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Domäne Vogelsburg: Auf der Suche nach den letzten Rebhühnern

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Das Rebhuhn. Nur noch sehr geringe Restvorkommen existieren im Werra-Meißner-Kreis.
Sorgenkind: das Rebhuhn. Nur noch sehr geringe Restvorkommen existieren im Werra-Meißner-Kreis. © Pressefotoarchiv des Deutschen Jagdverbands

Kaum eine Vogelart in Deutschland hat in den letzten Jahrzehnten einen solchen Niedergang erfahren wie das Rebhuhn. Einst auch in unserer Region eine Allerweltsart, besiedelte das Rebhuhn noch in den 1970er-Jahren alle Feldgemarkungen der Städte und Dörfer von der Werraaue bis zu den kalten Hochflächen bei Hessisch Lichtenau oder im Ringgau.

Werra-Meißner – Es war ein wichtiges und gehegtes Jagdwild, und die herbstliche Jagd auf Rebhühner mit dem Vorstehhund galt vielen Jägern als der schönste Teil des Waidwerks. Alleine in Hessen wurden bis in die späten 1970er-Jahre alljährlich 20.000 bis 40. 000 Rebhühner nachhaltig erlegt.

Mit der Jahrhundertkälte im extrem strengen Winter 1978/79 aber brachen die Rebhuhnbesätze überall ein und haben sich von diesen dramatischen Winterverlusten trotz aller Bemühungen der Jägerschaft wie Winterfütterung und Anlage von Flugwildäckern im Feld nie wieder erholt. Natürlich haben die Jäger sofort und zunächst freiwillig auf die Bejagung der Rebhühner verzichtet und sich ganz auf die Hege dieser Flugwildart beschränkt, dennoch war der Niedergang nicht aufzuhalten.

Rückgang um 94 Prozent

Vogelkundler gehen davon aus, dass europaweit seit 1980 die Zahl der Rebhühner um 94 Prozent zurückgegangen ist. Damit gehört das Rebhuhn zu den Landvogelarten mit den größten Populationsrückgängen. Heute kennt kaum noch ein jüngerer Mensch den charakteristischen, knarrenden Revierruf des Rebhahns, der seit Jahrhunderten untrennbar zur Geräuschkulisse der Felder und Wiesen an einem Frühlingsabend gehörte.

Die Ursachen für den Rückgang der liebenswerten Feldhühner sind vielfältig. Immer wieder wird als Hauptgrund die Veränderungen der Agrarstruktur genannt. Rebhühner lieben kleinräumig strukturierte Feldlandschaften mit einem hohen Anteil an Brachen, Ackerrandstreifen und Kräutersäumen, wo sie ausreichend Körnernahrung für die erwachsenen Tiere und genug eiweißreiche Insektennahrung für die Küken finden. Die europäische Agrarpolitik und die niedrigen Erzeugerpreise für landwirtschaftliche Produkte zwingen die Landwirtschaft aber zu immer größeren Produktionseinheiten und zu ständigen Rationalisierungen in der Produktionsweise.

Wenige Fressfeinde in den 1970er-Jahren

„Häufig aber“, berichtete Rainer Stelzner, Vorsitzender des Jagdvereins Eschwege, „wird dabei völlig vergessen, dass es in den 1970er-Jahren auch viel weniger Fressfeinde des Rebhuhns gab“. Insbesondere der Fuchsbesatz war durch die Tollwut und deren oft tierschutzrechtlich bedenkliche Bekämpfung extrem niedrig. Marder wurden von der seinerzeit noch verbreitet Kleintiere haltenden Bevölkerung kompromisslos verfolgt, und die Waschbären hatten unsere Region noch kaum erreicht. Auch Habichte waren sehr selten. Da gab es kaum natürliche Verluste unter den brütenden Hennen und den Küken.

„Selbstverständlich werden Wildarten, deren Vorkommen in einer Region nicht gesichert ist, nicht bejagt. Das entspricht nicht nur den Vorgaben der hessischen Jagdgesetzgebung, sondern gehört auch zum Selbstverständnis des waidgerechten Jagens“, erklärte Dr. Jörg Brauneis, zuständig für das Niederwildmonitoring in der Hegegemeinschaft Eschwege. „Wir Jäger erfassen unter Aufsicht der Jagdbehörde daher in jedem Frühjahr und Herbst die Besätze der Niederwildarten.“ Im Mittelpunkt des Monitorings stehen die Feldhasen und auch das Rebhuhn. Die Zahl der Feldhasen wird über nächtliche Zählungen mittels eines Scheinwerfers oder einer Wärmebildkamera erfasst. „Hierbei registrieren wir seit Jahren stabile und leicht steigende Hasenbesätze.“

Geringe Restvorkommen im Werra-Meißner-Kreis

Sorgenkind bleibt hingegen das Rebhuhn. Nur noch sehr geringe Restvorkommen existieren im Werra-Meißner-Kreis, so etwa bei Neu-Eichenberg - Hebenshausen und vielleicht noch bei Eschwege. Die Rebhühner werden bei abendlichen Gängen in der Dämmerung oft unter Zuhilfenahme von Klangattrappen gesucht, von denen der Revierruf eines Rebhahns abgespielt wird. In unserem Kreis arbeiten Jäger mit Vogelschützern sehr eng zusammen, um die letzten Rebhühner zu erfassen.“

„Leider waren die Aussichten, noch Rebhühner bei Eschwege zu finden, extrem gering. Das Vorkommen galt seit 2020 als erloschen“, sagte Dr. Brauneis. „Daher war es für mich ein besonderes Glück, als ich vor wenigen Tagen den knarrenden Ruf eines Rebhahns, der ein Revier besetzt hatte, in der Nähe der Domäne Vogelsburg hörte. Vielleicht ein gutes Omen für die Zukunft.“  

Von Dr. Jörg Brauneis

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