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Werra-Meißner: 14 Frauen arbeiten offiziell als angemeldete Prostituierte

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Von: Stefanie Salzmann, Clemens Herwig

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Werra-Meißner. Seit mehr als einem Jahr gilt bundesweit das sogenannte Prostituiertenschutzgesetz. Auch im Werra-Meißner-Kreis müssen sich die Prostituierten anmelden.

Das bedeutet, dass sich Sex-Arbeiterinnen beim Landkreis beziehungsweise der Kommune anmelden müssen. Auch Bordellbetreiber unterliegen seit Juli 2017 einer Anmeldepflicht. Für Kommunen mit weniger als 7500 Einwohnern ist der Landkreis zuständig.

Seit dem Inkrafttreten des Gesetzes haben sich nach Auskunft der Kreisverwaltung 14 Frauen angemeldet und beraten lassen – denn eine Beratung ist vorab verpflichtend, um den in Rotlichtkreisen so genannten „Hurenpass“ zu bekommen. Die Beratung der Frauen erfolgt durch eine Mitarbeiterin aus dem sozialmedizinischen Dienst. Das gilt auch für jene Frauen, die sich bei ihrer Kommune anmelden, bestätigt der Leiter des Ordnungsamtes der Stadt Bad Sooden-Allendorf, Rainer Langefeld.

Hier haben sich nach seiner Auskunft ebenfalls 14 Frauen sowie ein Bordellbetreiber gemeldet und die Kommune, in deren Gebiet sich unter anderem das Bordell an der B 27 befindet, ist dabei, auch technisch aufzurüsten. „Wir haben jetzt eine eigene Software angeschafft, um die Ausweise für die Frauen herzustellen sowie bei der Bundesdruckerei das entsprechende Ausweispapier bestellt“, sagt Langefeld. Die Sex-Arbeiterinnen erhalten mit der Anmeldung beim Amt zwei Ausweisdokumente – eines mit ihrem korrekten Namen, ein zweites, das sich auch Freier vorlegen lassen können, mit ihrem Alias-Namen. Da bisher keine Ausweise ausgestellt wurden, hätten auch noch keine Kontrollen stattgefunden, so der Ordnungsamtsleiter.

Frauen, die der Prostitution nachgehen, aber auch Bordellbetreibern drohen Geldstrafen, wenn sie sich nicht anmelden und beraten lassen. „Wir haben aber keine Sanktionsmöglichkeiten und beraten somit nur die, die sich anmelden“, so der Sprecher des Kreises, Jörg Klinge. 

Gesundheitsberatung und Kondompflicht

Das Prostituiertenschutzgesetz sieht vor, dass sich jede Prostituierte vor der Aufnahme ihrer beruflichen Tätigkeit bei der zuständigen Behörde anmelden muss. Damit einher geht eine Gesundheitsberatung, die für Frauen über 21 Jahren jedes Jahr wiederholt werden muss. Jüngere Prostituierte kommen halbjährlich. Sowohl Pass als auch Bescheinigung müssen die Prostituierten bei sich tragen. Ebenfalls verankert ist in dem Gesetz eine Kondompflicht. Bei Nichteinhaltung dieser Regelung droht dem Freier ein Bußgeld von bis zu 50.000 Euro. Bordellbetreiber sind verpflichtet, Frauen und Freier auf die Kondompflicht hinzuweisen (bei Verstoß droht Strafe bis zu 5000 Euro). Das Prostituiertenschutzgesetz ergänzt das Prostitutionsgesetz aus dem Jahr 2001, das die Einstufung als Sittenwidrigkeit abschaffte. 

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