Auswahl aus 150 Bewerbungen

Start in der Kreisliga: Neu gegründetes Frauenfußballteam von Borussia Dortmund weilt zum Trainingslager in Willingen

Die Fußballerinnen von Borussia Dortmund
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Erstes Erfolgserlebnis. Die Fußballerinnen von Borussia Dortmund bejubeln ihr erstes Tor, das bei ihrem Spieldebüt gegen 1860 München fiel. Sie siegten 3:1. Auch die Löwen haben in diesem Jahr erstmals eine Frauenmannschaft am Start.

Willingen – Kreisligist Borussia Dortmund. Das hört sich irgendwie falsch an. Für Thomas Sulewski klingt das mittlerweile ganz normal.

Er trainiert dieses BVB-Team und schlägt am kommenden Wochenende ein Trainingslager in Willingen auf. Die Frauen von Borussia Dortmund spielen in der untersten westfälischen Liga, weil diese Sparte in diesem großen Club, einer der größten in Deutschland, erst im Juni dieses Jahres gegründet wurde.

Wenn Borussia Dortmund ruft und Spielerinnen sucht, melden sich in kürzester Zeit so viele Interessentinnen, dass gleich sechs oder sieben Mannschaften gebildet werden könnten. Rund 150 Videos trafen in der BVB-Zentrale ein, nachdem der Verein den Aufruf gestartet hatte. „Das war schon eine Herausforderung, die alle anzugucken“, erinnert sich Sulewski.

Bewerbungen aus München und Hamburg

Der Proficlub hat aber nicht seine Wurzeln vergessen, denn er achtete bei der Auswahl schon darauf, dass diese Frauenmannschaft keine bundesweit zusammengewürfelte Truppe wird, sondern aus Spielerinnen besteht, die rund um Dortmund wohnen. „Wir hatten einen Umkreis von 35 Kilometern angegeben und trotzdem erhielten wir auch Bewerbungen aus München, Hamburg oder Kiel“, erzählt Sulewski. Klare Absage.

Die Anweisung lokal zu beginnen kam von ganz oben. Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke sagte der ARD: „Wir gehen den BVB-Weg und fangen in der untersten Liga an.“ Hier ist die Chefetage des Profiklubs auch sehr aufmerksam. Als Großkotz in der Kreisliga aufzutreten ist das letzte, was Watzke und Co. gebrauchen könnten. „Wir fahren zu den Auswärtsspielen mit Privatautos und nicht mit einem BVB-Bus“, betont Sulewski.

Dennoch ist der Kreisligist Borussia Dortmund in einigen Bereichen professionell aufgestellt. Drei Trainer betreuen die Spielerinnen, auch medizinisches Personal kümmert sich um sie. Als Berater stehen die ehemalige Nationalspielerin Annike Krahn und BVB-Ex-Profi Christian Timm der Mannschaft zur Seite.

50 Auserwählte zum Probetraining geladen

Der Verein hatte den Bewerberinnen fußballerische Aufgaben gestellt, die sie in dem Video darstellen sollten. Neuanfänger seien gar nicht dabei gewesen, erzählt der Coach. Die Anzahl der Spielerinnen in der neuen Mannschaft, die bereits Landesliga oder gar schon höher gekickt haben, will er nicht genau beziffern. „Es sind schon einige.“ Sulewski weiß auch nicht, ob unter den Bewerberinnen eine Frau oder Freundin von einem BVB-Profi gewesen ist. 50 Auserwählte lud der BVB zum Probetraining ein und daraus wurde ein Kader von 23 Spielerinnen aussortiert.

Das Absagen sei gar nicht so leicht gefallen, aber allen zusagen und gleich zwei Teams aufbauen, davon hält der Coach nicht viel. „Wir müssen uns erst einmal um eine Mannschaft kümmern, das ist schon Arbeit genug, außerdem wollten wir nicht mannschaftsintern so früh Grenzen ziehen.“ Dem Coach ist aufgefallen, dass viele Spielerinnen zwar ganz gut mit dem Ball umgehen könnten, aber taktisch liege bei den meisten noch einiges im Argen.

Trainer wechselt von 2. Bundesliga in die Kreisliga

Obwohl die Entscheidung des Vereins, ganz unten anzufangen, lobenswert ist, scheint diese Mannschaft in der Kreisliga erheblich unterfordert zu sein. Eine zu große Dominanz kann auch schnell zur Langeweile und Überheblichkeit führen. Oder, Herr Sulewski? Dem widerspricht der Coach vehement. „Das höre ich öfter, woher wisst ihr das schon so genau. Wir wissen ja noch gar nicht, ob wir dominant sein werden, haben bisher erst drei Testspiele gemacht, die waren zwar ganz ordentlich, aber es wird auf keinen Fall langweilig werden.“ Es bestehe auch kein Grund zur Überheblichkeit. Das würde er auch sofort unterbinden, denn es gebe noch viele Baustellen.

Sulewski selbst hätte einen Grund überheblich ans Werk zu gehen, denn er wechselte als Trainer des Frauen-Zweitligateams, SV Berghofen, in die Kreisliga. Er habe es nicht wegen des Geldes getan, beteuert er. „Bei uns fließt noch kein Geld, ich habe mich für diesen Trainerjob beworben, weil ich Dortmunder bin und ich dieses Projekt interessant finde.“ Außerdem arbeite er in einer Dortmunder Firma in Vollzeit in der Logistik.

1300 Fans beim ersten Spiel im Stadion

Warum kommt der Frauenfußball so spät zur Borussia nach Dortmund? Diese Frage kann Trainer Sulewski auch nur mit einem Schulterzucken beantworten. „Da müssen Sie schon in der Chefetage nachfragen.“ Vielleicht ist auch der sportliche Rivale Schalke 04 daran beteiligt, denn die Knappen feierten 2020 die Premiere eines Kickerinnenteams. Da muss Schwarzgelb nachziehen

Sulewski hält sich auch bedeckt, auf die Frage, ob andere Dortmunder Vereine, die bisher im Frauenfußball die erste Adresse in der Stadt sind, nicht fürchten müssen, dass sie künftig Spielerinnen an den großen BVB verlieren könnten. „Bis wir in der Bundesliga sind, dauert es noch Jahre.“

Einen ersten Eindruck, wie groß dieser Verein in Sachen Anhängerschaft ist, bekamen die anderen Dortmunder Clubs aber schon beim ersten Spiel der Mannschaft gegen 1860 München zu spüren.

1300 Fans waren im Stadion Rote Erde und tausende schauten online zu, berichtet der Verein auf seiner Internetseite. Der BVB gewann 3:1. So viele werden vermutlich am Sonntag nicht in Willingen zuschauen, wenn die Mannschaft um 15 Uhr auf den SVW Ahnatal (Oberliga Region) trifft. Aber BVB-Fans ist alles zuzutrauen. rsm
(rsm)

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