72-Jähriger pilgert zum siebten Mal nach Spanien

Mit kirchlichem Beistand: Volker Schulze (links) und Pfarrer Hubertus Spill, der auf die Route des nächsten Pilgermarsches deutet. Foto: Cortis

Bad Sooden-Allendorf. Der 72-jährige Volker Schulze aus Bad Sooden-Allendorf bereitet sich gerade auf seine siebte Pilgerreise nach Spanien vor.

Er kann es nicht lassen. Auch mit 72 Jahren nicht: Gerade bereitet sich Volker Schulze aus Bad Sooden-Allendorf darauf vor, im nächsten Monat zum siebten Mal zum berühmten Wallfahrtsort Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens zu pilgern.

Wovor viele Menschen allein schon beim Gedanken daran kapitulieren würden, vielleicht weil sie auf Komfort verzichten müssten, die körperlichen Strapazen scheuen oder der Sache schlicht und einfach nichts abgewinnen können, ist für Volker Schulze fast schon alltäglich. Auf dem legendären Jakobsweg hat er seit der Premiere vor zwölf Jahren mehrere tausend Kilometer unter die Wanderstiefel gebracht, ist bei Wind und Regen durch knöcheltiefen Schlamm gewatet, hat in bitterkalten Nächten fürchterlich gefroren oder in brütender Hitze nach einem Schluck Wasser gelechzt. Nur eines hat er nie: die Zuversicht verloren oder gar Angst gehabt. Stets fühlte er sich beschützt und in Sicherheit. Der praktizierende evangelische Christ: „Das ist mein Grundvertrauen in Gott.“

Volker Schulze stammt aus Halle an der Saale und wurde über eine Kur erst vor vier Jahren in Bad Sooden-Allendorf sesshaft. In der DDR hatte er sich mit chemischem Anlagebau die Brötchen verdient. Dem Diplom-Ingenieur im physischen Unruhestand sei die Lust am Wandern in die Wiege gelegt worden, erinnert er an seinen Vater als begeisterten Bergwanderer. Er selbst, so der 72-Jährige, habe die Bergwelt entdeckt, als er noch studierte und während der Ferien Freunde in der Slowakei besuchte, auf Schusters Rappen die Hohe und Niedere Tatra durchforstete, in 2000 Metern Höhe zeltete und erstmals so etwas wie Freiheit empfand.

Nicht nur katholisch

„Laufen ist für mich wie eine Droge“, weiß der Mehrfach-Pilgerer. Dass es ihn in den Norden Spaniens und immer wieder nach Santiago de Compostela zieht, hat auch ganz profane Gründe. „In Deutschland kann ich mir so etwas nicht erlauben. Das ist viel zu teuer“, verweist er auf vergleichsweise preiswerte Unterkünfte, wenn er etwa für drei oder fünf Euro in einer komfortlosen Jugenherberge nächtigt. Und mindestens genauso schwer wiegt ein zweites Argument. „Pilgern war für mich immer katholisch. Aber das ist nicht so.“ Zwiesprache zu halten „mit einem nicht erfassbaren Wesen“, sei eine wunderbare Erfahrung. „Und“, fügt er im Rückblick auf das DDR-Regime hinzu, „ich war nie weit weg von der Kirche.“

38 Tage dauerte Schulzes längster Pilgermarsch über 1000 Kilometer. Auf kürzerer Strecke werden es im Oktober nur etwa halb so viele sein. Immer dabei: Nicht mehr als zwei Unterhosen und zwei Paar Strümpfe Der Rucksack, der keinen Platz lässt für sperrige Souvenirs bietet, darf nicht zu schwer werden. Deshalb tägliches Muss: Wäsche waschen.

Vortrag am Freitag

Zu seinen Pilgermärschen nach Santiago de Compostela im Nordwesten Spaniens hält Volker Schulze einen Vortrag am kommenden Freitag, 30. September, im Gemeindehaus der St.-Crucis-Kirche am Kirchplatz in Allendorf. Schulze zeigt eine Auswahl aus mehr als 10.000 eigenen Fotos, gibt sachkundige Erläuterungen und beantwortet Fragen. Pfarrer Hubertus Spill eröffnet den Gemeindeabend, der um19 Uhr beginnt.

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