Betrugsprozess beginnt

438 000 Euro Schaden: Ex-Sparkassen-Mitarbeiter muss sich vor Landgericht verantworten

Beim Handel mit Gold soll der ehemalige Privatkundenberater der Sparkasse Werra-Meißner mehrere Kunden um insgesamt rund 438 000 Euro gebracht haben. Symbolfoto: Wolfgang Hartmann/dpa
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Beim Handel mit Gold soll der ehemalige Privatkundenberater der Sparkasse Werra-Meißner mehrere Kunden um insgesamt rund 438 000 Euro gebracht haben. (Symbolfoto)

Am nächsten Montag beginnt der Prozess gegen einen ehemaligen Mitarbeiter der Sparkasse Werra-Meißner, der vier Kunden um insgesamt rund 438 000 Euro betrogen haben soll.

Kassel/Eschwege – Der Prozess wird vor der dritten großen Strafkammer des Landgerichts verhandelt. Für den Prozess sind fünf Verhandlungstage angesetzt, die weitestgehend in Kassel stattfinden. „Der zweite Termin findet aus Gründen der Fürsorge gegenüber den hochbetagten Zeugen vor dem Amtsgericht in Eschwege statt“, berichtet Landgerichtsprecher Dr. Andreas Poppe.

Dem ehemaligen Privatkundenberater wird von der Staatsanwaltschaft Betrug in 29 Fällen, Urkundenfälschung und Fälschung beweiserheblicher Daten vorgeworfen. Die Vorfälle liegen im Zeitraum zwischen 15. April 2014 und 9. Januar 2019. Vor dem Arbeitsgericht in Kassel wurde Anfang des Jahres bereits ein Vergleich geschlossen. Der beschuldigte Ex-Mitarbeiter muss der Sparkasse-Werra-Meißner 650 000 Euro Schadensersatz erstatten.

Vorwurf 1

Der Angeklagte soll im Auftrag einer Kundin, die im Tatzeitraum 82 bis 88 Jahre alt war, in 13 Fällen Gold bei der Hessischen Landesbank bestellt haben. Nachdem die Goldbarren in der Sparkasse in Eschwege angekommen seien, soll er dem zuständigen Kassenmitarbeiter vorgespielt haben, das Gold im Auftrag der Kundin abzuholen, um es bei dieser abzuliefern. Tatsächlich soll er laut Vorwurf der Staatsanwaltschaft das Gold zur eigenen Verwendung für sich behalten haben. Schaden: 195 277,70 Euro.

Vorwurf 2

In gleicher Weise soll der Angeklagte in sechs Fällen die Tochter der vorgenannten Kundin betrogen haben. Schaden hier: 73 528,40 Euro.

Vorwurf 3

In sieben Fällen soll der Ex-Sparkassen-Mitarbeiter im Namen eines 83-jährigen Kunden Gold bei der Hessischen Landesbank bestellt haben, ohne von ihm tatsächlich autorisiert worden zu sein. Nach Auslieferung des Goldes soll der Angeklagte dem jeweiligen Kassenmitarbeiter der Sparkasse vorgespiegelt haben, das Gold für den Kunden abzuholen und es an ihn auszuliefern. Schaden: 98 794,70 Euro.

Vorwurf 4

In zwei Fällen soll der Angeklagte eine Kassenmitarbeiterin der Bank zur Auszahlung von Bargeldbeträgen von 30 000 Euro und 40 000 Euro für eine damals 79-jährige Kundin veranlasst haben. Auch hier soll er vorgegeben haben, das Geld an die Kundin weiterzugeben. „Die Kundin unterschrieb den Auszahlungsbeleg, ohne dabei wahrzunehmen, dass sie damit die Entgegennahme des jeweiligen Betrags quittierte“, sagt Poppe.

Vorwurf 5

Um gegenüber einem seiner Kunden zu verbergen, dass dessen Bankdepot nur noch ein geringfügiges Guthaben aufweist, soll der Angeklagte eine Portfolioübersicht der Depotbank mit einem überhöhten Depotwert erstellt und dem Kunden vorgelegt haben.

Vorwurf 6

Als die Sparkasse Werra-Meißner betriebsinterne Ermittlungen gegen den Privatkundenberater aufgenommen hat, soll er eine an ihn gerichtete E-Mail eines Wettanbieters so verändert haben, dass hierdurch zu seinen Gunsten ein Kontoguthaben in Höhe von 140 004 Euro ausgewiesen wurde. „Er wollte den Eindruck erwecken, er befinde sich in finanziell geordneten Verhältnissen“, so der Vorwurf der Staatsanwaltschaft Kassel. (Tobias Stück)

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