Lange Karriere im Formel-Sport

Rennfahrer Erich Rostek stellt Erinnerungen an Sauerland-Bergpreis in Usseln aus

Erinnerungen an den Sauerland-Bergpreis und seine Zeit als Formel-Rennfahrer hat Erich Rostek (links) an Reiner Mütze übergeben. Nun stehen sie inmitten historischer Autos.
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Erinnerungen an den Sauerland-Bergpreis und seine Zeit als Formel-Rennfahrer hat Erich Rostek (links) an Reiner Mütze übergeben. Nun stehen sie inmitten historischer Autos.

Der Sauerland-Bergpreis war ein renommiertes Rennen kurz hinter der waldeckisch-westfälischen Grenze. Erich Rostek war erfolgreich mit dabei und teilt seine Erinnerungen.

  • Von 1965 bis 1984 zog der ADAC Sauerland-Bergpreis jährlich zehntausende Gäste an die Landstraße zwischen Nuttlar und Kallenhardt.
  • Mit Formel-V-Autos erfolgreich mit dabei war Erich Rostek aus Vlotho.
  • Erinnerungen aus dieser Zeit und seiner Rennfahrer-Karriere stellt er in Usseln aus.

Willingen-Usseln – 25 000 Menschen stehen an der Landstraße zwischen Nuttlar und Kallenhardt und jubeln, als Sport- und Tourenwagen, Prototypen und Formel-Rennwagen die bergige Straße hinaufsausen, ihre Fahrer sich einen Wettstreit um die besten Zeiten in ihren Klassen liefern: So erinnert sich Erich Rostek an den Sauerland-Bergpreis. Von 1965 bis 1984 war dieser Wettbewerb eine der größten Sportveranstaltungen der Region und das größte Rennsportereignis in NRW. Und Erich Rostek aus Vlotho war erfolgreich mit dabei: Andenken daran hat er dem privaten Museum „Curioseum“ in Usseln überlassen.

Zahlreiche Pokale zeugen von seiner Karriere als erfolgreichster Formel-Rennfahrer Westfalens. Gemeinsame Fotos mit Michael und Ralf Schumacher sowie Steffi Graf zeigen, dass die Renn-Leidenschaft ihn so manche Sportgröße treffen ließ. Das auffälligste Stück stammt von einer, mit der er gut bekannt war: Keke Rosberg, Formel-1-Weltmeister aus dem Jahr 1982, schenkte ihm einen feuerfesten Rennanzug, den er dann auch in Rennen einsetzte.

Rosberg, Mass und Stuck fuhren beim Sauerland-Bergpreis

1976 stellte der Finne im Formel-2-Rennwagen den Bergrekord beim Nuttlarer Rennen auf. Rosberg war nicht der einzige große Name, der beim Sauerland-Bergpreis eingetragen wurde: Auch Hans-Joachim Stuck und Jochen Mass fuhren mit. 1972 und 1973 fand in den ersten beiden Saisons der Deutschen Rennsport-Meisterschaft – gewissermaßen der Vorgängerin der DTM – das Finale auf der Nuttlarer Höhe statt.

Erich Rostek fuhr von 1975 und 1984 beim Sauerland-Bergpreis mit. Viermal gewann er in der Formel-V-Klasse. 1979 legte er mit einem Kaimann Formel V 1300 den Werksrekord hin, seine Zeit von 1:51,9 wurde in der Klasse nie unterboten. Später war er mit Formel-3-Wagen in Nuttlar am Start.

„Die Formel V war damals die Startformel für alle, auch Lauda und Rosberg fingen damit an“, erklärt Erich Rostek. Die Wagen basierten auf Käfer-Teilen, Ersatz war einfach zu beschaffen. 5000 Mark kostete sein erstes Rennauto, auf 220 Stundenkilometer kam es: „Das war Formel 1 in Miniatur.“ Auch mit lokalen Fahrern maß Erich Rostek sich zwischen Nuttlar und Kallenhardt, etwa dem Upländer Fred Franke, dem Arolser Hans-Joachim Wierschula und dem Briloner Erhard Paschtalka.

Erich Rostek mIt dem Reynard Formel 3 am Berg auf dem Weg zum Sieg: Bis in die 1990er fuhr er Formel-Wagen bei Bergrennen.

„Ich bin die Strecke gerne gefahren“, berichtet Erich Rostek: Sie sei eine schöne Mischung aus schnellen und anspruchsvollen Kurven gewesen. Die Rennen waren ein Zeitfahren: Alle 30 Sekunden fuhr ein Wagen los, die Zuschauer sahen praktisch immer ein Fahrzeug. Die kurzen Bergrennen seien eine besondere Herausforderung: Auf einer Rundstrecke lasse sich in längeren Rennen einiges wieder rausholen, „aber ein Bergrennen verzeiht keine Fehler“. Gerade bei den herbstlichen Bedingungen des Sauerland-Bergpreises sei das zu merken gewesen. Dass das Rennen immer im Oktober stattfand, war oft auch dem Fahrerlager in den Wiesen anzumerken. Die Siegerehrung fand derweil in der Schützenhalle in Nuttlar statt, unter anderem moderierte Frank Elsner.

