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Mehr als 600 Ukrainer schon im Werra-Meißner-Kreis

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Von: Stefan Forbert

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Die Essensausgabe für die am Dienstag angekommenen Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine in der Großsporthalle Im Eilse in Bad Sooden-Allendorf
Die Großsporthalle Im Eilse wird derzeit genutzt als Ankunftszentrum im Werra-Meißner-Kreis für Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine. Hier ist die Essensausgabe zu sehen, die am Dienstag angekommenen Menschen waren da schon auf dem Weg in ihrer Gemeinschaftsunterkünfte. © Chris Cortis

Rund 630 vor dem Angriffskrieg Putins in der Ukraine geflüchtete Menschen haben mittlerweile Zuflucht im Werra-Meißner-Kreis gefunden. Diese ungefähre offizielle Zahl nannte am Mittwoch Landkreissprecher Jörg Klinge auf Anfrage. Sie ändere sich täglich und dürfe tatsächlich höher liegen. In jeder der 16 Kommunen im Werra-Meißner-Kreis seien inzwischen Flüchtlinge untergebracht.

Werra-Meißner – Die allermeisten von ihnen kamen bislang gezielt in die Region, kamen bei Verwandten, Bekannten und Freunden oder durch persönliche Kontakte hier unter.

Am Dienstag voriger Woche wurden dem Landkreis dann auch die ersten Ukrainer zugewiesen, die ohne Zieladresse oder private Kontakte vor dem Krieg flüchteten. Und am gestrigen Mittwoch verließen weitere rund 30 Menschen, die tags zuvor aus der Erstaufnahmeeinrichtung Hessens in Gießen in den Werra-Meißner-Kreis gebracht worden waren, das hiesige Ankunftszentrum. Das wurde in der Großsporthalle Im Eilse in Bad Sooden-Allendorf eingerichtet.

Bei der ersten Zuweisung waren 60 Ukrainer angekündigt worden, mindestens 30 kamen dann. Genauere Zahlen konnte Klinge nicht nennen. Noch vor deren Ankunft habe es vom Land geheißen, der Zustrom sei geringer als erwartet.

Die Flüchtlinge verbringen dann eine Nacht in der Sporthalle. Bevor sie am nächsten Tag auf die diversen Gemeinschaftsunterkünfte im Landkreis – beispielsweise in Eschwege, Witzenhausen und Hessisch Lichtenau – verteilt werden, erfolgen dort neben der Erfassung ihrer Daten ein Corona-Test und es wird je nach Bedarf auch ein Impfangebot gegen Covid-19 unterbreitet. Zudem erfolgt die Untersuchung der Ukrainer auf die ansteckende Lungenkrankheit Tuberkulose (Tbc), die in osteuropäischen Staaten verbreiteter ist als in Deutschland.

Die Tbc-Tests, zumindest per Röntgenaufnahme und ansonsten per Blut-Untersuchung, werden üblicherweise in der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen vorgenommen, doch mangelt es dort nach Information Klinges an Röntgenärzten, sodass der Landkreis diese Aufgabe übernahm und das Anlaufzentrum am Stadtrand von Allendorf entsprechend ausstattete.

So sind für die Betreuung der zugewiesenen Ukrainer neben den Mitarbeitern des Stabs Migration beim Landkreis und des Gesundheitsamtes sowie der Awo-Flüchtlingsbetreuung auch Ärzte und Helfer des DRK dort im Einsatz.

Auch Mitarbeiter des Kreisjugendamtes sind in die Ankunft zugewiesener Kriegsflüchtlinge aus der Ukraine einbezogen, aber nur dann, wenn auch Minderjährige ohne Elternteil oder Erziehungsberechtigten darunter sind. Ein paar wenige unbegleitete Jugendlichen seien schon betreut worden, teilte Kreissprecher Jörg Klinge auf Anfrage mit.

Die Menschen aus der Ukraine werden, je nach Familienzusammenhang, dann in verschiedenen Gemeinschaftsunterkünften (GU) untergebracht. Das richte sich auch nach den freien Kapazitäten. Bislang kann die Unterbringung von Flüchtlingen im Kreis nach Aussage Klinges abgedeckt werden. Weitere Plätze seien vorhanden oder würden geschaffen.

Auch stiegen die Flüchtlingszahlen weniger stark, als vom Land vorige Woche nach befürchtet worden war. Inzwischen habe sich auch bestätigt, dass die Städte vornehmliche Ziele für die Ukrainer sind. In Hessen sei beispielsweise Frankfurt sehr beliebt, so Klinge.

Die nächste Zuweisung von Geflüchteten aus Gießen erwartet der Landkreis für nächsten Dienstag. Wie viele der angekündigten Menschen – auch in welcher familiären Zusammensetzung – dann kommen, stelle sich meist erst vor Ort klar heraus, erläutert Klinge, warum dann viel Flexibilität bei der Verteilung nach der Nacht in der Großsporthalle in Bad Sooden-Allendorf von den zuständigen Mitarbeitern erforderlich sei. Klinge bezeichnete die Zuweisungen schon als „Herausforderung“, auch wenn man auf Erfahrung von 2015 zurückgreifen könne, als viele syrische Flüchtlinge unterzubringen waren.

Dass die ukrainischen Flüchtlinge, die ohne direkten Anlaufpunkt nach Deutschland kamen, vor der Integration in die Gesellschaft in einer GU untergebracht werden, ist wohl durchdacht. Diese Menschen bräuchten zunächst einmal Zeit, um sich im neuen Land zurechtzufinden, Ansprechpartner zu finden und mit den Hilfsangeboten zurechtzukommen, so Klinge. Da sei es nicht sinnvoll, sie quasi isoliert in kleine private Quartieren einziehen zu lassen.  (sff)

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