Amtsgericht Eschwege

Feuer löscht Spuren aus – Freispruch für Verdächtigen

Die Statue einer Frau ist vor blauen Himmel zu sehen, sie hält eine Waage in der linken Hand.
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Ein Verfahren, in dem einem Mann aus dem Werra-Meißner-Kreis fahrlässige Brandstiftung in betrunkenem Zustand angelastet wurde, endete vor dem Amtsgericht in Eschwege jetzt mit einem Freispruch.  (Symbolbild)

Ein Verfahren, in dem einem Mann aus dem Werra-Meißner-Kreis fahrlässige Brandstiftung in betrunkenem Zustand angelastet wurde, endete vor dem Amtsgericht in Eschwege jetzt mit einem Freispruch.

Werra-Meißner – Der Grund: Die Ursache für das Feuer, das vor knapp einem Jahr in einer Dachgeschosswohnung in einem Mehrfamilienhaus im Kreis ausgebrochen war, ließ sich im Nachhinein nicht eindeutig rekonstruieren – weder von der Kriminalpolizei noch von einem Sachverständigen.

Das Feuer hätte demnach sowohl durch einen technischen Defekt als auch durch Brandstiftung ausgelöst worden sein können, sagt der Brandgutachter, der auch fahrlässiges Handeln nicht ausschließen konnte. Die Richterin sah es zwar als bewiesen an, dass der Mann auf der Anklagebank in der Brandnacht im „Rausch“ war, wie sie in ihrem Urteilsspruch erklärte. Die Verantwortung des Beschuldigten für das Feuer sei allerdings „nicht nachweisbar“.

Knapp vier Stunden wurden in einem Saal des Amtsgerichts in Eschwege neben dem Mann, der als Beschuldigter geladen worden war, außerdem vier Zeugen und Zeuginnen sowie zwei Sachverständige angehört und befragt. Ein Mediziner sollte die Schuldfähigkeit des Mannes beurteilen, ein Brandsachverständiger die Ursache des Feuers. Mit dem Freispruch folgte die Richterin nicht nur der Aussage des Brandgutachters, sondern auch den vorangegangenen Plädoyers der Staatsanwältin und des Verteidigers.

Verletzte Person und 100 000 Euro Schaden

Das Feuer in dem Mehrfamilienhaus ist in einer Nacht im Januar mitten unter der Woche ausgebrochen. Der Mann hatte seine Wohnung unter dem Dach verlassen, um im Keller die Sicherung reinzudrehen. Auf dem Weg randalierte er im Hausflur, sodass die im Erdgeschoss lebende Mutter die Polizei rief. Erst nach Eintreffen der Beamten wurde der Brand bemerkt. Es kam zu einer Verpuffung im Hausflur, in dessen Folge der Nachbar schwere Verbrennungen erlitt. (mai)

Zur Anklage sei es überhaupt erst aufgrund des Brandgutachtens der Polizei gekommen, so die Staatsanwältin in ihren abschließenden Worten. Ursprünglich sei von einer „Vollrauschtat ausgegangen“ worden, in der eine Kerze als mutmaßliche Ursache für das Feuer in der Wohnung erklärt und die Mitverantwortung des Betrunkenen im Verlassen der Wohnung gesehen wurde. „Es ist nicht nachzuweisen, dass Sie gezündelt haben. Damit liegt keine rechtswidrige Tat vor“, so die Staatsanwältin. Ihr Plädoyer schloss sie mit einem Ratschlag. Der bezog sich auf den regelmäßigen Alkoholkonsum des Mannes am Wochenende: „Sie haben da ein Problem. Gehen Sie das an.“

Der Verteidiger schloss sich der Staatsanwältin in der Forderung eines Freispruches an: „So wie ein Mord wegen fehlender Kugel und Leiche nicht nachgewiesen werden kann, so fehlt hier die Tat. (Hanna Maiterth)

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