Ärger auf dem Übungsplatz

Nervöse Tiere: Schäfer Anton Göbel bittet Hundebesitzer in Sontra um Rücksicht

Auf dem ehemaligen Standortübungsplatz der Husarenkaserne in Sontra sorgen die Schafe von Anton Göbel dafür, dass das Magerrasen-Biotop erhalten bleibt.
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Auf dem ehemaligen Standortübungsplatz der Husarenkaserne in Sontra sorgen die Schafe von Anton Göbel dafür, dass das Magerrasen-Biotop erhalten bleibt.

Bereits zweimal sind die 400 Schafe von Anton Göbel in Sontra ausgebrochen. Er bittet Hundebesitzer um Rücksicht.

Sontra – Anton Göbel ist verärgert: Bereits zweimal sind die 400 Tiere des Schäfers auf dem ehemaligen Übungsplatz der Husarenkaserne in Sontra binnen weniger Tage aus ihrem mit Strom gesicherten Gehege ausgebrochen. Der Grund dafür sind Spaziergänger mit Hunden, die nur wenig Rücksicht nehmen auf die sehr nervös auf die Tiere reagierenden Schafe, so der 68-Jährige.

„Mitte Mai war der letzte Ausbruch“, sagt Göbel, der aus dem Spangenberger Stadtteil Herlefeld im Schwalm-Eder-Kreis stammt und insgesamt 1000 Schafe besitzt, die auch im Werra-Meißner-Kreis und im Landkreis Hersfeld-Rotenburg grasen.

Weil er in Sontra einen verhedderten Stromzaun samt Schafen vorfand, die ängstlich im Kreis umherliefen, habe er in der darauffolgenden Nacht kaum schlafen können.

Hundespielzeug und Hundefährte auf angrenzendem Feld

Bereits gegen 5 Uhr sei er die gut 20 Kilometer lange Strecke mit seinem Geländewagen bis zum ehemaligen Übungsplatz angetreten. „Als ich um 5.30 Uhr ankam, stand schon ein Mann samt Hund neben dem Pferch für die Schafe. Die Tiere befanden sich ängstlich in einer Ecke“, so der Schäfer.

Daraufhin habe er den Mann freundlich angesprochen, ob es denn sein müsse, dass er seine Schafe mit dem Hund nervös mache. Dieser habe entgegnet, dass weder er noch sein Tier etwas machen würden, und sei sauer weitergegangen.

Wieso sich Göbel so sicher ist, dass Hunde für die Ausbrüche der Schafe verantwortlich sind? „Nach dem Vorfall mit dem Hundebesitzer habe ich auf einem benachbarten Acker ein Hundespielzeug samt Hundefährte gefunden“, sagt er. Hätte er diese Beweise nicht aufgefunden, hätte er sich auch einen Wolf als Übeltäter vorstellen können. „In diesem Fall sind aber eindeutig Hunde schuld, der Wolf hätte auch ein Schaf gerissen“, ist sich der Schäfer sicher.

Aus einem solchen mit einem Zaun und Strom gesicherten Bereich sind die Schafe von Anton Göbel wegen frei laufenden Hunden binnen kurzer Zeit bereits zweimal ausgebrochen.

Mit der Coronaviruspandemie habe die Ängstlichkeit seiner Schafe zugenommen, denn nun seien viel mehr Leute auf dem alten Übungsplatz in der Gemarkung zwischen Sontra und Nentershausen-Weißenhasel (Landkreis Hersfeld-Rotenburg) unterwegs. „Die Leute verstehen leider nicht, was sie beziehungsweise ihre Hunde anrichten“, so Göbel.

Schafe haben Angst vor fremden Hunden

Vor fremden Hunden hätten die Tiere Angst, die eigenen Hütehunde würden sie hingegen kennen. Der 68-Jährige weiß, wovon er spricht, denn er und seine Familie bewirtschaften die Flächen auf dem Übungsplatz, die mittlerweile der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben gehören, seit 1959.

Die Schafe sorgen dafür, dass das Magerrasen-Biotop erhalten bleibt. Mit der Bundeswehr und den Soldaten habe es damals nie Probleme gegeben, sagt Göbel.

Ihn ärgert, dass die Menschen eigentlich wissen müssten, dass sich hier seit Jahrzehnten Schafe befinden. Diese werden in den warmen Monaten ab 19 Uhr dort eingesperrt und gegen 11 Uhr am darauffolgenden Tag wieder von einem Schäfer herausgeholt.

„Die Menschen kommen beispielsweise über die Oderstraße aus Sontra mit ihrem Auto gefahren und lassen die Hunde frei laufen. Die gucken dann natürlich sofort bei den Schafen“, sagt Göbel. Dabei müssten die Tiere in Hessen von April bis Juli in den Wäldern und Feldfluren eigentlich angeleint werden.

Keineswegs möchte Göbel den Hundebesitzern den Spaziergang verbieten, er bittet nur um ein bisschen mehr Rücksicht seinen Tieren gegenüber. Denn bislang habe er Glück gehabt: Bei den Ausbrüchen seien keine Schäden entstanden, etwa wenn die Schafe sich in fremden Rapsfeldern aufhielten. (Maurice Morth)

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