Eine Familie, zwei Trikots

Upländer Fußballer: Was Vater und Sohn Schilling gemeinsam haben

Ein Blauer und ein Roter: Alexander Schilling kann nicht so oft seinem Sohn Jonah beim Fußballspielen in Willingen zuschauen, weil er für den TuS Usseln in der Kreisoberliga noch selbst den Sechser spielen muss.
+
Ein Blauer und ein Roter: Alexander Schilling kann nicht so oft seinem Sohn Jonah beim Fußballspielen in Willingen zuschauen, weil er für den TuS Usseln in der Kreisoberliga noch selbst den Sechser spielen muss.

Jonah Schilling schoss am vergangenen Spieltag seine erstes Tor in der Verbandsliga und Alexander Schilling erzielte einen Tag später seine erstes Saisontor in der Kreisoberliga.

Der eine trägt das Trikot des SC Willingen, der andere das Hemd des TuS Usseln. Das soll vorkommen unter Brüdern werden nun die meisten denken. Das stimmt, aber die beiden sind Vater und Sohn. Und Jonahs Papa ist mit seinen 43 Jahren im Team des TuS Usseln auch kein personeller Notnagel, der mehr auf der Bank sitzt als auf dem Platz zu stehen.

Er ist Stammspieler auf der laufintensiven Sechser-Position. Vielleicht muss er ab und zu sogar mehr Meter machen als sein Sohn, der beim SCW in der Innenverteidigung spielt.

Usselns Trainer Michael Peters nennt seinen Oldie liebevoll „Maschine“. Dieser Spitzname steht für zuverlässig, erfahren, kaum Leistungsschwankungen, läuferisch und konditionell einfach nicht klein zu kriegen.

„Ich mache viel Ausdauersport und von der Luft her habe ich in den 90 Minuten keine Probleme, natürlich bin ich nicht mehr so schnell wie die jungen Spieler, aber das versuche ich über ein gutes Auge, Stellungsspiel und Erfahrung auszugleichen“, erzählt der 43-Jährige. Das scheint noch gut zu klappen, sonst würde ihn der Trainer auch nicht von Anfang anspielen lassen und meistens spielt er auch durch.

Doch ganz so jugendlich unversehrt lässt ihn sein Körper nicht mehr davonkommen. Der meldet sich nach einem Spiel am nächsten Tag mit kleinen Wehwehchen. Schilling hört auf ihn, treibt einen Tag keinen Sport. Er regeneriere auch beim Rennradfahren, sagte der 43-Jährige, der in Bontkirchen von seinem Vater das Fußballspielen gelernt hat.

Die Liebe zu einer Willingerin zog ihn ins Upland. Er wohnt in Willingen, spielt aber für Usseln. Diese Konstellation verschafft einem nicht nur Freunde. Die Rivalität, die zwischen beiden Vereinen herrscht, macht auch nicht vor der Haustür der Schillings halt. „Wenn Jonah in der Willinger Ersten spielt, stört mich das nicht, aber wenn er in der Zweiten spielt, dann wünsche ich ihm zwar auch ein gutes Spiel, aber nicht unbedingt viel Erfolg“, sagt der Vater.

Er hatte auf ein erstes Duell Schilling junior gegen Schilling senior gehofft, denn im Kreisoberliga-Saisonspiel, traf sein TuS auf die Willinger Zweite. „Leider war Jonah da im Urlaub, schade, denn in der Liga gegen ihn zu spielen, ist noch ein Wunsch von mir“, sagt Schilling, fügt aber etwas nachdenklich hinzu: „Vielleicht wäre es aber auch ganz komisch für mich gegen Jonah zu spielen.“ Das Duo teilt nicht nur das Hobby Fußball, sondern auch den Beruf: beide sind Zimmermann

Seine 43 Jahre sieht der Oldie beim Fußball nicht nur als Nachteil an. „Ich spüre im Spiel viel mehr Ruhe in mir als früher.“ Dadurch habe auch die Weisheit, ein Spiel dauere 90 Minuten, für ihn eine andere Bedeutung bekommen als in jüngeren Jahren. Schilling senior fühlt sich in seiner Mannschaft auch nicht als Außenseiter, weil er bei einigen Themen nicht mehr so gut mitreden kann. „Durch meinen Sohn weiß ich schon noch, was die Jungs bewegt. Und so alt bin ich nun auch wieder nicht, denn ab und zu ziehe ich auch noch um die Häuser, dabei treffe ich auch öfters Teamkollegen.“

Den internen Konkurrenzkampf nimmt Schilling immer wieder gern an. Bislang entscheidet sich der Trainer für das höhere Alter, auch, weil dieser Schilling immer noch eine enorme Laufbereitschaft aufs Feld bringt und ein Kopfballspiel, auf das er schon immer großen Wert gelegt hat. „Viele können das nicht, dann hast du schon einen Vorteil.“

Diesen Satz sagte er auch seinem Sohn und die beiden warfen und schossen sich beim Privattraining die Bälle gegenseitig an den Kopf. Der etwas ältere Herr im Usselner Mittelfeld hat auch noch keine Motivationsprobleme. Nachdem der Sohn sein erstes Tor in der Verbandsliga geschossen hatte, frotzelte man beim TuS: „Hey Alex, jetzt musst du aber nachlegen.“ Nichts leichter als das, er traf.

Schilling will seine Karriere nach der Saison beenden. Er hatte schon zweimal aufgehört. „Doch der Trainer rief immer wieder an“, sagt er. Und wenn er nächstens Jahr wieder anruft? „Dann müsste ich wirklich mal in meinen Körper reinhören und gucken, was da noch so los ist.“ Bestimmt einiges. Reinhard Schmidt

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.