Der MSC Oberruhr und Karl Freiherr von Wendt stießen die Entwicklung des Traditionsrennens an. Auch die Brauerei Warsteiner stand dahinter, was von ihr gesponserte Fahrer wie Keke Rosberg an den Start brachte. Doch nach 1984 war Schluss: Es gab keine Genehmigung mehr für das Rennen. Rostek macht das am politischen Klima fest, die Grünen waren just in den Kreistag eingezogen. Versuche des ADAC zur Neuauflage fruchteten nicht. Lediglich historische Ausfahrten gibt es wieder, aber keine Rennen. „Das Motorsportereignis Westfalens“ scheint Geschichte zu sein.

Von Formel V bis Formel 1: Erich Rostek war lange unterwegs

Erich Rosteks Rennfahrerkarriere ging derweil weit über das Sauerland hinaus. Er fuhr noch lange mit Wagen der Formeln V, Ford und 3 Berg- sowie Rundstreckenrennen und sammelte Erfolge. Für das große Ziel, die Profi-Karriere, reichte es aber nicht: 1978 baute er in seinem ersten Formel-3-EM-Lauf einen schweren Unfall. Konsequenz war zum einen eine Gehirnerschütterung, zum anderen war der vom Munde abgesparte und bei der Firma Maco selbst zusammengebaute F3-Wagen Schrott.

Er fuhr weiter und ist auf zwei Erfolge besonders stolz: In der Formel Ford 1600 wurde er 1980 Deutscher Vizemeister und landete vor dem späteren Langstrecken-Weltmeister und Formel-1-Fahrer Stefan Bellof. Und beim Internationalen Deutschen Bergpreis belegte er 1994 der dritten Rang, bis zum letzten Rennen hätte er Meister werden können.

Erich Rostek aus Vlotho legte eine lange Formel-Karriere hin.

Prägend für seine Karriere waren die Bergrennen. Weil sie kurz sind, bleibt der Verschleiß überschaubar. Und dadurch, dass die Fahrer einzeln Zeiten setzen, wurde es unwahrscheinlicher, dass ihm jemand ins Auto fährt. Sein Geld verdiente der gelernte Maschinenbauer als Event-Veranstalter, organisierte parallel Messen und Promo-Aktionen.

Historische Formel-1-Rennen mit 1982er March gefahren

1991 begrüßte er auf einer Motorshow noch Michael Schumacher, kurz darauf saß der spätere Weltmeister in seinem ersten Formel-1-Auto. Wenige Jahre später sollte das auch Erich Rostek passieren, nur auf etwas andere Art: „Ich hatte das Riesenglück, Karstadt als Sponsor gewonnen zu haben.“ Die Warenhaus-Kette unterstützte Motorsport, um das Tempo ihres Foto-Services zu unterstreichen – und Erich Rostek erhielt 1995 die Gelegenheit, historische Formel 1 zu fahren. Er flog selbst nach England, um den Wagen zu besorgen: Einen March-Ford von 1982, der von Jochen Mass gefahren wurde.

„Das ist der Traum eines jeden Rennfahrers“, sagt er. Bis zum Jahr 2000 fuhr er historische Formel-1-Rennen. Im Fahrerfeld seien viele vermögende Leute gewesen, die das als Hobby machten. Der March, der 1982 punktlos geblieben war, hatte kaum eine Chance gegen Ferraris und McLarens – aber Erich Rostek hatte Erfahrung: Sein größter Erfolg war ein vierter Platz bei einem historischen Grand Prix auf dem Nürburgring. „Wie Michael Schumacher kommt man sich da vor“, erinnert er sich noch immer.

Zum Formel-1-Fahrer wurde Erich Rostek im historischen Setting: mit einem 1982er March. Seine Erfahrung mit Formel-Fahrzeugen habe er dabei gut einsetzen können.

„Ich möchte diese Zeit nicht missen“, hält der 67-Jährige fest. Im Jahr 2000 war für ihn Schluss mit dem Rennfahren, doch einen Formel-2-Wagen hat er noch und setzt ihn dann und wann für Demonstrationen ein. Die Andenken seiner Zeit als Rennfahrer übergab er an Reiner Mütze vom Curioseum, die Idee kam beim gemeinsamen Kaffeetrinken. „Wenn man so etwas abgibt, will man wissen, wo es landet.“ Mütze erinnert sich selbst noch an den Sauerland-Bergpreis und die Menschenmassen an der abgesperrten Straße. Eine Erinnerung daran soll erhalten bleiben. (wf)

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