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Willingen erhält als erste Kommune in Waldeck-Frankenberg das Kompass-Sicherheitssiegel

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Von: Wilhelm Figge

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Übergabe des Sicherheitssiegels: (von links) Michael Tegethoff, Tino Hentrich (Leiter der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg), Thomas Trachte, Peter Beuth und Landtagsabgeordneter Jan-Wilhelm Pohlmann.
Übergabe des Sicherheitssiegels: (von links) Michael Tegethoff, Tino Hentrich (Leiter der Polizeidirektion Waldeck-Frankenberg), Thomas Trachte, Peter Beuth und Landtagsabgeordneter Jan-Wilhelm Pohlmann. © Wilhelm Figge

Willingen hat als erste Kommune im Polizeipräsidium Nordhessen das Kompass-Sicherheitssiegel des Innenministeriums erhalten. Wichtig war die Perspektive der Bürger.

Willingen (Upland) – Gut vier Jahre nach Einstieg in die Landes-Initiative Kompass hat Innenminister Peter Beuth das Sicherheitssiegel für die Gemeinde Willingen überreicht. In Zusammenarbeit mit Bürgern haben Polizei und Kommune in dem Prozess Probleme im Upland ausgemacht und an Lösungen gearbeitet.

„Ein wesentliches Problem sind die Geschehnisse rund um das Wochenende“, hielt Bürgermeister Thomas Trachte fest. Der Club-Tourismus habe wirtschaftliche Bedeutung, bringe aber auch Probleme mit sich. Er unterstrich die gute Zusammenarbeit mit der Polizei, in der Sicherheitsinitiative sei es darüber hinaus gelungen, Ideen der Bürger einzuholen.

„Was mit dem Programm möglich ist, ist in Willingen aufgegangen“, befand Peter Beuth (CDU). Die Polizeiliche Kriminalstatistik gebe über vieles Auskunft, aber nicht über das Sicherheitsgefühl der Bürger. An gewissen Stellen ergebe sich für sie ein anderes „Lagebild“ als für die Polizei: „Wenn ich das subjektive Sicherheitsgefühl der Bürger kennenlernen will, muss ich sie fragen, wo sie sich unsicher fühlen.“

Nicht alles falle dabei in die Zuständigkeit der Polizei: Als Beispiele nannte Beuth mangelnde Aufenthaltsmöglichkeiten für Jugendliche und zu sparsame Straßenbeleuchtung. Die Sicherheitsinitiative solle Kommunen anleiten, sich selbst um solche Fragen zu kümmern.

Willinger Bürger beteiligen sich in Kompass-Arbeitskreisen

Aus Rückmeldungen der Bürger ging etwa hervor, wo sie Hinweise auf Drogenprobleme bemerken, sich auf öffentlichen Wegen nicht sicher fühlen oder Probleme mit der Sauberkeit sehen. Auch Verkehrsprobleme wurden thematisiert: Barbara Pavlu nannte als Leiterin der Uplandschule den Einsatz von Schülern gegen Elterntaxis bis auf den Schulhof. Busbegleiterin Emily Bemmann berichte, dass Eltern sie dabei oft nicht ernst nehmen – sie ihre Botschaft auf einer Kompass-Veranstaltung wie dem „Tag der Sicherheit“ aber deutlich machen können.

Vize-Polizeipräsident Michael Tegethoff gratulierte zum ersten Sicherheitssiegel im Bereich des Polizeipräsidiums Nordhessen, dankte für die Zusammenarbeit bei Prävention und Großveranstaltungen und gab einen Überblick über erfolgte Schritte: So bietet die Schutzfrau vor Ort Bettina Stippich nun wöchentliche statt monatliche Sprechstunden. Videoüberwachung an der Seilbahn-Talstation half bereits bei Ermittlungen und böte auch die bislang nicht genutzte Möglichkeit der Lautsprecher-Ansprache. Über die nahe Toilettenanlage und geplante Fußgängerbrücke habe sich die Gemeinde im Kompass-Prozess mit der Polizei beraten. Mehr sei geplant, etwa im Bereich des Opferschutzes. Das entstandene Sicherheitskonzept sei umfangreich, erläuterte Thomas Trachte: Es reiche vom Einsatz von Geschwindigkeits-Displays bis zu Ausbau und Ausrüstung der Ortspolizei.

Trachte macht Landesregierung Vorschlag zur Stärkung der Willinger Ortspolizei

Dem Innenminister gab Trachte eine Idee mit auf den Weg nach Wiesbaden: Wenn von einem Ferienhaus jedes Wochenende Störungen ausgehen, sei das ein echtes Problem für die Nachbarn, aber es könne nicht jedes Mal die Vollzugspolizei anrücken. Er schlug vor, die Ortspolizei zu stärken, indem ihr Einsatz im Kommunalen Finanzausgleich anerkannt wird. Das würde die Vollzugspolizei entlasten, die nur noch in Notfällen anrücken müsste. Die Kommunen müssten selbst weiter zahlen, damit die Ortspolizei nur dort eingesetzt wird, wo sie nötig ist. Willingen beschäftigt neun Hilfspolizisten in Teilzeit – nötig wären laut Trachte mindestens zehn Vollzeitstellen. Politisch wurden Finanzierungsmodelle schon diskutiert, kamen aber nicht zum Tragen, so Trachte.

Peter Beuth zeigte sich zufrieden, betonte aber auch: „Es fühlen sich immer noch nicht alle sicher, aber wir sind auf dem Weg.“ Die Verleihung des Siegels sei nicht der Ende der Arbeit.

Hessenweit nehmen an Kompass – kurz für Kommunalprogramm Sicherheitssiegel – derzeit 132 Kommunen bei, rund ein Drittel der Gemeinden. (wf)

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