Viele Fragen noch offen

30 Badestädter diskutierten über Zukunft des Gradierwerks

Ortstermin am Gradierwerk: Bauausschuss-Vorsitzender Stefan Heuckeroth-Hartmann (rechts), der sich vorsichtshalber einen Helm mitgebracht hatte, führte in die Problematik der in der Statik gefährdeten Holzkonstruktion ein. Foto: Cortis

Bad Sooden-Allendorf. Mehr Fragen als Antworten – das ist das Fazit eines Ortstermins, zu dem der Vorsitzende des Bauausschusses, Stefan Heuckeroth-Hartmann, ausdrücklich auch die Bevölkerung eingeladen hatte, als es am Donnerstagabend um die nahe und ferne Zukunft des Gradierwerks ging.

Mehr als 30 interessierte Bürger waren gekommen, um sich in die seit Langem anhaltende Diskussion einzuschalten.

Die Ausgangslage: Die Schwarzdornfelder, über die ständig Sole rieselt und damit das 140 Meter lange Bauwerk zu einem Freiluftinhalatorium macht, sind durch Ablagerungen von Gips, Kalk, Ton und Salz so schwer geworden, dass ernsthafte Befürchtungen um die Statik der Holzkonstruktion bestehen. Dass der Schwarzdorn, der nur im Winter geerntet werden kann, ausgetauscht werden muss, ist unstrittig. Diese Instandhaltungsarbeiten sind etwa alle 20 Jahre fällig. Vorgesehen ist außerdem eine Sanierung des Ostturms und der Wanne, die am Fuße des Gradierwerks die Sole wieder auffängt. Die veranschlagten Gesamtkosten: 1,7 Millionen Euro, viel Geld für eine hoch verschuldete Schutzschirm-Kommune.

Viele Ideen wurden eingebracht, zum Beispiel die, die verkrusteten Dornenspitzen auf der gesamten Fläche um einige Zentimeter zu kürzen, um so das Gewicht der Felder zu reduzieren. Oder nur halb so viel Sole über das Gradierwerk rieseln zu lassen, was die Lebensdauer der Dornenfelder möglicherweise verdoppeln könnte. Oder immer nur eine Hälfte des Gradierwerks berieseln zu lassen, die andere über Jahre trocken zu legen und umgekehrt. Hintergedanke bei all dem: Zeit zu gewinnen und Geld zu sparen.

Architekt Norbert Brill (Kleinvach), bundesweit anerkannter Sachverständiger in Sachen Gradierwerke, räumte ein, ein Hinausschieben der Arbeiten um sechs oder neun Monate sei wohl kein Problem. Dass die Statik der Holzkonstruktion den Druck deutlich länger aushalte, wolle er jedoch nicht unterschreiben.

Auch Bürgermeister Frank Hix machte sich stark für einen möglichst schnellen Beginn der Arbeiten. Zur 800-Jahr-Feier der Stadt im nächsten Jahr wolle er am Gradierwerk keine Baustelle haben.

Immerhin eine Frage konnte offenbar geklärt werden. So teilte Bauamtsleiter Helmut Franke mit, nach Ansicht der hessischen Denkmalpflege handele es sich beim Anfang der 2000er-Jahre erneuerten Gradierwerk „kulturhistorisch um ein Denkmal“. Gegen eine Überdachung zum Schutz vor Regen sei nichts einzuwenden. Eine Fotovoltaikanlage auf dem Dach lehne die Behörde aber ab. Die würde nach vorliegenden Berechnungen auch nur wenig bringen und nur einen verschwindend geringen Bruchteil des Stroms erzeugen, der in der benachbarten Werratal-Therme benötigt wird.

In der Sache entschieden wurde am Donnerstag nichts. Eine Fortsetzung wird also folgen. (zcc)

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