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120 Jahre Bahnstrecke Schwebda-Reffurt (3) Ende der Verbindung

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Der Bahnhof im thüringischen Treffurt: Das Bild wurde im Jahr 1906 aufgenommen.
Der Bahnhof im thüringischen Treffurt: Das Bild wurde im Jahr 1906 aufgenommen. © Edgar Brill/ „Die Kanonenbahn“ von Wolfgang Koch

Am 1. Mai vor 120 Jahren wurde die Bahnstrecke Schwebda-Treffurt eingeweiht. Der Eisenbahnhistoriker Edgar Brill erzählt in einer vierteiligen Serie ihre Geschichte.

Schwebda – Die Jahre nach dem Ersten Weltkrieg waren von Sparmaßnahmen geprägt.

Reduzierungen

1919 wurde der Sonntagsverkehr infolge von Kohlemangel durch Reparationsleistungen aus dem Ersten Weltkrieg eingestellt. Aus Kostengründen entfielen im Dezember 1923 die Güterzüge auf der Strecke zwischen Eisenach und Treffurt. Die jetzt gemischten Züge führten zu großen Verspätungen. Das Be- und Entladen bzw. evtl. das An- und Abkuppeln einzelner Güterwagen und Rangieren nahm längere Zeit in Anspruch. Am 15. November 1924 wurde die Haltestelle Heldra sowie kurz vorher auch die Haltestelle Altenburschla aus weiteren Spargründen geschlossen. Nach Protest aus der Bevölkerung der beiden Orte wurden diese wieder ab dem 1. Dezember 1924 geöffnet, dann aber nur noch für eingeschränkten Personenverkehr.

Konkurrenz

Im Frühsommer 1926 bekam die Bahnstrecke Eschwege - Eisenach Konkurrenz auf der Straße. Die Reichspost führte die Omnibuslinie Eisenach - Treffurt - Eschwege ein. Darüber zeigt sich die Eisenbahnverwaltung nicht erfreut. Um die Bahn attraktiver zu machen, wurde die Fahrzeit der Züge Treffurt - Eisenach durch Erhöhung der Reisegeschwindigkeit von 40 auf 50 km/h im März 1931 verringert. Ab 16. März 1932 wird auf der Strecke Eisenach - Eschwege der Sonntagsverkehr wieder eingeführt.

Anziehungspunkt

Das ab Juni 1935 neu eröffnete Freibad in Treffurt brachte wahre Besucherströme unter anderem auch mit der Bahn in die Stadt. Es wurden normale Züge mit Verstärkungswagen versehen, teilweise sogar mit Sonderzügen gefahren, da Treffurt einer der wenige Orte weit und breit war, die über ein Bad verfügten.

Zweiter Weltkrieg

Am 1. April 1945 fuhr der letzte Zug zwischen Treffurt und Eisenach. Danach wurden vier der fünf Werrabrücken von deutschen Soldaten gesprengt, um die Alliierten am Vormarsch Richtung Berlin aufzuhalten.

Nach Ende des Zweiten Weltkrieges wird der erste Zugverkehr für Ende Mai oder Anfang Juni 1945 für die Strecke von Mühlhausen nach Treffurt vermutet. Die Züge fuhren über Treffurt hinaus bis nach Falken, denn die Strecke von Wartha (Eisenach) war nicht mehr passierbar. Mit Abzug der Amerikaner und Einzug der Russen (Konferenz von Jalta) am 3. Juli 1945 wird die hessisch-thüringische Landesgrenze zur Grenze zwischen den Besatzungszonen der USA und der Sowjetunion. Und diese wurde abgeriegelt und war nur noch mit Genehmigung zu überqueren.

Der Bahnhof im thüringischen Treffurt: Das Bild wurde im Jahr 1906 aufgenommen. Repro: Edgar Brill/ „Die Kanonenbahn“ von Wolfgang Koch
Der Bahnhof im thüringischen Treffurt: Das Bild wurde im Jahr 1906 aufgenommen. Repro: Edgar Brill/ „Die Kanonenbahn“ von Wolfgang Koch ©  Edgar Brill/ „Die Kanonenbahn“ von Wolfgang Koch

Ungeklärt bis heute ist, ob es über die Grenze hinweg zwischen der amerikanischen und der sowjetrussischen Besatzungszone noch Berufs- und Reiseverkehr zwischen Eschwege und Treffurt gab. Von verschiedenen Zeitzeugen, die heute verstorben sind, sagte einer, dass es bis 1947 noch so war, ein anderer, dass an der Grenze zwei Güterwagen entgleist waren. Sie standen einige Jahre im Gelände und wurden vermutlich um 1952 beseitigt. Noch Anfang 1947 konnte man in der Heimatzeitung lesen, dass man in Kürze eine regelmäßige Bahnverbindung Wanfried – Treffurt erwarte. Daraus wurde bekanntlich nichts.

Ab etwa 1946/47 muss eine Trennung in Ost und West vorgenommen worden sein, da sich die beiden Seiten unabhängig voneinander entwickelten.

Von Edgar Brill

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