Pfarrstelle für Senioren und Kur

Willingen entwickelt Strategie für Lebensqualität älterer Bürger, Versorgung und Gesundheitstourismus

Der entstehende Gesundheits- und Wohlfühlcampus zwischen Seniorenheim, Kirche und Kurgarten ist ein städtebauliches Herzstück des vorgestellten Konzepts – doch geht es noch viel weiter.
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Der entstehende Gesundheits- und Wohlfühlcampus zwischen Seniorenheim, Kirche und Kurgarten ist ein städtebauliches Herzstück des vorgestellten Konzepts – doch geht es noch viel weiter.

Demografischer Wandel und steigendes Bewusstsein für die Gesundheit stellen Kommunen vor Probleme - und Chancen. Willingen hat eine neue Strategie.

Willingen (Upland) – Die medizinische Versorgung, stationäre und häusliche Pflegemöglichkeiten, altersgerechter Wohnraum, soziale Kontaktmöglichkeiten für Senioren und die Rolle von Gesundheit im Tourismus: Der demografische Wandel und das steigende Bewusstsein für Gesundheit stellen die Gemeinde Willingen vor viele Herausforderungen.

Bürgermeister Thomas Trachte hat der Gemeindevertretung ein Gesamtkonzept zur Bewältigung vieler Probleme vorgestellt, dass bestehende Ideen miteinander verbindet und neue einfließen lässt.

Städtebau soll Senioren Wohnen und Wohlfühlen in Willingen ermöglichen

Ein „Gesundheits- und Wohlfühlcampus“ entsteht bereits: Kurgarten, Ärztehaus samt Apotheke, Seniorenheim und Pflegehotel liegen beieinander. Ergänzt wird das Areal durch die Erweiterung des Pflegehotels inklusive Gesundheitszentrum und dem Begegnungscafé, zu dem die Kirche das Gemeindezentrum umgestaltet. Als Fernziel soll der Bereich als Ruhe- und Kurzone dienen.

„Es ist wichtig, dass in der Gemeinde ein Wohnungssegment für die ältere Zielgruppe entsteht“, hielt Trachte fest. Dazu gehöre nicht nur betreutes Wohnen, sondern auch altersgerechte Wohnungen darüber hinaus. Pläne zum betreuten Wohnen im Strycktal konnten nicht weiterverfolgt werden, doch derzeit werden zwei Konzepte erarbeitet, die zur Diskussion gestellt werden.

Bei öffentlichen Bauprojekten gehört es zur Strategie, den Behindertenbeirat der Gemeinde zu involvieren, um Barrierefreiheit herzustellen. Als Vorzeigeprojekt nannte Trachte den Neubau des Lagunenbads.

Gesundheitsnetzwerk PORT bündelt Angebote in Willingen und Diemelsee

Alle im Gesundheitswesen tätigen Akteure vernetzt das Gesundheitsnetzwerk PORT. Das Projekt der Gemeinden Willingen und Diemelsee sowie des Landkreises betreibt auch ein Case- und Care-Management, das Ältere und Menschen mit Pflegebedarf, dauerhaften Erkrankungen oder Einschränkungen dabei unterstützt, Hilfe zu finden und zuhause zu leben. 60 Fälle hat es so allein in Willingen betreut. Ein Fokus liegt auf Prävention: „Sie ist die Erfolgsformel, damit das Gesundheitssystem weiter funktionieren kann“, so Trachte.

Willingen will Chancen in Gesundheits-Tourismus und Kur nutzen

Tourismusmanager Norbert Lopatta arbeite daran, das Thema Kur zu bewerben – im Heilklimatischen Kurort und Kneippheilbad mit vielen Anbietern, bestehe da beste Möglichkeiten. Da nach neuer Gesetzeslage ein Rechtsanspruch auf ambulante Vorsorgekur beziehungswiese offene Badekur besteht, entwickelt die Tourist-Info mit dem Hessischen Heilbäderverband entsprechende Produkte. Auch PORT soll eingebunden werden und so ein weiteres Standbein erhalten.

Lebensqualität im Alter soll in Willingen gesichert werden

Nicht nur in Kur und Pflege: „Es muss innovative Betreuungskonzepte für ältere Menschen geben“, hielt Trachte fest. Dazu gehörten Möglichkeiten, drohender Vereinsamung zu begegnen und eine Art „Senioren-Uni“ etwa mit Kursen zu Digitalisierung. Ausflüge, Konzertbesuche, Gesprächsrunden, Einkaufshilfen sind andere Beispiele. Nach guten Erfahrungen bei den Kindergärten und in der Jugendarbeit sei die Kirche ein guter Partner.

Eine ganze Pfarrstelle ist für die Betreuung von Senioren und die Kurseelsorge mit modernem Begleitprogramm unter dem Stichwort „Balance“ vorgesehen. Deren Kosten übernimmt die Gemeinde zur Hälfte; einstimmig bewilligte das Parlament 60 000 Euro pro Jahr über fünf Jahre. „Ich bin überzeugt, dass die Gemeinde Arbeit in dieser Qualität günstiger nicht bewältigen kann“, so Trachte. (wf)

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