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Ackerflächen für Bienen und Co.

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Landwirt Lucas Mangold schreitet mit ausgebreiteten Armen über eine seine Blühflächen.
Lebens- und Rückzugsraum: Landwirt Lucas Mangold aus Weidenhausen auf einer seiner Blühflächen. © Peer Bergholter

Im idyllischen Ort Meißner-Weidenhausen führt Lucas Mangold seinen landwirtschaftlichen Betrieb. Nach dem frühen Tod seines Vaters hat er den Hof bereits im Alter von 20 Jahren übernommen. Der heute 27-Jährige bewirtschaftet eine Fläche von 110 Hektar, womit der Hof in der Region zu den Betrieben mittlerer Größe zählt.

„Ich führe einen klassischen Ackerbaubetrieb“, sagt Mangold, der auf seinen Feldern Weizen, Wintergerste, Braugerste – unter anderem für die Eschweger Klosterbrauerei –, Zuckerrüben, Nutzhanf, Raps und Ackerbohnen anbaut. Auch einige Mastschweine hält er, die seien jedoch nur ein „Hobby“. Denn der Anbau von Feldfrüchten erfordert viel Arbeit und mindestens genauso viel Planung. Feldfrüchte werden in einer festen Fruchtfolge angebaut, denn die Diversität im Anbau erfolgt nach der verfügbaren Fläche, der Beschaffenheit des Bodens und dessen Nährstoffgehalt.

Grundsätzlich sind wechselnde Fruchtfolgen wichtig für den Boden. So hat Lucas Mangold in den letzten Jahren mehr Kulturen in die Fruchtfolge aufgenommen, denn: „Wird die Fruchtfolge entzerrt, sind die Pflanzen weniger anfällig für Krankheiten und es befinden sich weniger Schädlinge im Boden“, weiß der Landwirt. In jedem Fall benötigt die Festlegung der Fruchtfolge eine perspektivische Planung – mindestens für das Folgejahr, meist aber darüber hinaus. Dafür seien neben dem Boden auch die Termine für Aussaat und Ernte relevant. „Wenn auf einer Fläche spät geerntet wird, kann dort nicht früh ausgesät werden, denn der Boden braucht Zeit zur Erholung“, erklärt Mangold, der das Frühjahr mit der Aussaat, der Düngung und den Pflanzenschutzmaßnahmen sowie die Erntezeit, die ab Juli beginnt, als die anstrengendste Zeit im Jahr empfindet.

Und in der Zwischenzeit? Derzeit stehen viel Büroarbeit und die Planung für das nächste Jahr an. Auch die Vorbereitung der Ernte ist in vollem Gange: „Die Maschinen müssen gewartet und die Silos gereinigt werden, ich muss Dünger einkaufen, Heu machen – oder nehme mir mal Zeit für ein kleines Pressegespräch“, lacht Lucas Mangold.

Apropos Planung: Bei den aktuell stetig steigenden Preisen, beispielsweise für Stickstoff, mischen sich auch wirtschaftliche Überlegungen in die Planung der Fruchtfolge: „Man macht sich Gedanken, wie man Kosten einsparen kann“, so der Landwirt.

Lucas Mangold nutzt längst nicht alle seiner Flächen für den Anbau von Feldfrüchten. Auf zehn Hektar hat er in diesem, wie in den letzten Jahren, Blühflächen oder -streifen angelegt. Diese dienen vor allem Insekten, Vögeln und kleinsten Säugetieren als Nahrungsquelle und Rückzugsraum. Aber auch Niederwild wie Hasen und Rehe findet man bisweilen inmitten des Blütenmeeres. In erster Linie kommen die Blühflächen aber den Bienen zugute. Diese zählen aufgrund ihrer Bestäubungsleistung – rund 80 Prozent unserer Kultur- und Wildpflanzen sind auf die Bestäubung durch Bienen angewiesen – neben Rind und Schwein zu den drei wichtigsten Nutztieren in der Landwirtschaft.

Denn ohne Bestäubung gibt es keine Samenbildung, die wiederum die Grundlage für den Fortbestand der Pflanzen ist. Fehlen Bienen, wird dieser geschlossene ökologische Kreislauf erheblich gestört. Und nicht zuletzt liefert ein Bienenvolk einen Honigertrag von etwa 20 bis 30 Kilogramm im Jahr. Viele Landwirte legen deshalb Blühstreifen an und tragen dadurch in hohem Maße dazu bei, dass sich die Lebensraum- und Nahrungsbedingungen für Bienen und andere Insekten in der Kulturlandschaft deutlich verbessern. So haben im vergangenen Jahr 2021 in den Kreisen Werra-Meißner, Kassel und Schwalm-Eder auf insgesamt 1863,49 Hektar Blumen für Bienen und Co. geblüht. Die Anlage solcher Blühflächen erfolgt teils freiwillig, wird teils auch staatlich gefördert. Denn schließlich stehen diese Flächen nicht für die landwirtschaftliche Bewirtschaftung zur Verfügung.

Für die Förderung von Blühflächen gibt es verschiedene Programme mit unterschiedlichen Auflagen. Grundsätzlich sind Blühstreifen am Feldrand zu finden und messen zwischen zwei und fünf Metern Breite. Blühflächen dürfen maximal einen Hektar am Stück einnehmen. Einige Blühflächen werden jährlich neu angelegt, andere bleiben bis zu fünf Jahren bestehen und bieten so Überwinterungsmöglichkeiten, Nahrung und Unterschlupf. Mehr nektarliefernde Pflanzen finden sich dagegen in der einjährigen Aussaat, da viele von ihnen im Laufe der Zeit von Gräsern verdrängt werden.

Zwei Hände zeigen die Samenmischung, die für die Blühflächen verwendet wird.
Vom Hessischen Bauernverband bezieht Lucas Mangold eine spezielle Samenmischung für seine Blühflächen. Diese ist so zusammengestellt, dass immer etwas blüht. © Peer Bergholter

Vom Hessischen Bauernverband bezieht Lucas Mangold eine spezielle Samenmischung für seine Blühflächen: „Diese ist so zusammengestellt, dass jederzeit bis in den Herbst verschiedene Pflanzen blühen. Grade im Sommer, nach der Hauptblütezeit, sind die Blühflächen eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen und andere Insekten“, sagt Landwirt Mangold. Bei notwendigen landwirtschaftlichen Maßnahmen, wie etwa dem Pflanzenschutz, richtet sich Lucas Mangold nach den Bienenflugzeiten. „Wenn Pflanzenschutzmaßnahmen erforderlich sind, mache ich das in den späten Abendstunden und stimme mich vorab mit dem örtlichen Imker ab, sodass die Bienen dann in ihrem Bienenstock bleiben“, sagt Mangold und betont: „Landwirte leben nun einmal von und mit der Natur und versuchen, immer einen Einklang mit der Natur herzustellen.“

Anzeigensonderveröffentlichung „Landwirtschaft in Nordhessen“

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Von Peer Bergholter

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