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Friedel Lenze hört nach über 26 Jahren als Berkatals Bürgermeister auf

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Von: Theresa Lippe

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Berkataler Dreigespann: Manfred Zindel (von links, Vorsitzender der Gemeindevertretung), Noch-Bürgermeister Friedel Lenze und Lutz Bergner (Erster Beigeordneter der Gemeindevertretung).
Berkataler Dreigespann: Manfred Zindel (von links, Vorsitzender der Gemeindevertretung), Noch-Bürgermeister Friedel Lenze und Lutz Bergner (Erster Beigeordneter der Gemeindevertretung). © theresa lippe

Seine Fraktionskollegin Elfie Schreiber hat gezählt: 9586 Tage war Friedel Lenze Bürgermeister von der kleinen Gemeinde Berkatal, wenn er am 31. März seinen letzten Arbeitstag im Rathaus bestreitet.

Berkatal – Am Dienstagabend wurde Friedel Lenze bei Berkatals Gemeindevertretersitzung im Saal des Gasthauses Schindewolf offiziell aus dem Amt des Bürgermeisters verabschiedet. Dazu waren zahlreiche Gäste erschienen. Zum 1. April tritt der 55-Jährige seine neue Stelle als Vize-Landrat an (WR berichtete).

Eins war bei den zahlreichen Worten der Verabschiedung eindeutig: Die Berkataler schätzen ihren langjährigen Bürgermeister und seine Arbeit sehr – fraktionsübergreifend. Den Anfang machte Lenzes langjähriger Wegbegleiter und der Vorsitzende der Berkataler Gemeindevertretung (GV) Manfred Zindel.

Berkatal: Bürgermeister Friedel Lenze aus Amt verabschiedet

Mit Unterstützung einer Powerpoint-Präsentation erinnerte er an einige von Friedel Lenzes Meilensteinen, wie beispielsweise dessen erste Wahl im Jahr 1996, als der Bürgermeister mit stolzen 53 Prozent der Stimmen ins Amt gewählt wurde. Aber, so Zindel, das Amt des Bürgermeisters sei eben keines auf Lebenszeit, auch wenn man Lenze noch gerne länger im Amt behalten hätte.

Sichtlich gerührt war Elfie Schreiber, die als Vorsitzende im Namen der SPD-Fraktion einige Worte an Lenze richtete. Mit einem Kloß im Hals erinnert sie an Lenzes Karriere als Bürgermeister zurück und lobt seine Souveränität und seinen Mut. „Auf dich konnte man sich immer verlassen, und du bist hoch geschätzt über alle Parteigrenzen“, so Schreiber.

Berkatal: Bürgermeisterwahl am 2. Juli geplant

Und auch die beiden Fraktionsvorsitzenden Thomas Schill (ÜWG) und Matthias Dix (CDU) richteten dankende Worte an den 55-Jährigen. Ausschließlich der fraktionslose Wilfried Speck wollte nicht an der Verabschiedung Lenzes teilnehmen. Bevor der Tagesordnungspunkt 6 – die offizielle Verabschiedung des Bürgermeisters – startete, stürmte Speck aus dem Saal und sorgte bei vielen Anwesenden für Irritation. Ebenfalls zu Wort kam Fritz Schindewolf, Berkatals Ehrengemeindevertreter. Er blickte darauf zurück, wie er selbst maßgeblich daran beteiligt war, dass Lenze – ein junger Weißenbörner Beamter – zum Bürgermeister in Berkatal gewählt wurde.

Stellvertretend für die Bürgermeister aus dem Werra-Meißner-Kreis richtete Wilhelm Gebhard (Wanfried) seine Worte dankend und wohlwollend an Lenze, auch „wenn er eine andere Feldpostnummer“ habe als Gebhard selbst, der Mitglied der CDU ist. So sei der 55-Jährige viele Jahre als Vertreter aller Bürgermeister im Kreis im Hessischen Städte- und Gemeindebund (HSGB) tätig gewesen und hätte stets gute Arbeit geleistet. Wanfrieds Bürgermeister nutzte den Moment jedoch auch, mahnende Worte an alle Anwesenden zu richten.

9586 Tage im Amt für die Heimat: Friedel Lenze verabschiedet

Das Amt des Bürgermeisters und die damit verbundene Verantwortung habe man 24 Stunden am Tag inne, sieben Tage die Woche. „Und bei all den Diskussionen wie Friedel in sein neues Amt gekommen ist – denn auch das ist Demokratie – darf man nicht vergessen, dass dahinter immer ein Mensch steckt.“ Er erwarte von der Gesellschaft, dass man respektvoll mit Menschen umgehe, die sich in den Dienst solcher verantwortungsvollen Ämter stellen.

Lutz Bergner (CDU) verwaltet nun zunächst als erster Beigeordneter der Gemeindevertretung und als Stellvertreter des Bürgermeisters ab 1. April ehrenamtlich das Geschehen in Berkatal. Auch er blickte auf die lange Zusammenarbeit mit Friedel Lenze zurück und erinnert sich besonders an all die Montagabende, an denen der Gemeindevorstand viele Stunden zusammensaß. Bergner dachte daran zurück, wie sie seit dem Jahr 2001 immer besser zusammengekommen und aufeinander zugegangen sind: „Uns ging es schlussendlich nicht um Politik, sondern um das Wohl der Gemeinde Berkatal, sagte er. Auch er hat gerechnet: Auf 26 Jahre und 90 Tage sei er gekommen, die Lenze dann im Amt war. Das sei rekordverdächtig.

Friedel Lenze: 26 Jaher und 90 Tage im Amt des Bürgermeisters

Nachdem auch die Landfrauen und die Feuerwehr sich für Lenzes Einsatz bedankten, kam auch der scheidende Bürgermeister selbst zu Wort. „Ich hatte das Glück, schon früh meinen Traumberuf ergreifen zu dürfen. Jetzt mache ich was anderes – das ist nicht mein Traumberuf“, lautet sein Fazit. Seine neue Stelle trete er an, da er es für wichtig erachte, dass jemand mit Erfahrung auf regionaler Ebene mit Verantwortungsbewusstsein den Posten füllt.

Er wolle in wenigen Worten seinen Dank aussprechen – unter anderem bei der Gemeindevertretung, dem Gemeindevorstand, bei den Mitarbeiterinnen der Verwaltung – seinem sogenannten „A-Team“, langjährigen Weggefährten und vor allem bei seiner Frau Alexandra und seinen Töchtern, die er immer bewusst aus den Medien rausgehalten habe. „Ohne die Unterstützung meiner Familie hätte ich das nicht machen können. Ich weiß, dass meine Töchter oft auf mich verzichten mussten. Und eins sei ganz klar gesagt: Den Wahlkampf um meine neue Position und die anschließende Schlammschlacht hätte ich sicher nicht ausgehalten, wenn meine Kinder nicht schon volljährig gewesen wären.“ Er gehe nun ruhigen Gewissens. (Theresa Lippe)

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