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Gestrandet in Eimelrod: Theater Willingen begeistert das Publikum mit turbulenter Komödie

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Die Speckschnecken von Thea (Viola Wilke) versüßen auch Polizist Konrad (Moritz Ulbricht) den Einsatz, obwohl sich die beiden Kegelschwestern (von links Sabrina Göbel und Melanie Reinbothe) darüber lustig machen.
Die Speckschnecken von Thea (Viola Wilke) versüßen auch Polizist Konrad (Moritz Ulbricht) den Einsatz, obwohl sich die beiden Kegelschwestern (von links Sabrina Göbel und Melanie Reinbothe) darüber lustig machen. © Heike Saure

Wohl selten wurde auf einem Bahnsteig so viel gelacht, wenn der Anschlusszug auf unbestimmte Zeit ausgefallen war: Das Theater Willingen hat am Samstag seine Zuschauer mit auf eine Reise ins Irgendwo genommen.

Willingen – Das entpuppte sich als Eimelrod – und sorgte mit der Bahnhofs-Komödie von Winnie Abel für einen überaus vergnüglichen Abend. Zwei Jahre und zwei Minuten Verspätung sind laut Michael Göbel, der sowohl für die Begrüßung als auch für das Bühnenbild verantwortlich zeichnete, selbst für die Bahn eine ungewöhnlich lange Verspätung. Umso mehr freute sich das Theater Willingen, das im kommenden Jahr sein 30-jähriges Bestehen feiern kann, darüber, nach Corona endlich wieder vor Publikum auf der Bühne zu stehen. Und wie: Das Stück „Es fährt kein Zug nach Irgendwo“ reihte sich nahtlos in die lange Reihe der Komödien ein, die das Publikum Mitte November immer wieder aufs Neue in das Besucherzentrum locken.

Die Geschichte des Stücks: Aufgrund eines Triebwerkschadens hielt der ICE 6948 nicht planmäßig in Willingen, sondern in Eimelrod. Dort strandete eine illustre Truppe: Die drei Kegelschwestern (Melanie Reinbothe, Viola Wilke und Sabrina Göbel) auf dem Weg zu Siggis Hütte, der Verschwörungstheoretiker Hubert (Matthias Korte) und das Ehepaar Christa (Henrike Querl) und Klaus (Moritz Ulbricht), für deren Ehe eigentlich schon jeder Zug abgefahren war. Und wenn dann auch noch eine vermeintliche Psychopatin unter den Gästen sein soll, wird das Chaos am Bahnsteig in Eimelrod perfekt.

„Thea, wenn du so weiter futterst, müssen wir demnächst alleine für dich ein Gruppenticket lösen“, rügen die Kegelschwestern die Thermifee Thea. Nichtsahnend, dass sich die von ihr gebackenen Speckschnecken später noch als sehr nützlich erweisen: Sei es als Knebel für die Motivationstrainerin Sieglinde Sieg (Katja Große-Gehling) oder als Bestechung für den sehr korrekten Polizisten Konrad (Moritz Ulbricht).

„Bitte nicht einsteigen, der Zug verendet hier“, heißt es dann auch noch über den Lautsprecher und schon wird für Verschwörungstheoretiker Hubert der Fahrplan zur unverbindlichen Abfahrtsempfehlung mit Gleisvorschlag. Ein verschrobener Plan entspinnt sich, die gehetzte Businessfrau Viktoria (Anne-Carin Cullotta) gibt sich als Psychopatin aus, um per Polizeistreife noch pünktlich zu ihrem Termin nach Willingen zu kommen, Hubert und Sieglinde spielen mit, um zwei weitere Plätze im Polizeiauto zu ergattern. Zu dumm nur, dass zum einen die richtige Irre noch auftaucht und zum anderen Polizist Konrad auf die Verordnung pocht, niemanden sonst im Streifenwagen mitzunehmen.

Ob die amerikanische Touristin Stacy (Carolin Tüllmann) wohl jemals Schanze und Viadukt sehen und Landstreicher Reinhold (Katharina Becker) wohl wieder seine Ruhe auf dem Bahnsteig finden wird, entzieht sich der Kenntnis der Deutschen Bahn, denn nachdem der Zug nach mehr als zwei unterhaltsamen Stunden sich Richtung Willingen in Bewegung setzt, fällt der Vorhang mit den Worten „Aufgrund eines Triebwerkschadens endet dieser Zug in Usseln“. (Heike Saure)

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