Untersuchungen am Hohen Meißner und im Schlierbachswald

Wasser fehlt immer noch - Rückgang aber auch typisch für Jahreszeit

Auch wenn in einigen Städten und Gemeinden die Quellen deutlich weniger Wasser ausschütten, so sei der Wasserstand in den Tiefbrunnen aber kaum betroffen, melden die Bürgermeister im Kreis.
+
Auch wenn in einigen Städten und Gemeinden die Quellen deutlich weniger Wasser ausschütten, so sei der Wasserstand in den Tiefbrunnen aber kaum betroffen, melden die Bürgermeister im Kreis.

Die Trockenheit der Jahre 2018 und 2019 hat noch immer Auswirkungen auf die Trinkwassergewinnung. Im Februar hatten sich die Quellen noch nicht erholt (HNA berichtete).

Nun meldete Hessisch Lichtenau, dass eine Quelle im Stadtteil Quentel keine ausreichende Wassermenge mehr liefert und deswegen auf den Tiefbrunnen wurde.

So handhaben es viele Städte und Gemeinden im Landkreis. Fallen Quellen trocken, stellen sie auf Tiefbrunnen um. Allerdings verfügt nicht jede Gemeinde über einen Tiefbrunnen. Deswegen sorgt sich zum Beispiel die Gemeinde Meißner umso mehr um den Zustand ihrer Quellen. Auf dem Hohen Meißner hat die zu Verfügung stehende Wassermenge, das sogenannte Dargebot, in den Jahren 2018 und 2019 stark nachgelassen. Seit Beginn des Jahres sind die Quellschüttungen um etwa 10 Liter pro Sekunde weiter zurückgegangen, berichtet Bürgermeister Friedhelm Junghans. Als Schüttung wird das Wasservolumen bezeichnet, das in einer bestimmten Zeit aus einer Quelle austritt.

Der Wassermangel auf dem Hohen Meißner wird vor allem über die Wassergewinnungsgebiete Aue und Schlierbach kompensiert, teilen die Stadtwerke Eschwege mit. Da keine Anzeichen zur Verbesserung des Grundwasserspiegels zu erwarten sind, beschloss das Verbandswasserwerk Zweckverband Meißner, dass von den Stadtwerken Eschwege betreut wird, nach Alternativen zur bisherigen Wasserversorgung zu suchen.

Im August und September wurden deswegen zwei Erkundungsbohrungen im Schlierbachswald durchgeführt, um einen weiteren Rückgang des Wasserangebotes vom Meißner kompensieren zu können. Die Auswertung der Bohrungen wird für Ende Oktober erwartet.

Zudem werden am Meißner Untersuchungen gemacht, um auch zukünftig dort Trinkwasser gewinnen zu können. Weiterhin würden Gespräche mit dem Hessischen Landesamt für Naturschutz, Umwelt und Geologie und dem Regierungspräsidium Kassel geführt, um Unterstützung bei den Wassererkundungen zu bekommen. Die Bemühen hätten jedoch bisher keinen Erfolg gehabt, informieren die Stadtwerke Eschwege.

Die Stadtwerke Eschwege melden aus den Wassergewinnungsgebieten keine starken Abweichungen des Grundwasserspiegels in den vergangenen Jahren, jedoch auch keine Erholung.

Woher kommt das Trinkwasser?

Trinkwasser ist ein Naturprodukt und wird zu 70 Prozent aus Grund- und Quellwasser gewonnen, informiert das Umweltbundesamt. See-, Talsperren- und Flusswasser wird zu 13 Prozent direkt genutzt. Die restlichen 17 Prozent seien eine Mischung aus ursprünglich Oberflächenwasser, das aber durch eine Bodenpassage oder Uferfiltration fast die gleiche Qualität wie Grundwasser habe. Je nach Gegend schmecke das Wasser anders, aufgrund von Mineralien, die sich lösen.

Ausgleich über Tiefbrunnen

Welche Auswirkungen die Trockenheit von 2018 und 2019 auf die Quellen hat, das haben auch andere Städte und Gemeinden genau im Blick.

In Hessisch Lichtenau schloss man deswegen den Stadtteil Retterode an einen Tiefbrunnen an. Bis auf Hausen sind damit alle Stadtteile an Tiefbrunnen angeschlossen. In Hausen wurden Wurzeln aus der Quellanlage entfernt, sodass auch hier mit keinen Problemen gerechnet wird. Aktuell liefert die Quelle in Quentel keine ausreichende Wassermenge, sodass man auf den Tiefbrunnen umstellen musste. Es wird damit gerechnet, dass weitere Quellen folgen und ebenfalls keine ausreichenden Schüttmengen liefern. Im vergangenen Jahr seien Reichenbach und Wickersrode trocken gefallen, berichtet Bürgermeister Michael Heußner. Aus seiner Sicht ist das eine Folge der Trockenheiten der letzten Jahre.

Bürgermeister Wilhelm Gebhard meldet bereits im Februar einen deutlichen Rückgang der Schüttungsmengen der Quellen in Wanfried und berichtete nun von einen weiteren Rückgang. Die Tiefbrunnen seien aber nicht betroffen. Der Rückgang der Schüttungen sei typisch für die Jahreszeit, jedoch ausgeprägter als in den Jahren zuvor.

In Großalmerode seien die Schüttmengen zwar auch zurückgegangen, was aber zu keinen Versorgungsengpässen führen würde, heißt es aus dem Rathaus. In der Kernstadt werde über den Tiefbrunnen ergänzende Wassermengen gefördert, dies sei aber in jedem trockenen Jahr der Fall. Demnächst plant die Stadt Bauarbeiten an der Verbindungsleitung zwischen Epterode und der Kernstadt, da ein defektes Teilstück im Bereich Faulbach-Kernstadt erneuert werden soll. Dazu wurden Planungsaufträge und Bodengutachten beauftragt.

In Bad Sooden-Allendorf sind die Schüttmengen unauffällig und der Grundwasserspiegel in den Gewinnungsanlagen sei normal, teilt Bürgermeister Frank Hix mit und Lars Böckmann berichtet für Herleshausen, dass die Gemeinde Mitglied des Wasser-/ Abwasser-Zweckverbandes Hersfeld Rothenburg sei, der die Trinkwasserversorgung aller Mitgliedskommunen sichert. Die Kommunen im Verband seien deswegen auch größtenteils bereits vernetzt.

Auch wenn in der Gemeinde Ringgau der Zustand der Quellen und Tiefbrunnen unverändert ist und sie ausreichend Wasser hervorbringen, denkt die Gemeinde über neue Leitungen von Lüdersbach nach Rittmannshausen und Netra nach, informiert Bürgermeister Mario Hartmann. Es wurde jedoch noch nichts Konkretes entschieden.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.