CORONAVIRUS Von Klinikpatienten und Touristen lebende Badestadt fürchtet die Folgen

400 leere Betten und immer weniger Reha in Bad Sooden-Allendorf

+
Kein Besuch bitte: In den Reha-Kliniken in Bad Sooden-Allendorf, hier die Klinik Werra, läuft der Betrieb noch geordnet weiter. Aber es gibt mehr oder weniger strikte Vorsichtsmaßnahmen wegen des Coronavirus. 

Die Einschränkungen wegen der Furcht vor dem Coronavirus werden immer stärker. Bad Sooden-Allendorf sorgt sich, von den Auswirkungen stärker betroffen zu werden.

Wirtschaftlich gesehen trifft die Corona-Krise im Werra-Meißner-Kreis nach derzeitiger Lage vor allem die Kurstadt Bad Sooden-Allendorf mit ihren sechs Kliniken, 70 Beherbergungsbetrieben, 38 Gaststätten und Kneipen sowie 18 Cafés.

Der Betrieb in den Reha-Kliniken läuft zwar noch weiter. Doch erste vorzeitige Abreisen wurden verzeichnet. Immerhin: 233 von 250 Zimmer in der Klinik Hoher Meißner beispielsweise waren gestern noch belegt, der Betrieb lief nach Angaben von Verwaltungsleiter Michael Abert planmäßig – lediglich Tagesgäste werden nicht mehr behandelt, um jede zusätzliche mögliche Gefährdung zu vermeiden. In der Mutter-Kind-Klinik Werraland liegt die Zahl der Gäste um ein Drittel

unter der Vollbelegung. Mit Beginn der Corona-Krise habe es schon einzelne Absagen gegeben, berichtet Geschäftsführerin Dorothee Junkermann. Auch am vergangenen Wochenende seien Familien unplanmäßig, also vorzeitig nach Hause abgereist.

Als Vorsichtsmaßnahme wurde den Reha-Patienten auch „empfohlen“, das Klinikgebäude – wenn überhaupt – nur noch für kleine Spaziergänge zu verlassen. Abendlicher Ausgang lohnt sich sowieso nicht mehr, sämtliche Veranstaltungen – seit gestern auch die Abende mit Kabarettist Uli Masuth (20. März) und Pianist Justus Frantz (12. April) – wurden abgesagt, das Kino Kurtheater hat seinen Betrieb vorerst bereits eingestellt, ebenso die Werratal-Therme. Lediglich die Salzgrotte und die angeschlossene Physio-Fit-Praxis haben – Stand Montag, 17 Uhr – im Kurmittelhaus noch geöffnet.

Drastisch trifft es hingegen schon Hotels und Restaurants. Nachdem der Hessische Schützentag, der in diesem Jahr vom 3. bis 5. April in Bad Sooden-Allendorf stattfinden sollte, abgesagt worden war, stornierten die erwarteten 400 Teilnehmer ihre in der Stadt und der Umgebung gebuchten Übernachtungen.

Beispielsweise auch im Hotel Martina: „90 leere Betten“ am ersten April-Wochenende, konstatiert Hotelier Wolfgang Gukerle, dem auch die Gruppen, die bei ihm über die Osterfeiertage gebucht hatten, abgesagt haben. Ebenso fielen die Feiern aus – „alles weg“, sagt er.

Sein Restaurant müsse er wohl zumachen, eventuell vorerst auch das Hotel und für das Personal womöglich schon ab Ende März Kurzarbeit anmelden. Die Coronakrise sei schon „existenzbedrohend“, so Gukerle, man könne nur auf ihr baldiges Ende hoffen.

Nicht nur der ausgefallene 69. Hessische Schützentag lässt das Kultur- und Kongresszentrum für die nächsten Wochen verwaisen. Der Landesschützenball am Samstagabend war bereits ausverkauft: „387 Karten hatten wir schon verkauft“, sagt Renate Würzler, die Vorsitzende der Schützengesellschaft Bad Sooden-Allendorf.

Eine große Hochzeit, die dort am 18. April im großen Saal mit 200 bis 300 Gästen gefeiert werden sollte, ist auch schon abgesagt worden, weiß Bad Sooden-Allendorfs Bürgermeister Frank Hix aus dem Standesamt.

Er sieht schon einen „Rieseneinbruch“ für Gastronomie und Beherbergungsgewerbe durch die Einschränkungen wegen des Coronavirus, der sich in der Stadt Bad Sooden-Allendorf besonders auswirke. „Schon am Wochenende war trotz des schönen Wetters kaum etwas los“, schildert Hix seine Beobachtungen. Deshalb will er allen Betrieben in diesen Wirtschaftsbereichen auch Informationen über das Beantragen von Kurzarbeit und andere Tipps kurzfristig weiterleiten. Für manchen Betrieb müsse womöglich sogar kurzfristig die Liquidität sichergestellt werden, um das Überleben zu sichern. Vieles in der Kurstadt hänge nämlich von Reha und Tourismus ab, so Hix. Wenn da etwas wegbreche, wirke sich das auch auf andere aus.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.