1000 Kilometer mit 1 PS: Im Planwagen fuhr Nimue Dröge durch halb Deutschland

Dem Ziel ganz nah: Im Schritt zieht Susi den Planwagen über den gepflasterten Weg entlang der Werra in Lindewerra. Foto: Cortis

Unterrieden. Es war das bisher größte Abenteuer ihres Lebens: Auf dem Kutschbock des Planwagens hinter ihrer Fuchsstute „Susi" hat Nimue Dröge soeben die halbe Republik durchreist. Knapp 16 Wochen war sie mit dem 18 Jahre alten Kaltblut-Mix auf Achse und hat dabei mehr als 1000 Kilometer zurückgelegt.

Was auf den ersten Blick wie ein touristisches Vergnügen aussieht, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als eine ungewöhnliche Studienfahrt. Die 25-Jährige, die in Frankfurt geboren, in Bonn aufgewachsen und in Unterrieden zu Hause ist, hat im April an der Uni in Witzenhausen ihren Bachelor-Abschluss in ökologischen Agrarwissenschaften gemacht. Jetzt wollte sie es ganz genau wissen, wie denn Deutschlands Landwirte ihre Felder beackern, wie sie leben und mit ihrer täglichen Arbeit zurecht kommen.

Und ein bisschen Überzeugungsarbeit leisten wollte und will sie auch: Denn Dröge ist glühende Verfechterin einer Arbeitsweise, die hierzulande aus der Mode gekommen ist. Sie setzt auf das Arbeitspferd, das sie allemal PS-starken Traktoren vorzieht. Die schweren Schlepper versiegelten den Boden, der an Qualität verliere und deshalb geringere Erträge liefere, sagt die junge Frau. Mit dem Pferd, das obendrein eine Menge Dieselkraftstoffe einspare, lasse sich nicht nur ökologisch, sondern auch ökonomisch arbeiten - dank einer modernen Gerätetechnik.

Über ihre Erlebnisse berichtet Dröge in ihrem Blog.

Abgesehen von zum Teil auch mehrtägigen Pausen hat die 25-Jährige, mal begleitet von ihrem Freund Daniel (30), mal von ihrer Freundin Anousha (25), täglich sechs bis acht Stunden auf dem Bock gesessen. Auf den Tagesetappen von rund 20 Kilometern zog die gutmütige Susi den Planwagen durch die Wetterau, den Taunus, das Maintal, an Stuttgart vorbei in den Schwarzwald und zurück über die Schwäbische Alb, das Donautal, Fränkische Alb, Schiefergebirge, Thüringer Wald und hinter Eisenach an der Werra entlang nach Hause. Nach 110 Tagen ist das Gespann am Montag wieder in Unterrieden eingetroffen.

Sehr viele hilfsbereite Menschen hat Dröge unterwegs kennen gelernt. Landwirte, mit denen sie ins Gespräch gekommen ist, luden sie zum Essen ein, versorgten das Pferd mit Wasser und Kraftfutter oder schenkten ihr säckeweise Hafer, von dem Susi locker mal fünf Kilogramm am Tag weggeputzt hat.

Fotos: Im Planwagen durch halb Deutschland

Im Planwagen durch halb Deutschland

Übernachtet hat Dröge immer in ihrem bestens ausgerüsteten „Eqomobil“, wie sie ihren Planwagen getauft hat. Der hatte sogar eine Solaranlage auf seinem Dach, die Strom für eine Lichtquelle, das Aufladen der Weidezaunbatterie und des Handy-Akkus lieferte.

Sogar mit einem kleinen Erfolg ist die ökologische Missionarin heimgekehrt: Drei Wochen nachdem sie einen Bauern im Schwäbischen besucht hatte, meldete dieser sich: Er habe sich soeben selbst ein Arbeitspferd zugelegt. (zcc)

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