Verbandsliga:

Krise als Entwicklungshelfer: Fußballer des SC Willingen spielen Hinrunde mit Höhen und Tiefen

Torjubel Fußballer
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Der Jubel beim SC Willingen war in der Hinrunde kein Dauergast. Es gab auch Krisen, Kellerdasein aber auch gute Spiele wie dieses hier gegen den Lichtenauer FV. Florian Heine (2.v.l) traf zum 2:1. Auch der Torjäger hatte seine Durchhänger. Die Neuzugänge Jonathan Vach (2.v.r.) und Fynn Butterweck schaffen den Sprung ins Team.

Die Willinger Fußballer haben in der Verbandsliga eine Hinrunde hinter sich, die der Landschaft im Upland gleicht: Höhen und Tiefen wechselten sich ständig ab.

Willingen – Der Weg nach unten war sogar so tief, dass man ihn schon als Krise bezeichnen konnte. Aber der positivste Aspekt dieser Hinrunde war, dass sich die Trainer Dardan Kodra, Till Frigger und die Spieler mit Willenskraft, Teamgeist und Kommunikation selbst aus diesem Loch wieder herausgespielt haben. Rang elf nach 16 Spielen, 17 Punkte, vier Siege, fünf Remis, sieben Niederlagen

Alles begann im Sommer mit einem Satz: Losgelöst von Ergebnissen, das fortführen, was mit Trainer Rainer Schramme begann, der hatte sein Amt an seinen Co.-Trainer abgegeben. Umbruch mit jungen Spieler aus der Region und diese an das Verbandsliga-Niveau heranführen.

Hinzu kam eine Spielidee: Attraktiven Fußball spielen, Angriffe sauber vorbereiten, so wenig wie möglich dem Zufall überlassen, viel über das Kollektiv kommen und dann im letzten Drittel die individuelle Klasse ausspielen.

Schnelles Umschalten mit frühem Pressing war eher angesagt als Ballbesitz und das Spiel selbst gestalten.

Aber was sich da auf dem Platz zu einer Größe entfalten sollte, endete im August gleich mit einem Fehlstart: 0:2 gegen Barockstadt II, mageres 1:1 in Thalau, 2:4 gegen Sand und 1:4 in Bad Soden. Der Motor stotterte. Ab in die Werkstatt. Wusste Kodra an welchen Schrauben er drehen musste?

„Auch wir Trainer mussten einiges an Lehrgeld zahlen“, gibt der 29-Jährige zu, der seine Mannschaft immer wieder drei Entwicklungsschritte voran schob, um sie dann wieder zwei Schritte zurückzuholen. „Wir wollten höher verteidigen, das haben wir nicht gut im Kollektiv gemacht.“

Die Abstände zwischen Abwehr und Mittelfeld stimmten nicht, die Löcher für den Gegner wurden größer, die Anzahl der Gegentore mehr. Und vorn blies nur ein Stürmchen. Elf Männer suchten ihr Gleichgewicht auf einem Fußballplatz. Und die jungen Spieler suchten Halt bei den älteren, aber auch die hatten keine Stabilität in ihrer Leistung.

Am Tiefpunkt die Ruhe bewahrt

Der September versprach Besserung, denn schon beim 1:2 gegen den späteren Herbstmeister CSC Kassel sah das Willinger Spiel phasenweise gut aus, beim 2:2 gegen Spitzenreiter Vellmar verpassten die Upländer den ersten Saisonsieg knapp, der dann eine Woche später beim 4:0 in Hombressen folgte.

Der außen stehende Beobachter hatte nun das Gefühl, die Mannschaft ist über dem Berg. Doch es kam erneut ein Rückfall. Kodra hatte schon in der zweiten Halbzeit gegen Vellmar gesehen, dass seine Mannschaft mental noch nicht stabil genug ist, denn nach dem Anschlusstreffer sei sie nicht nur nervös, ja sogar ängstlich geworden.

Die Trainer gaben vor dem Hombressen-Spiel ihren Kickern mit auf dem Weg, dass sie bei einer Führung nicht so sehr an das Risiko denken sollten, nicht darüber grübeln, was sie in dieser Situation zu verlieren, sondern nur was sie zu gewinnen hätten. Das funktionierte gut: erster Saisonsieg, erstes Spiel zu null. Aber jetzt darf der Blick doch endlich wieder nach oben gehen. Denkste! Schon eine Woche später beim 2:2 in Dörnberg war das Hurra schon wieder verflogen. Und der Tiefpunkt sollte erst noch kommen. 0:2 gegen Eichenzell und 0:1-Heimpleite gegen Türkcücü Kassel. „Das war bisher unser schwächstes Spiel“, meint Kodra.

Trainer hatte Rückendeckung von Vorstand und Spielern

Nun gab es schon einige Stimmen, die einen neuen Trainer forderten. „Doch der Vorstand und vor allem die Spieler standen immer hinter mir“, betont Kodra. Es wurde Zeit für intensivere Gespräche. Der Coach stellte sich die Frage: „Was machst du jetzt, wirst du autoritär?

Nein, es ist besser die Ruhe zu bewahren.“ Die Coaches und die Spieler suchten nach einem gemeinsamen Nenner. Und fanden ihn: Die Aufgaben auf dem Spielfeld klarer verteilen. Dabei wurden Fragen wie diese beantwortet: Wer ist für den Spielaufbau zuständig, wie positionieren sich gewisse Spieler, die ballfern stehen, damit sie bei einem Ballverlust noch eingreifen können. Das Besprochene wurde intensiv trainiert, auch verbal und visuell mit Videos und Taktiktafel. Es ging in alle Köpfe. Und Kodra ist davon überzeugt, dass ohne diesen Einschnitt, das Spiel in Gudensberg verloren gegangen wäre, aber sein Team drehte es und machte aus dem 1:3 noch ein 4:3.

„Die Spieler fingen wieder an, an sich zu glauben und haben dann auch an das geglaubt, was die Trainer ihnen erzählt haben“, sagt der Coach und muss bei den letzten Worten lachen. „Unsere Botschaft war eigentlich die gleiche wie zu Saisonbeginn, aber wir haben sie jedem einzelnen anders verkauft, sodass sie jetzt jedem besser schmeckt.“

Goldener Oktober für die Kodra-Elf

So wurde es für die Willinger Kicker ein Goldener Oktober. Es begann mit dem 6:0 Johannisberg, das für Kodra die Abschied von dieser Berg-und Talfahrt war. Es folgte der gute Auftritt in Gudensberg, ein 2:0 gegen Ehrenberg, ein 1:1 in Sandershausen und ein 2:2 gegen Lichtenau, nicht nur für Kodra das bislang beste Saisonspiel. Nur die Abschlusspartie der Hinrunde macht in dieser Geschichte das Happy End kaputt: 1:3 in Weidenhausen.

Dennoch kann Kodra heute sagen: Danke Krise! „Dankbar ist das falsche Wort und es klingt irgendwie doof, aber ja, ich glaube, dass war für die Entwicklung dieser Mannschaft gut, weil man aus Krisen mehr lernt als aus Erfolgserlebnissen.“

Und sie kam zum richtigen Zeitpunkt. Der Coach ist sich sicher, dass seine Mannschaft eine bessere Rück- als Hinrunde spielen und das Saisonziel einstelliger Tabellenplatz erreichen wird. Ein effektiveres Spiel in letzten Drittel steht ganz oben auf dem Trainingsplan. Hier ist eine Gruppe von Männern noch enger zusammengewachsen.. (rsm)

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