Corona-Krise weiterhin zu spüren

Willinger Haushalt 2022 vorgelegt: Weiterhin im Minus

Ortsansicht Willingen vom Orenberg
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Strahlend sind die finanziellen Aussichten der Uplandgemeinde derzeit nicht, hellen sich aber auf.

Die Auswirkungen der Corona-Krise wirken sich im Willinger Haushalt 2022 weiter aus, der Verlust ist aber niedriger angesetzt als 2020 und 2021.

Willingen (Upland) – Wegen der Corona-Pandemie schreibt die Gemeinde Willingen weiter rote Zahlen: Die Haushaltssatzung, die Bürgermeister Thomas Trachte der Gemeindevertretung am Montag vorgelegt hat, weist ein Minus von 540 000 Euro im Ergebnishaushalt auf, also den laufenden Einnahmen und Ausgaben. Im Finanzhaushalt, der Investitionen und Tilgungen umfasst, fehlen 651 000 Euro.

Die Gemeinde plant dabei mit vier Millionen Euro Gewerbesteuer: Die Werte der Vorjahre – 2019 kamen gut 5,3 Millionen Euro zusammen – könnten noch nicht erreicht werden; Nachwirkungen der Krise seien schwer abzuschätzen. Dementsprechend wurde die Gewerbesteuer im Haushalt niedriger angesetzt als in der Steuerschätzung kalkuliert.

In der Krise fielen auch die Einnahmen aus der Kurtaxe; die Gebührhaushalte für Wasser und Abwasser schrieben Verluste. Das soll 2022 enden – was nur ohne weiteren Lockdown möglich ist.

Die Eckdaten des Willinger Haushaltsplans 2022.

Die Auswirkungen der Krise verdeutlichte Trachte mit dem Vergleich zu den Vorjahren: 2019 lag das ordentliche Ergebnis mit mehr als einer Million Euro im Plus, 2020 dann fast so weit im Minus. Der für 2021 geplante Fehlbedarf von 755 000 Euro kann nicht annähernd erreicht werden: Bei der Planung sei unabsehbar gewesen, dass der zweite Lockdown sich bis Mai zieht. In der Rücklage hatte die Gemeinde Ende 2020 noch 4,49 Millionen Euro – genug zur Abdeckung der Verluste 2021 und 2022.

Kredite werden nur für Investitionen aufgenommen – und die haben einen Gegenwert, hielt Trachte fest. Es sei kontraproduktiv, zur Vermeidung von Netto-Neuverschuldung auf Investitionen zu verzichten. 2022 sollen 2,35 Millionen Euro Darlehen aufgenommen werden, 1,98 Millionen Euro werden getilgt. Zinsen seien niedrig, die Neuverschuldung soll in den Folgejahren reduziert werden.

Investitionen in Upländer Infrastruktur

Größte Investition bleibt der weitgehende Neubau des Lagunenbads, der 2023 abgeschlossen werden soll: 19 Millionen Euro sind dafür 2022 beim Kurbetrieb vorgesehen, 2023 noch fünf Millionen. Trotz der hohen Investition betont Thomas Trachte: „Im Moment gehen wir davon aus, dass wir das Lagunenbad kostendeckend betreiben können.“

Das neue Lagunenbad, hier bei einer Besichtigung im September, soll 2023 fertig sein.

Im Investitionsprogramm der Gemeinde sind Erneuerungen von Straßen, Kanälen und Leitungen ein großer Posten. Der zunächst zurückgestelle Ausbau des Sonnenwegs soll 2022 abgeschlossen werden, veranschlagt sind die letzten 909 000 von 2,49 Millionen Euro. Die Erneuerung des „Talgangs“ in Rattlar steht mit 145 000 Euro im Haushalt; für Ingenieurs-Leistungen und Vorplanungen für Stryckweg und Sportstraße sind es 140 000 und 70 000 Euro – bis 2024 kostet ihre Erneuerung 1,4 und 1,24 Millionen Euro.

Im Haushalt steht auch die Fußgängerbrücke zwischen „Zur Hoppecke“ und Bundesstraße. Bislang konnte der Bau nicht verwirklicht werden, nach Kostensteigerungen sollen 2022 weitere 900 000 Euro eingestellt werden – das Gesamtvolumen liegt bei 2,3 Millionen Euro.

Nach Ende des Bauleitplanverfahrens und der Untersuchung wegen archäologischer Funde kann nächstes Jahr die Erschließung des Neubaugebiets „Gantenhälse“ in Schwalefeld beginnen. Im Haushalt 2022 stehen dafür 702 000 Euro, mehr als die Hälfte der Summe. Mit 100 000 Euro für Regenrückhaltebecken und Spielplatz wird die Erschließung des Baugebiets „Unter der Egge“ in Usseln abgeschlossen.

Zu 90 Prozent gefördert wird ein Projekt zur Digitalisierung der Wanderwege, etwa durch Infosysteme an zentralen Punkten und entsprechende Verarbeitung der Wanderkarten in Willingen und Diemelsee. In den kommenden zwei Jahren stehen jeweils 380 000 Euro im Upländer Etat.

Der Neubau des Feuerwehrhauses Bömighausen wurde dieses Jahr ausgeschrieben, das Angebot war aber unwirtschaftlich für die Gemeinde. Bis Anfang nächsten Jahres soll ein neues eingeholt werden; im Haushalt stehen 2022 300 000 von insgesamt 645 000 Euro.

Zur Verbesserung der Wasserversorgung ist der Bau eine Leitung vom Hochbehälter Wickenborn bis zur Egge in Usseln geplant. Die ersten 180 000 von insgesamt 960 000 Euro stehen 2022 im Haushalt. (wf)

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