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1996 aus dem Tiefschlaf geweckt: Der Heimatverein Aue ist seither wieder aktiv

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Von: Harald Triller

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Der Vorstand des Heimatvereins Aue vor dem Museumsturm: (von oben links nach unten) Horst Mand, Ruth Köditz, Harald Geschwandtner, Gerd Köditz, Robert Köcher.
Der Vorstand des Heimatvereins Aue vor dem Museumsturm: (von oben links nach unten) Horst Mand, Ruth Köditz, Harald Geschwandtner, Gerd Köditz, Robert Köcher. © Harald Triller

Von der Verschönerung des Ortes bis zu Veranstaltungen an der Wasserburg: Wir stellen die Arbeit des Heimatvereins Aue vor.

Aue – Gegründet wurde der Heimatverein in Aue 1964. Willi Bindemann, der den Vorsitz übernahm und Gerd Gress, der als zweiter Vorsitzender die Verantwortung mitgetragen hat, waren seinerzeit die Ideengeber und setzten sie zusammen mit Schriftführer Fritz Quentel in die Tat um. Der wiederum wurde von Christa Umlauf, der einzigen noch lebenden Gründerin abgelöst. Auslöser der Vereinsgründung war 1964 der Wettbewerb „Unser Dorf soll schöner werden“, den das Land Hessen erstmals 1957 ausgeschrieben hat.

Der neue Vorstand

„Leider hat sich diese landesweite Aktion in Aue totgelaufen und der Heimatverein ist in einen Dornröschenschlaf gefallen“, erklärt der aktuelle Vorsitzende Gerd Köditz, der in Personalunion auch die Kassengeschäfte führt, und zusammen mit dem späteren Ehrenmitglied Gerd Gress, Hans-Jürgen Germerodt sowie seiner Ehefrau Ruth Köditz und seinem Vater Horst Köditz 1996 den Weckruf gestartet hat.

Das ideale Projekt

„Auch zu unserer Zeit war es mit der Dorferneuerung eine Art Wettbewerb, der uns motivierte“, macht Gerd Köditz deutlich, dass schon das erste Treffen mit 30 Einwohnern auf beeindruckende Resonanz gestoßen ist. Und in der Ruine der Wasserburg fand der neue Vorstand auch gleich ein Projekt, das perfekt in die Dorferneuerungspläne des Landes passte. „Wir haben uns zum Ziel gesetzt, den übrig gebliebenen Steinhaufen aus dem historischen Tiefschlaf zu holen“, gibt der 68-Jährige beim WR-Gespräch zu verstehen, das nach Plünderungen das einst so stolze mehrstöckige Gebäude im Dreißigjährigen Krieg bis auf das Erdgeschoss niederbrannte.

Ausgrabungen nötig

„Bevor wir allerdings zur Tat schreiten konnten, mussten archäologische Ausgrabungen initiiert werden, um die zur Renovierung nötigen Fördertöpfe des Denkmalamtes anzapfen zu können“, weiß hier Experte Robert Köcher zu erzählen, der sich damals wie heute in der von Dr. Karl Kollmann geführten AG für Vor- und Frühgeschichte einbringt und als Bürger von Aue quasi bei seinem Heimspiel zum festen Stamm der AG gehört. „Wir lassen an dieser Stelle nicht locker und setzen auch in der Gegenwart die Ausgrabungen weiter fort“, so Köcher, der sich freilich im Vorstand des Heimatvereins engagiert, wie Gerd Köditz liebevoll sagt, als Burgvogt.

Schon 1997 fand der Heimatverein Aufnahme ins Dorferneuerungsprogramm, die Basisarbeiten konnten beginnen. Und schon nach dem Roden des Vorplatzes und dem Entfernen der Pappeln fand 2001 ein erstes Fest mit einem von der Stadt Wanfried organisierten Platzkonzert statt.

Kauf der Wasserburg

„Da aber das Denkmalamt privaten Eigentümern eines solchen Objektes keine Zuschüsse gewährt, sahen wir uns gezwungen, Verhandlungen mit den beiden Besitzern, den Familien Schneider und Kanngießer, aufzunehmen, um die Wasserburg zu kaufen, was 2007 relativ unproblematisch vonstattenging. Der Heimatverein war nun stolzer Besitzer und durfte sich fortan über finanzielle Unterstützung vom Denkmalamt freuen“, konstatiert Gerd Köditz, dass die Wasserburg in der Gegenwart das Standesamt, Räume zum Feiern und eine Küche zu bieten hat sowie das Museum.

Viel Hilfe bekommen

„An dieser Stelle dürfen wir unser leider schon verstorbenes Vorstandsmitglied Hans-Jürgen Germerodt nicht vergessen, der uns auf besondere Weise finanzielle Hilfe zukommen ließ“, so Ruth Köditz, die im Vorstand das Amt der Schriftführerin ausübt. „Hans-Jürgen hat bei festlichen Veranstaltungen in seiner Firma den Kunden gesagt, dass er bestens eingekleidet sei, genug zu essen habe, aber eine Spende für die Wasserburg in Aue gerne nehmen würde“, schmunzelt Ruth Köditz und nutzt das Forum, um sich auch bei der Sparkassenstiftung, der Stadt Wanfried und den Eschweger Stadtwerken für die großartige Unterstützung zu bedanken, gerade was die Strom- und Wasserversorgung betrifft.

„Und da wir auch vom Mitgliederboom, aktuell sind es 150 an der Zahl, viele Vorteile hatten, sei es durch die vielen ehrenamtlichen Leistungen bei den unterschiedlichen Arbeiten, die allesamt vom Vorstandsmitglied Horst Mand organisiert werden, oder auch durch die Jahresbeiträge, ging es Schlag auf Schlag weiter“, denkt der für die Feierlichkeiten aller Art verantwortliche Harald Geschwandtner an das erste Burgfest in 2009 oder zwei Jahre später, als das erste mittelalterliche Burgfest mit den Dorrenbergern aus Sontra stattfand. Begangen wurde 2014 auch der 50te Geburtstag des Vereins mit Kommers in der Sporthalle und Kinderfest rund um die Wasserburg. Den erfolgreichen Stammtisch, der an jedem ersten Freitag im Monat stattfindet, initiierte ebenfalls Harald Geschwandtner.

Das kleinste Museum

2016 konnte das kleinste Museum in Hessen eingeweiht werden, das Robert Köcher fast im Alleingang im Burgturm auf zweimal zwei Metern geschaffen und eingerichtet hat. Robert Köcher sagt schmunzelnd: „Während einer hr-Sendung fanden wir einen Klumpen mit Zahnrädern und haben gedacht, dass es die alte Turmuhr ist. Aber es handelte sich leider nur um einen Seilbräter zum Grillen.“

Frühlingsmarkt

Am Samstag (28. Mai) fand der Frühlingsmarkt rund um die Wasserburg statt. 22 Händler beteiligten sich, boten Keramik, Glas-, Fliesen-, Messer- und Holzkunst, Eier-Hanf-Produkte und Bogenschießen an. Und die kulinarischen Köstlichkeiten reichten vom Schweinemage über Grillgut, Kuchenspezialitäten und eine Vielfalt an Getränken.

Von Harald Triller

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