200 JAHRE WERRA-MEIßNER-KREIS (13)

Die Politik der frühen Jahre - SPD dominiert

Fragwürdige Kontinuität der Eliten gibt es bereits wenige Jahre nach dem Krieg: Dr. Beuermann, ehemaliger NS-Bürgermeister von Eschwege, wird in der Kreisstadt 1948 einstimmig zum hauptamtlichen 1. Beigeordneten gewählt.
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Fragwürdige Kontinuität der Eliten gibt es bereits wenige Jahre nach dem Krieg: Dr. Beuermann, ehemaliger NS-Bürgermeister von Eschwege, wird in der Kreisstadt 1948 einstimmig zum hauptamtlichen 1. Beigeordneten gewählt.

Vor 200 Jahren entstanden die Landkreise Eschwege und Witzenhausen. Wir werfen einen Blick auf die Geschichte der Vorläufer des heutigen Werra-Meißner-Kreises.

Werra-Meißner – Betrachtet man im Zusammenhang der ernüchternden Ergebnisse der Entnazifizierung die politische Entwicklung in den beiden Kreisen, so fällt als erstes die dominierende Rolle der SPD ins Auge, die in Eschwege als auch Witzenhausen zur maßgeblichen politischen Kraft wurde. Allerdings war diese Rolle im Kreis Witzenhausen ausgeprägter – hier gelangen den Sozialdemokraten, mit Ausnahme der Kommunalwahl vom 25. April 1948, bei allen Kreistagswahlen bis 1972 Ergebnisse weit jenseits der 50-Prozent-Marke und mit Wilhelm Brübach stellten sie vom 1. Juli 1946 bis 31. Dezember 1973 auch den Landrat.

Eschwege anders

Deutlich differenzierter stellte sich die politische Situation im Landkreis Eschwege dar. Zwar war die SPD auch hier ab 1956 die stärkste Partei mit Ergebnissen von 50 Prozent Plus X und stellte mit Eitel O. Höhne seit dem März 1961 auch den Landrat, aber bis zur Kommunalwahl des Jahres 1956 war die politische Landschaft doch wesentlich unübersichtlicher als bei den Witzenhäuser Nachbarn.

Bei den Kommunalwahlen 1948 wurden die Sozialdemokraten mit 37,7 Prozent hinter der LDP (43,6 Prozent) nur zweitstärkste politische Kraft und auch das Ergebnis der Kreistagswahlen des Jahres 1952 sah die SPD nur bei etwas mehr als 40 Prozent. Die Wahlen 1960 und 1964 fanden ohne politische Beteiligung der CDU statt und das daraus entstandene politische Vakuum wurde durch eine starke „Überparteiliche Wählergemeinschaft“ (ÜWG) und die FDP ausgefüllt.

Fünf Landräte

Diese doch etwas andere politische Gemengelage macht es auch erklärlich, dass in den fünfzehn Jahren bis zum Amtsantritt Eitel Höhnes fünf Landräte im Eschweger Schloss residierten: Neben Wolfgang Hartdegen und Dr. Busse, die als Männer der ersten Stunde ohne Mandat der Wähler bis zum Februar 1946 amtierten, noch der Sozialdemokrat Johannes Braunholz (1.7.1946 bis 30.6.1948), Gerhard Pforr von der LDP (1.7.1948 bis 30.6.1954) und schließlich Hansjochen Kubitz (BHE), dessen Amtszeit vom 5.7.1954 bis 15.12.1960 dauerte.

Liberalen und NSDAP

Ein Wort zum Schluss noch zur LDP. Diese Parte profitierte bei den Kommunalwahlen 1948 in starkem Maße davon, dass nunmehr auch ehemalige NSDAP-Mitglieder ihr Wahlrecht zurück erhalten hatten und mit der LDP massiv diejenige Partei wählten, in der es die größte Dichte an ehemaligen NS-Funktionären gab.

Dieses Phänomen war in beiden Kreisen gleichermaßen virulent – so konnte zum Beispiel in den Kreisstädten die LDP von 1948 bis 1952 mit absoluten Mehrheiten nach Belieben schalten und walten: In Witzenhausen wählte man gleich zweimal (1948 und 1953) zwei ehemalige NS-Funktionäre zu Bürgermeistern und in Eschwege den ehemaligen Parteigenossen Walter Thom 1948 zum Bürgermeister sowie den ehemaligen NS-Bürgermeister Dr. Beuermann einstimmig zum hauptamtlichen 1. Beigeordneten. (Matthias Roeper)

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