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Übernachtungszahlen in Willingen nähern sich Vorkrisen-Niveau

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Familienangebote wie die „Meine Card Plus“ werden in Willingen verstärkt genutzt, vermeldet die Tourist-Information.
Familienangebote wie die „Meine Card Plus“ werden in Willingen verstärkt genutzt, vermeldet die Tourist-Information. © ysite.de / Alibek Kaesler

Die Auswirkungen der Pandemie auf die Willinger Übernachtungszahlen lassen nach, nun bereiten sich die Touristiker auf die nächste Krise vor.

Willingen (Upland) – Das erste Halbjahr seit Beginn der Pandemie, das nicht von Schließungen betroffen war, hat die Urlaubsregion Willingen erfolgreich hinter sich gebracht: Das Statistische Landesamt meldet 162 721 Gäste und 441 769 Übernachtungen. Damit hat Willingen das Vorkrisenniveau von 2019 mit 535 007 Übernachtungen noch nicht wieder erreicht, sieht sich aber auf einem sehr guten Weg.

Den Start erschwerten der milde Winter und monatelange Unsicherheit beim Infektionsgeschehens, teilt die Gemeinde mit. Auch der Skisprung-Weltcup ohne Zuschauer habe erheblichen Anteil gehabt. Lag Willingen im ersten Quartal noch 28 Prozent unter dem Niveau von 2019, so haben die Gastgeber deutlich aufgeholt und das Minus auf 18 Prozent reduziert. Vor allem April und Mai waren erfolgreich. Der Juni lag mit 3,4 Prozent leicht unter dem Wert von 2019 – allerdings war der Vergleichsmonat der stärkste je registrierte Juni. Auch der sehr späte Beginn der hessischen Sommerferien spiegele sich wieder.

„Die Reisebeschränkungen sind gefallen. Die Menschen können wieder fliegen und wollen raus“, erklärt Tourismusdirektor Norbert Lopatta. Auch wenn an den Flughäfen großes Chaos geherrscht habe, hätten Reisende an ihren Buchungen festgehalten. Von den Unentschlossenen habe die Region hingegen profitiert: „Wer bis Juni noch nicht gebucht hatte, hat sich vielfach für einen Urlaub in der näheren Umgebung entschieden.“ Auch die Sorge um Inflation, Energiepreise und Gasumlage spiele mit.

Familientourismus in Willingen in den Fokus rücken

Die Tagesgäste werden nicht statistisch erfasst, der Besuch von Freizeitanlagen sei aber ein guter Indikator. Nach einem guten April und dem Bike Festival im Mai sei die Besucherzahl etwas zurückgegangen, hat beispielsweise die Ettelsberg-Seilbahngesellschaft registriert. Mit dem Beginn der Ferien sei die Nachfrage wieder deutlich angezogen. Besonders viele Wanderer fahren demnach auf den Berg, wo Turm und Hütte wieder durchgängig öffnen: „Die Gäste haben wieder ein Ziel“, erklärt Sprecherin Marina Kieweg.

Deutlich angezogen hat die Nachfrage nach vergünstigten Angeboten, die „Meine Card Plus“ werde verstärkt genutzt. Im Bikebark wurden mehr Familientickets verkauft. Der Tourismusdirektor führt die wachsende Nachfrage nach Familienangeboten auf die verstärkten Marketing-Tätigkeiten um diese Zielgruppe zurück. Teil des Maßnahmen-Katalogs der Tourist-Information sind Social-Media-Aktivitäten, der Fokus lag in diesem Sommer verstärkt auf Familien. Deutlich gestiegen ist das Interesse an Gratis-Angeboten wie dem Mitmachzirkus und Familienwanderungen.

Hoffnung für die Zukunft machen Bauprojekte: Die Hängebrücke Skywalk wird fertiggestellt, am Ritzhagen plant Familie Rummel Investitionen. Die Gemeinde und der Kurbetrieb selbst planen, das neue Lagunen-Erlebnisbad im Winter 2023 fertigzustellen.

Inflation und Energiekosten: Urlauber müssen sparen

In guten Jahren kommt Willingen auf mehr als eine Million Übernachtungen. So war es von 2016 bis 2019 der Fall. Wie weit die Region bis zum Jahresende an diesen Wert herankommt, hinge von der Entwicklung der Pandemie und den Auswirkungen von Inflation und Energiekosten auf das Konsumverhalten ab, so Lopatta.

Bisher werde vorwiegend an hochpreisigen Angeboten gespart. „Menschen bereiten sich jetzt schon auf den teuren und wirtschaftlich unsicheren Winter vor und verzichten dann oftmals auf das Ausgehen und das Essen im Restaurant. Einige kaufen sich ihre Verpflegung auch im Supermarkt“, so Lopatta.

Das 9-Euro-Ticket hatte nach Erfahrungen der Anbieter von Freizeiteinrichtungen keine spürbaren Auswirkungen. Veranstalter der großen Events hingegen sehen die günstige Anreise durchaus als Anreiz, sich einen Konzertbesuch zu gönnen

Neben den Unsicherheiten, die im Herbst und Winter auf die Urlauber zukommen, sehen die Touristiker in Willingen auch erhebliche Chancen. Kurze Anfahrtswege, deutlich steigende Preise bei den Pauschalreisen ins Ausland und extrem hohe Preisanstiege im Energiebereich machen den „Urlaub um die Ecke“ wieder attraktiver. Darauf stellt sich der Tourismus ein. Dennoch sind viele Unternehmer zuversichtlich: „Es braucht eine Zeit, bis sich die Nachfrage erholt. Spätestens 2024 rechne ich wieder mit Normalisierung“, schätzt Arndt Brüne die Lage ein, der Betreiber der Graf Stolberg Hütte. (red)

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