Akute Einsturzgefahr: Geotechnikern untersuchen Straße in Kammerbach

Mit 50-Kilogramm-Schlägen in die Tiefe: Mit einer schweren Ramme, hier bedient von Baustoffprüfer Ulrich Wunderlich, wird der Untergrund untersucht. Geologe Ullrich Vath (sitzend) beobachtet und notiert dazu die Wirkung der einzelnen Stöße. Fotos: Forbert

Kammerbach. Angefangen hat alles mit der Absenkung der Fahrbahn. Jetzt will Hessen Mobil verhindern, dass die Straße in Kammerbach einstürzt. Als Lösung könnte eine Brücke dienen.

„Wir müssen reagieren“, sagt Ullrich Vath. Der Geologe arbeitet für das Straßen- und Verkehrsmanagement Hessen Mobil. Gestern war er zusammen mit seinem Kollegen Ulrich Wunderlich, von Beruf Baustoffprüfer, mit einer schweren Ramme auf der Kohlenstraße im Bad Sooden-Allendorfer Stadtteil Kammerbach im Einsatz.

Mehrere Sondierungen bis in zehn und mehr Meter Tiefe brachten die beiden Mitarbeiter der Hessen-Mobil-Abteilung Geotechnik nieder. Das Ziel: Die beste Möglichkeit zu finden, um schnellstens die Ortsausgangsstraße in Richtung Hoher Meißner wieder für den Verkehr freizugeben. Seit zehn Tagen ist die Strecke gesperrt, weil wegen der seit zwei Jahren beobachteten und seither über viereinhalb Zentimeter starker Setzungen mittlerweile ein Einstürzen der Fahrbahn befürchtet wird.

Sondierungsmittel: Diese Bohrspitze wird von jeweils um ein Meter verlängertes Gestänge in den Untergrund gerammt.

Diese Gefahr ist durchaus akut. Im Untergrund hat sich der Zechsteingips weggelöst, sagt Geologe Vath, über den Hohlräumen bricht das Deckgefüge zusammen und schließlich ein. „Das passiert binnen Minuten“, schildert er und verweist auf einen Erdfall 250 Meter entfernt auf einem Acker, der schon 1890 existierte und 2003 weiter einstürzte.

Um die Straße sicher zu machen, müsse sie entweder durch einen Garten umgelegt oder - was realistischer und am schnellsten machbar ist - die abgesenkte Stelle mit einer versteckten Brücke aus Betonplatten überbaut werden. Denn ein Verfüllen der Hohlräume ist quasi unmöglich.

Gestern untersuchten Vath und Wunderlich mit etlichen Sondierungen auf der Straße die Lagerungsdichte des Untergrunds, um Aufschluss über die Tragfähigkeit zu gewinnen. Dazu zählt Vath die Schläge mit einem 50-Kilogramm-Fallgewicht, die pro zehn Zentimeter erfolgen. Bis in zehn Meter Tiefe, so die ersten Erkenntnisse, gibt es rund um die Senkungsmitte kein tragfähiges Material.

Wo wird es am Rand der Senkung wieder härter, muss die Brücke über sechs, acht oder zehn Meter gebaut werden? Die Antwort will Vath nach der Auswertung der Sondierung sowie der 27 Messpunkt-Angaben geben.

Seine Schlussbetrachtung könne er frühestens am kommenden Mittwoch vorlegen. Dann muss eine andere Abteilung von Hessen Mobil sagen, wie und wann es mit den Arbeiten weitergeht.

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