Archäologen-Team geht in Witzenhausen der Geschichte auf den Grund

Exakte Dokumentation: Alle Fundstücke und Befunde werden genau festgehalten. Dazu gehört auch das Einmessen der Funde in den Grabungsschnitten, hier durch den Archäologiestudenten Lars Schröder (am Messgerät) und den Archäologen Frank Wedekind.

Witzenhausen. Vor über 2000 Jahren waren die Terrassen im fruchtbaren Tal der Werra von Ackerbauer-Familien besiedelt. Einem dieser Höfe ist derzeit ein vierköpfiges Team der Göttinger Ausgrabungsfirma Streichardt und Wedekind Archäologie auf der Spur.

Vor 25 Jahren schon hatte der in Witzenhausen heimische Archäologe Axel Demandt im Boden südlich des Motzplatzes auf der Trasse der Bundesstraße 80, also nur wenige Meter von der jetzigen Grabungsfläche, Reste einer vorgeschichtlichen Siedlung entdeckt. Denn nun, da auf dem Motzplatz eine Tankstelle gebaut werden soll, erfolgen wieder archäologische Untersuchungen, veranlasst vom Landesamt für Denkmalpflege.

Vier Suchschnitte, vier Meter breit und bis zu 70 Meter lang, wurden mit einem Bagger angelegt. Der Boden wurde 80 Zentimeter tief in mehreren Ebenen abgezogen. Zum Teil ging es sogar über einen Meter in die Tiefe, bis die Experten Spuren entdeckten. Der Grund sind mehrere Schwemmschichten von Werra-Überflutungen.

Schnell zeichneten sich kreisförmige Bereiche mit dunkler gefärbtem Boden ab, Hinweis für die Experten auf einen Eingriff durch Menschen, die als Gruben bezeichnet werden. Ein größerer, durch Kanten abgegrenzter Bereich im westlichen Schnitt, in dem bereits etliche Keramikscherben gefunden wurden, lässt ein einstiges Grubenhaus vermuten, sagt Frank Wedekind. Sicher sind sich die Archäologen aber keineswegs. Womöglich gibt ein weiterer Schnitt in die Tiefe mehr Aufschluss, wenn das Profil am Grubenrand zu sehen ist.

Auch mit der zeitlichen Einordnung der Funde tun sich die Experten noch schwer: späte Bronzezeit oder frühe, vorrömische Eisenzeit? Die Scherben müssen erst gewaschen werden, was aber später erfolgt. Dann lassen Vergleiche eine konkretere Einordnung zu. Auch Randform und Verzierungen geben Anhaltspunkte.

Am östlichen Rand hat Axel Demandt, der bei den aktuellen Arbeiten auch dabei ist, eine größere Ansammlung an Keramikbruch sorgfältig freigelegt. Die Scherben deuten auf ein rauwandiges Vorratsgefäß, das bis zu 50 Zentimeter hoch gewesen sein könnte. Ob die entdeckten Reste reichen, um es zu rekonstruieren?

Ende dieser Woche wollen die Archäologen die Arbeit in den Schnitten - zwei sind bereits aufgrund nur weniger Funde schon wieder verfüllt - abschließen. Sie hoffen aber, während den dann anschließenden Erdbewegungen für den Tankstellenbau begleitend tätig werden zu dürfen. (sff)

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