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Gutachter: Erhöhung des Seespiegels des Werratalsees ist schnellste Lösung

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Von: Stefanie Salzmann

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Besser, aber nicht gut: Die Phosphatbelastung im Werratalsee ist immer noch viel zu hoch. Am Südstrand (
Besser, aber nicht gut: Die Phosphatbelastung im Werratalsee ist immer noch viel zu hoch. Am Südstrand ( © Reiner Fröhlich

Eschwege – Für eine erfolgreiche Sanierung des Werratalsees ist eine Anhebung des Wasserspiegels nach Auffassung von Dr. Klaus-Dieter Wolter alternativlos. „Wenn Sie den See schnell verbessern wollen, müssen Sie diesen Weg gehen“, sagte Wolters.

Hingegen sei die Spundwand zwischen See und der Werra unterdessen nicht mehr so wichtig, weil sich der Phosphatgehalt des Flusses verbessert habe und durch die inzwischen erfolgte Absenkung der Werra weniger Wasser durch den Damm in den See drücke. Wolters begutachtet und bewertet seit Jahren im Auftrag der Stadt Eschwege den Zustand des Sees als Gutachter. Die jüngsten Ergebnisse des Werratalsee-Monitorings stellte er am Dienstagabend auf einer gemeinsamen Sitzung der Gremien der Stadt Eschwege und der Gemeinde Meinhard vor.

Zwar konnten durch verschiedene Maßnahmen wie unter anderem Phosphatfällung, ein Fischmanagement und Vergrämungsmaßnahmen gegen Wildgänse die hohen Phosphatwerte um 22 Prozent gesenkt werden, doch von dem Ziel 0,01 mg/Liter sei der Werratalsee weit entfernt.

Die Gemeinde Meinhard lehnt eine Anhebung des Wasserspiegels bisher ab, weil sie um die Grebendorfer Siedlungsgebiete fürchtet. „Wir werden für eine Anhebung des Wasserspiegels nach den Ereignissen im Ahrtal keine Genehmigung bekommen“, sagte Meinhards Bürgermeister Gerhold Brill.

Unklare Ursache

Bei der Suche nach möglichen Ursachen der hohen Phosphatbelastung des Werratalsees stellt sich nach Beprobungen des Grundwassers auf landwirtschaftlichen Flächen durch das Hessische Landesamt für Landwirtschaft, Umwelt und Geologie (HLNUG) auf der Ostseite des Sees bei Schwebda heraus, dass dort die Ursache nicht liege.

Dort seien die Belastungen aus dem einströmenden Grundwasser mit Phosphat extrem gering, so Wolters.

Dagegen hätten sich an zwei Messpunkten in der Ortslage Schwebda sehr hohe Kaliumwerte, die auch Einfluss auf die Phosphate im Wasser haben können, gezeigt. „Das Kalium kann aus menschlichen oder tierischen Urin stammen“, sagte der Wissenschaftler. „Diese Quelle muss dringend gefunden werden“, appellierte Wolters an die Politiker. In Schwebda war erst jüngst die Kanalisation saniert worden.

Die Tauchplane

Bessere Werte bescheinigte der Umweltanalytiker Dr. Said Yasserie dem durch eine Tauchplane geschützten Bereich am Südufer des Sees. Nachdem in diesem Jahr die offenbar nicht ganz dichte Plane repariert und bereits im März mit Phosphatfällungen begonnen wurde, seien die Werte dort gut. Die Sichttiefe läge aktuell bei 3,20 Meter.

Künftig solle die Fällungsfrequenz erhöht werden, wichtig sei zudem, dass regelmäßig die Unterwasserpflanzen gemäht werden, der Strand und die Umrandung der Tauchplane sauber gehalten und Wildgänse, die den See durch Kot belasten, möglichst vergrämt werden sollen.

See im Fokus der EU

Der Werratalsee ist inzwischen in den Bewirtschaftungsplan der EU-Wasserrahmenrichtlinie aufgenommen worden, die eine Verbesserung der Gewässerzustände zum Ziel hat.

„Das ist ein gewaltiger Erfolg“, sagte Eschweges Bürgermeister Alexander Heppe. Damit hätte man nun auch andere und bessere Möglichkeiten zum Handeln. Er forderte die Gemeindevertretung Meinhard auf, adäquat zur Stadt Eschwege einen Grundsatzbeschluss für die Sanierung des Sees zu fassen.

„Wenn dabei herauskommt“, so Heppe, „dass wir den See schrittweise und mit engmaschiger Beprobung anheben können, ist das gut.“

Von Stefanie Salzmann

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