100 Mal pro Minute drücken

Für den Notfall: Herzdruckmassage in fünf Schritten erklärt

Gunnar Michel
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Gunnar Michel

Was ist im Notfall bei einem Herzstillstand zu tun? Wir haben zwei Experten dazu befragt.

Werra-Meißner – Es kann immer und überall passieren – selbst Leistungssportlern, das hat der Fall des dänischen Nationalspielers Christian Eriksen (29) bei der Fußball-Europameisterschaft am Wochenende noch einmal verdeutlicht: Ein Mensch bricht zusammen. Selbst Schütteln und Zwicken bringen ihn nicht mehr zu Bewusstsein. – wahrscheinlich liegt ein Herzstillstand vor.

Wir haben uns von Gunnar Michel, der beim DRK in Eschwege für die Breitenausbildung zuständig ist, und Dr. Daniel Kersten, Chefarzt der Zentralen Notaufnahme am Klinikum Werra-Meißner, die notwendige Herzdruckmassage in fünf Schritten erklären lassen:

1. Prüfen: Prüfen ob ein Mensch überhaupt leblos/reanimations-pflichtig ist: Ansprechen, Schütteln, Kneifen. Reagiert der Mensch nicht, ist er bewusstlos. Damit ist das erste Kriterium für eine Reanimation erfüllt, so Dr. Daniel Kersten. Das zweite Kriterium ist, ob der Patient noch normal atmet. Danach schauen, ob sich der Brustkorb noch hebt; hören Sie mit dem Ohr dicht am Mund, ob der Patient Ein- und Ausatemgeräusche macht und fühlen Sie, ob man einen Luftzug am Ohr spürt.

Wichtig: Der Kopf des Patienten muss überstreckt sein. Sonst fällt die Zunge nach hinten und er kann nicht atmen. Atmet der Patient nicht normal, ist auch das zweite Kriterium erfüllt. Das heißt: Sie müssen reanimieren.

2. Notruf absetzen: Sollte einer dieser Fälle vorliegen, dann gilt es, sofort den Notruf unter der Telefonnummer 112 zu kontaktieren oder eine andere Person zu Hilfe rufen und diese zu bitten, den Notruf zu veranlassen.

3. Herzdruckmassage: Nach dem Notruf sollte man sofort mit der Herzdruckmassage beginnen. Dazu die Hände flach auf die Mitte der Brust legen (siehe Foto) und senkrecht vier bis sechs Zentimeter tief drücken. Die Druckfrequenz sollte bei 100 Mal pro Minute liegen. Tipp von Dr. Daniel Kersten: Hände übereinanderlegen und mit durchgestreckten Oberarmen 100 Mal pro Minute drücken zum Rhythmus des Liedes Stayin Alive der BeeGees.

4. Mund-zu-Mund-Beatmung: Noch besser als alleiniges Drücken sind eine Mund-zu-Mund-Beatmung und Drücken zusammen, empfiehlt Gunnar Michel vom DRK Eschwege. Dazu nach 30-mal Drücken die Nase des Zusammengebrochenen mit den Fingern verschließen und zweimal Luft in den Mund blasen, bis sich der Brustkorb hebt.

5. Fortsetzen: Nun sollten Herzdruckmassage und Beatmung abwechselnd fortgesetzt werden, bis der Patient wieder atmet oder Hilfe eintrifft. Es gilt: 30-mal drücken, zweimal beatmen.

Wichtig ist es auch, keine Hemmungen bei der Herzdruckmassage zu haben und die Angst beiseitezuschieben, man könne etwas falsch machen, so Michel vom DRK. „Sie können nur eine Rippe brechen bei der Herzdruckmassage. Unternehmen Sie keine Rettungsmaßnahmen, dann ist das im Zweifel immer schlechter, als etwas zu unternehmen“, sagt Gunnar Michel.

Bereits nach einer Minute sterben Gehirnzellen ab

Denn: Bereits nach einer Minute ohne Atmung würden Gehirnzellen absterben, nach vier Minuten könnten schon irreparable Hirnschäden auftreten. „Geschwindigkeit ist deswegen im Notfall wichtig“, so Michel.

Nutzen sollte man auch immer Defibrillatoren, die laut Gunnar Michel mittlerweile in vielen öffentlichen Gebäuden im Werra-Meißner-Kreis zur Verfügung stehen. „Diese sprechen, sobald man sie öffnet, und geben genaue Anweisungen, was zu tun ist“, so Michel. Grundsätzlich nicht schaden könne es, seine Erste-Hilfe-Kenntnisse mit Kursen stetig aufzufrischen. (Maurice Morth)

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