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Agentur Kompass gehört jetzt zur Wirtschaftsförderung des Kreises

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Von: Tobias Stück

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Sind jetzt Teil der WFG: Matthias Nolte (rechts) und Dr. Michaela Schmidt von der Willkommesagentur Kompass mit dem Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dr. Lars Kleeberg.
Sind jetzt Teil der WFG: Matthias Nolte (rechts) und Dr. Michaela Schmidt von der Willkommesagentur Kompass mit dem Geschäftsführer der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Dr. Lars Kleeberg. © Stück, Tobias

Die Willkommensagentur Kompass ist jetzt Teil der Wirtschaftsförderung des Werra-Meißner-Kreises. Sie soll Kommunen unterstützen, beispielsweise bei der Ansiedlung neuer Unternehmen, aber auch Neubürgern beim Ankommen helfen.

Werra-Meißner – Die Willkommensagentur Kompass ist jetzt Teil der Wirtschaftsförderungsgesellschaft Werra-Meißner (WFG) und wird sich zukünftig auf drei Kernbereiche konzentrieren. Zweieinhalb Jahre nach der Gründung des Projekts als Anlaufstelle für Neubürger wurde die Agentur in die Gesellschaft des Werra-Meißner-Kreises überführt. Damit hat Kompass den Projektstatus verlassen. „Die Gesellschafter wollen jetzt Ergebnisse sehen“, sagt WFG-Geschäftsführer Dr. Lars Kleeberg.

Deswegen legt Kompass den Fokus zukünftig neben einem Angebot für Neubürger – insbesondere Fachkräfte – zukünftig auf den Aufbau eines Netzwerkes für Coworking-Plätze. Sie sollen über alle Kommunen des Kreises verteilt werden. Außerdem wollen sie das Standortmarketing verbessern.

Die Willkommensagentur Kompass war 2020 gestartet und wurde für zwei Jahre hauptsächlich aus Leader-Fördergeldern der Europäischen Union finanziert. Die Aufnahme in die Wirtschaftsförderungsgesellschaft des Landkreises, die zunächst auf zwei Jahre angelegt ist, war unter den Gesellschaftern (siehe Kasten) nicht unumstritten. „Die Kommunen forderten einen höheren Nutzwert durch Kompass“, berichtet Kleeberg aus den Beratungen.

Im gesamten Landkreis sollen deshalb jetzt Coworking-Räume aufgebaut werden. Von einer Zentralisierung ist man abgekommen. In allen Städten und Gemeinden sollen für jedermann anmietbare Büroplätze von den Kommunen, Unternehmen, aber auch von Privatleuten angeboten werden. „Wir übernehmen die Beratung der Anbieter und bauen eine Web-Plattform auf, wo alle Angebote gebündelt werden“, sagt Dr. Michaela Schmidt, seit der ersten Stunde Teil von Kompass. Ihr zur Seite steht jetzt Matthias Nolte. Beide teilen sich die bis Ende 2023 befristete Stelle.

Im Management der Neubürger sollen indes besonders Fachkräfte beraten werden. Auch Expertenwissen von Flüchtlingen aus der Ukraine soll verstärkt für die Wirtschaftskraft des Kreises genutzt werden. Auch hier sollen die Kommunen durch Kompass entlastet werden. Außerdem ist der Plan, die Bekanntheit des Kreises für Arbeitskräfte zu steigern.  

Kommunen und Kreis halten Mehrheit

Die Wirtschaftsförderungsgesellschaft Werra-Meißner wurde 1990 gegründet. Ihre wichtigste Aufgabe ist, die Attraktivität des Kreises nach innen und nach außen weiterzuentwickeln und die Wettbewerbsfähigkeit der ansässigen Unternehmen zu fördern. Unter den sieben Gesellschaftern halten der Landkreis und die Kommunen des Landkreises mit mehr als 52 Prozent die Mehrheit an der Gesellschaft.

Menschen miteinander vernetzen

Es gibt zwei Arten von Neubürgern, die die Willkommensagentur Kompass betreut: Zum einen sind es Rückkehrer, die nach Ausbildung in der Fremde zu den Wurzeln ihrer Jugend zurückkehren, zum anderen sind es Menschen, die sich mit ihrem Job im Gepäck in der Region zwischen Werra und Meißner neu niederlassen wollen. Eines ist beiden gemein: Sie wollen vernetzt werden. Diese Erfahrung haben Dr. Michaela Schmidt und Matthias Nolte bei ihren Beratungen gemacht. Für beide hat die Willkommensagentur ein Angebot.

In erster Linie vermitteln sie Kontakte. Kontakte zwischen denen, die wissen, wie es hier läuft und denen, die gerade hier Fuß fassen. Manche haben sich ganz bewusst dafür entschieden, hierher zu kommen.

Eine neue, kleine Gruppe ist weniger freiwillig hier, wird jetzt aber ebenso von der Agentur betreut: Flüchtlinge aus der Ukraine. In dieser Gruppe gibt es nach Informationen der WFG viele potenzielle Fachkräfte. „Wir wollen sie nicht einfach nur in einem Job parken, sondern schnell, unkompliziert und zielgerichtet in qualifizierten Berufen unterbringen“, sagt Matthias Nolte. Von Handwerksbetrieben gibt es schon Anfragen. Ein Instrument, um die Neuangekommenen zu vernetzen, könnten die Coworking-Räume sein. Hier können sie in modernen Büroräumen ihrer Arbeit nachgehen und gleichzeitig mit anderen Nutzern Kontakte knüpfen.

In allen Städten und Gemeinden sollen jetzt solche Plätze entstehen: in Sontra im Stabsgebäude des Husarenparks, in Rommerode im Verwaltungsgebäude von VGT-Dyko, in Weißenborn in der Begegnungsstätte, in Frieda bei Fröhlich-Versicherungen, in Hundelshausen und in Meißner in privaten Angeboten. „Es genügt aber nicht, eine Ferienwohnung mit WLAN anzubieten“, sagt Nolte. Deswegen bietet Kompass Beratungen an, wie man solche Orte des gemeinsamen Arbeitens aufbaut.

Im Open-Flair-Haus an der Werra hatte Kompass bis Jahresende selbst solche Coworking-Plätze angeboten und Erfahrung gesammelt. Die Vermarktung dieser Arbeitsplätze übernimmt jetzt wieder der Arbeitskreis Open Flair.

Gerade in Eschwege, wo die Nachfrage am höchsten ist, werden weitere Coworking-Möglichkeiten gesucht. „Auch Firmen, die Arbeitsraum zur Verfügung haben, könnten durch den Input von außen profitieren“, sagt Nolte. Eine weitere Forderung der Kommunen ist die Konzentration auf das Standortmarketing. Der Werra-Meißner-Kreis soll bekannter werden. Um die Zielgruppen zu erreichen, werden jetzt Konzepte erschaffen.

Die Teilnahme an Auswanderermessen, beispielsweise in Holland, Imagefilme oder ein Podcast mit Rückkehrern sind Ideen dazu. Außerdem soll die Reichweite von Kompass über Social-Media-Plattformen erhöht werden. (Tobias Stück)

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