1. Startseite
  2. Lokales
  3. Witzenhausen

Amerikanische Familie kommt immer wieder nach Weißenborn

Erstellt:

Von: Theresa Lippe

Kommentare

Freut sich jedes Mal über Besuch aus den USA: Monika Heinisch zeigt ein altes
Freut sich jedes Mal über Besuch aus den USA: Monika Heinisch zeigt ein altes © Theresa Lippe

Amerikanische Nachfahren von Familie Alstädt zu Besuch in Weißenborn bei Monika Heinisch.

Weißenborn – Internationale Studierende gibt es in Deutschland viele. Dass eine amerikanische Studentin aber ausgerechnet in Hessens kleinster Gemeinde ihre Verwandtschaft findet und seitdem regelmäßig besucht, passiert allerdings eher selten.

Doch vor zehn Jahren fand die amerikanische Studentin Valerie Alstadt ihre Verwandtschaft in Weißenborn und war kürzlich zum inzwischen sechsten Mal in der Heimat ihrer Vorfahren, um dort Monika Heinisch zu treffen. „Valerie spricht deutsch, so können wir uns verständigen“, sagt Heinisch, beim Englischen helfen ihre Töchter und Enkelkinder.

„Ein Besuch bei Bürgermeister Mäurer ist Pflichtprogramm, wenn Valerie und ihre Eltern nach Weißenborn reisen“, berichtet die 79-Jährige. Die Familie bleibe immer einige Tage, an denen man gemeinsame Ausflüge mache: „Wir waren beispielsweise schon zusammen in Weimar und Eisenach, aber auch bei der Gedenkstätte Buchenwald.“ Danach würden „ihre Amis“, wie Heinisch sie scherzend nennt, andere Teile Deutschlands bereisen.

Damals, vor zehn Jahren, erhielt Weißenborns Bürgermeister Thomas Mäurer eine E-Mail von Valerie Altstadt, die zu der Zeit in Hannover Chemie und Germanistik studierte. Darin schrieb sie, dass ihre Vorfahren aus der kleinen Gemeinde in die USA ausgewandert waren und sie den Ort gerne besuchen wolle.

Wie sich nach Recherche von Thomas Mäurer und Pfarrer Rüdiger Pütz rausstellte, handelt es sich bei den Vorfahren um das Ehepaar Joseph Georg Alstädt (1856 bis 1912) – vor der Amerikanisierung des Namens noch mit Umlaut geschrieben – und Angelika Böttiger (1852 bis 1943).

Die Weißenbörnerin Monika Heinisch stammt aus der Alstädt-Familie und ist die Ur-Ur-Großcousine von Valeries Vater Richard. Im Jahr 1880 wanderte Angelika Alstädt mit ihrer einjährigen Tochter von Weißenborn nach Erie in Pennsylvania aus, ihr Mann kam zwei Jahre später nach. Sie folgte ihren zwei Brüdern, die einige Jahre zuvor schon von Weißenborn in die USA gezogen waren, weil sie nicht zum Militär wollten.

Anfangs hatte der Kontakt zur Heimat noch Bestand. Briefe wurden geschickt, Fotos. Auch kamen nach dem Krieg sogenannte Care-Pakete über den Atlantik. Mit dabei neben Kaffee und Lebensmitteln auch ein Kleid für die heute 79-jährige Monika, die damals ein kleines Kind war. „Dieses Kleid habe ich geliebt und getragen, bis es nicht mehr ging“, erinnert sie sich.

Der Kontakt zur amerikanischen Familie brach allerdings ab, als dort die letzten Mitglieder starben, die des Deutschen mächtig waren. Heinisch bewahrt bis heute den letzten Brief von Angelika Alstädt auf wie einen Schatz.

Valerie Alstadt ist nun die erste ihrer Familie, die wieder Deutsch spricht. Das Interesse an der Ahnenforschung hat sie von ihrem Vater Richard. Der hatte bereits in den 1970er-Jahren angefangen, die familiäre Herkunft zu erforschen.

Für die Zukunft wünscht sich Monika Heinisch, dass es noch viele Besuche aus Amerika geben wird und auch die kommenden Generationen den Kontakt von Hessens kleinster Gemeinde in das große Amerika halten werden. (Theresa Lippe)

Auch interessant

Kommentare