Inflation und steigende Materialkosten beim Bau, berichtete Bürgermeister Thomas Trachte den Gemeindevertretern. Im Ergebnishaushalt, der laufende Ausgaben festhält, fallen demnach 680 000 Euro Mehrausgaben an;

bei den neuen Investitionen liegen die Kosten zwischen 15 und 25 Prozent höher. Um überhaupt Angebote einholen zu können, müsse die Gemeinde mit Klauseln arbeiten, die eine Reaktion auf die Preisentwicklung ermöglichen – ein finanzielles Risiko.

Deshalb werde der Gedanke durchgespielt, alle noch nicht begonnenen Projekte zu stoppen, erklärte Trachte. Im Ergebnishaushalt ließen sich so 374 000 Euro sparen, bei den Investitionen im Finanzhaushalt unter Berücksichtigung wegfallender Fördermittel 935 000 Euro – oder auch mehr, wenn die Kosten stärker steigen als angenommen. Betroffen wären unter anderen der Platz neben dem Rathaus und die Fußgängerbrücke zwischen Briloner Straße und „Zur Hoppecke“.

Dazu, ob der Stopp der Projekte der richtige Weg sei, gebe es im Gemeindevorstand noch keine klare Auffassung. Bei anderen Gemeinden sei noch keine Tendenz zu Projektabbrüchen zu erkennen – aber sie seien mit ihren Erkenntnissen eben auch noch nicht weiter als Willingen. Die Mitglieder des Gemeindevorstands wollen noch vor Ostern mit den jeweiligen Fraktionen Rücksprache halten, um das weitere Vorgehen zu klären.

Auch die Gestaltung des Platzes am Rathaus steht wegen der Krise auf der Kippe.
Auch die Gestaltung des Platzes am Willinger Rathaus steht wegen der Krise auf der Kippe. © Wilhelm Figge

Seine persönliche Tendenz gehe dazu, nicht gestartete Projekte nun nicht zu beginnen, so Trachte. Aber gleichzeitig wisse er: „Das kann sich als riesiger Fehler erweisen.“ Er erinnerte an die geplatzte Immobilienblase in den USA, die deutschlandweit Kommunen in die Krise stürzte. Corona und Krieg würden wohl „mindestens genauso dramatische Auswirkungen“ haben. Die Einnahmen der Gemeinde hängen derweil stark von der Konjunktur ab, und eine Rezession sei nicht auszuschließen.

Nicht anzuhalten sind schon in der Umsetzung begriffene Projekte wie das Lagunenbad, auf dessen 31 Millionen Euro Baukosten rund sechs Millionen drauf kommen, die Toiletten-Anlage am Ettelsberg und die Erschließung des Baugebiets Gantenhälse. „Die zu stoppen, wäre unsinnig, auch wenn keiner weiß, wie schnell die Interessenten bauen können.“

Die Corona-Krise hatte den lange ausgeglichenen Haushalt bereits ins Minus gestürzt, 540 000 Euro fehlten im Ergebnishaushalt. Den Etat hat die Aufsichtsbehörde genehmigt. Friedrich Wilke (Freie Wähler) fragte an, wie lange die Gemeinde rote Zahlen schreiben darf: 2023 muss der Haushalt noch nicht wieder ausgeglichen werden, die Defizite müssen aber ab 2024 aufgefangen werden, erläuterte Trachte. Bis zum Sommer wolle der Gemeindevorstand ein Finanzkonzept vorlegen. Auch wenn zwei, drei schlechte Jahre vorkommen können: „Nur eine Gemeinde, die finanziell gesund ist, kann auf Dauer bestehen.“ (wf)

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