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Malte Anders klärt bei Kabarett „Homologie“ in Willingen über Sexualität auf

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Von: Wilhelm Figge

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Die vielen Facetten der „Homos“ vom Erektus bis heute erläuterte Malte Anders im Rahmen der Upländer Präventionstage“.
Die vielen Facetten der „Homos“ vom Erektus bis heute erläuterte Malte Anders im Rahmen der Upländer Präventionstage. © Wilhelm Figge

Über Homosexualität normal reden und Vorurteile abzubauen, war Thema der Willinger Präventionstage – anhand des kabarettistischen Schulprogramms „Homologie“.

Willingen – Bei seiner Arbeit dürfe er nicht rot werden, erklärt Malte Anders den im Rahmen der Präventionstage versammelten Siebt- bis Neuntklässlern der Uplandschule – und neckte sie etwas, wenn sie erröteten: Der Job sei, über sexuelle Vielfalt zu sprechen. Angelehnt ans griechische „homo“ für „gleich“ nennt er sein Programm „Homologie“: „Das bedeutet etwas, dass im Grunde genommen gleich, und doch irgendwie anders ist.“ Das gelte für Menschen verschiedener Herkunft, Hautfarbe und Religion, für kleine Unterschiede und eben auch für die Sexualität.

Er reiste quer durch die Schulfächer, zuerst Biologie: Ein „Homo-Gen“ wurde noch nicht entdeckt, die Erziehungswissenschaftler seien sich uneinig, warum jemand homosexuell ist: „In der dritten Klasse war ich schon in einen Jungen verliebt und damals hat mich die Erziehung meiner Mutter nicht im geringsten interessiert.“ Liege es vielleicht daran, wenn Jungs rosa Überraschungseier essen? „Ich esse bis zu dreimal in der Woche ein normales Ü-Ei und bin immer noch schwul.“. Fazit: „Schwul oder lesbisch bist du – oder du bist es eben nicht.“

Einen Englisch-Exkurs unternahm Malte Anders mit dem Begriff Coming-Out: Seinen Eltern mitzuteilen, dass er schwul ist, sei nicht gut gelaufen: „Die hatten sich das anders vorgestellt“. Dass er eben „normal“ werde. Aber: „Wer bestimmt, was normal ist?“ Komische Fragen müsse er immer noch beantworten, etwa ob er zuhause Make-up und High Heels trage: Geschlechtsidentität habe nicht mit der Sexualität zu tun, erklärte er. Er sei ein Mann, der Männer möge.

Weiter durch das Curriculum ging es mit Mathe: Zehn Prozent der Deutschen seien homosexuell – was die Frage aufwerfe, warum sie nie in Schulbüchern vorkommen. Erdkunde: In vielen Ländern sei Homosexualität noch strafbar und Gewalt gegen Trans-Personen Alltag. Angesichts von Entwicklungen wie etwa in Polen könne sich niemand sicher sein, seine Rechte zu behalten. Weniger ernst der Sport: Mit einem Zusammenschnitt inniger Berührungen beim Fußball untermauerte Anders seine These, dass das Spiel interessanter wäre, würden mehr Fußballer das Outing wagen. „Vorurteile haben wir alle im Kopf“, hielt er fest: „Die Frage ist, wie gehen wir damit um?“ Da sei er froh über einen Mitschüler, der einfach nur neugierig war und Fragen stellte – auch wenn das Gespräch am Urinal stattfand und keiner in Gegenwart des anderen Wasser lassen konnte. Immerhin spendierte der Mitschüler nachher türkische Baklava – vielleicht weil er als Ausländer etwas von „Homologie“ verstand: „Wir sind anders, aber gleich.“

Anonym konnten die Schüler Fragen stellen, etwa wie sie erkennen, dass sie homosexuell sind, und wie sie sich am besten outen – Malte Anders bot an, über Instagram weiteren Rat zu geben. Eine andere Frage: „Fühlst du dich besonders?“ Seine Antwort schloss den Kreis: „Ne, ich fühle mich normal.“

Zum Thema Homosexualität hätten Jugendliche wenig Ansprechpartner, die ihnen von Angesicht zu Angesicht von ihren Erfahrungen erzählen, erklärte Jasmin Sender, Beratungslehrerin und Mitglied im Präventionskreis. Der Auftritt gehe einher mit der Entscheidung, dass Thema aufzugreifen, wenn im Religionsunterricht der neunten Klassen Liebe und Sexualität auf dem Lehrplan stehen: „Wir wollen einfach zeigen, dass es normal ist, darüber zu sprechen.“ (wf)

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