Wasserqualität

Anhebung des Werratalsees kann Jahre dauern

Der Werratalsee Mitte Juni: Der Teil mit den beiden Inseln (oben) gehört zur Gemeinde Meinhard (54 Hektar), der untere Teil zur Stadt Eschwege (50 Hektar).
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Der Werratalsee Mitte Juni: Der Teil mit den beiden Inseln (oben) gehört zur Gemeinde Meinhard (54 Hektar), der untere Teil zur Stadt Eschwege (50 Hektar).

Eine Möglichkeit, die Wasserqualität des Werratalsees zu verbessern, ist die Angleichung von See und Werra. Dazu bedarf es aber eines Planfeststellungsbeverfahrens.

Eschwege – Am Dienstagabend stellte Sven Ruscher, beim Regierungspräsidium Kassel (RP) für Wassergüte und Hochwasserschutz Dezernatsleiter, vor, welche Voraussetzungen für eine Anhebnung des Seespiegels erfüllt werden müssen.

Die Ausgangslage

Im Jahr 1997 wurde vom RP festgelegt, dass der Werratalsee eine Höhe von 158,64 Meter über NN haben soll. Mit dem Durchbruch durch weiteren Kiesabbau zu einem separaten See im Westen wurde diese Höhe erreicht. Die ursprüngliche Höhe von rund 160 Metern sank im gesamten See auf 158,64 Meter über NN ab.

Grund für die Algenbildung ist der Phosphoreintrag in den See. Der hat nach jüngsten Untersuchungen nachgelassen (wir berichteten). Zu großen Teilen gelangt es durch die nach wie vor höher liegende Werra in den See. Eine Angleichung auf ein ähnliches Höhenniveau würde laut Ruscher Abhilfe schaffen. Die Stadtwerke Eschwege haben seit dem Frühjahr die Werra bereits abgesenkt. „Ein paar Zentimeter sind aber noch drin“, sagte Ruscher.

Ruscher kommentierte am Dienstagabend auch die bislang ergriffenen Maßnahmen. Auch bei der Regulierung des Fischbestands gäbe es Luft nach oben. Die Entfernung der Wasserpflanzen durch ein Mähboot der Stadt Eschwege sei „suboptimal“ gelaufen. Das Liegenlassen der abgeschnitten Pflanzen wäre „unglücklich“ gewesen, der Zeitpunkt „kontraproduktiv“. Die Wasserpflanzen müssten Ruschers Meinung nach im August großflächig abgeschnitten werden.

Die Anhebung

Weil der Werratalsee und die umliegenden Felder als Ausgleichsfläche bei Hochwassern benötigt werden, kann man den See nicht beliebig hoch stauen. Der Verlust von 300 000 Kubikmetern Retentionsraum seien verkraftbar, heißt es in einem Gutachten durch Schuller. Berechnungen zufolge sind 30 Zentimeter mehr Wasserstand möglich. Aber auch für diese „moderate Anhebung“, wie Eschweges Bürgermeister Alexander Heppe sie nannte, braucht es ein Planfeststellungsverfahren.

Das wurde bislang weder von Meinhard noch von Eschwege beantragt. Ein sogenannter Scoping-Termin dazu hat schon stattgefunden. Anschließend wäre es nötig, dass der Antragsteller alle nötigen Unterlagen zusammensucht. Danach wird der Stand des Verfahrens mehrfach öffentlich ausgelegt. Alle Betroffenen können dazu Stellungnahmen abgeben. Gegen den Entwurf kann anschließend noch geklagt werden. „Sollte es zu einer Klage kommen, kann das Verfahren Jahre dauern“, sagt Ruscher.

Laut Auflagen der Wasserrahmenrichtlinie der EU soll der Werratalsee bis 2027 in einen guten Zustand zurückversetzt sein. „Ausnahmen sind möglich, die EU akzeptiert auch, wenn Maßnahmen zur Verbesserung lediglich initiiert wurden“, sagt Ruscher.

Die Sorgen

Sorgen kommen in erster Linie aus Meinhard. Anwohner – gerade in Grebendorf – befürchten, dass bei Hochwasser ihre Keller volllaufen würden, weil durch die Anhebung des Seespiegels Retentionsraum fehlt. Insbesondere Anwohner der Schwebdaer Straße und der Schindersgasse seien betroffen. Die Straße liege nur 20 Zentimeter höher als der Werratalsee und sei nur durch den Damm der B 249 geschützt, berichtet Bürgermeister Gerhold Brill. Einige Anwohner hätten bereits private Sicherungsmaßnahmen vorgenommen.

Anhand des Jahrhunderthochwassers im April 1994 beschreibt er den Verlauf eines Hochwassers. 368 Kubikmeter Wasser wurden damals pro Sekunde am Pegel Heldra gemessen. Wenn sich das Wasser mit sechs Metern pro Sekunde vorwärts bewegt, erreicht das Hochwasser nach einer dreiviertel Stunde Frieda, weitere sieben Minuten später Schwebda, fünf Minuten später Grebendorf und sechs Minuten später Jestädt. „Wenig Zeit zu handeln“, wie Brill befindet. Ein Feuerwehrmann schaffe es pro Stunde, 25 Sandsäcke zu befüllen.

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