Feier wird zunächst verschoben

825 Jahre Orferode: Gemeinsinn und Zusammenhalt prägen das Dorf

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Ortsbild prägend: Eines von vielen Fachwerkhäusern in Orferode, das seinen Strombedarf durch Photovoltaikanlagen zu zwei Dritteln selbst deckt.

Ein ausgeprägter Gemeinsinn und bedingungsloser Zusammenhalt – das sind die herausragenden Merkmale von Orferode. Das Dorf, seit 1972 Stadtteil von Bad Sooden-Allendorf, besteht seit 825 Jahren.

Die 300-Seelen-Gemeinde am Fuße des Hohen Meißners und unweit der hessisch-thüringischen Grenze wurde urkundlich erstmals erwähnt im Jahr 1195. Aus dem ursprünglichen Arnolffrodt wurde über Arnolferode (1336) und Orfferoda (1681) schließlich die heutige Bezeichnung.

In über 300 Meter Höhe gelegen, beträgt die Gemarkungsgröße 372 Hektar mit einem Waldanteil von zehn Hektar. Orferode ist umgeben von einem Obstbaumgürtel. Apfel-, Kirsch- und Zwetschgenbäume werden noch heute zum großen Teil gepflegt. Den Ortskern rund um die imposante und über 145 Jahre alte Friedenseiche prägen viele stattliche Fachwerkhäuser.

Prost auf den 825. Geburtstag: der Ortsbeirat– hier mit Dr. Manfred Gabrys (von links), Birgit Ernst, Tobias Polednicek, Ortsvorsteher Jochen Ullrich und Erich Böttner.

Während Handel und Handwerk die Industrialisierung nicht überlebten, ist die Landwirtschaft erhalten geblieben. Die meisten berufstätigen Einwohner müssen zu ihren Arbeitsplätzen pendeln. Weil viele junge Familien zugezogen sind, konnte dem demografischen Wandel, sprich einer Überalterung der Bevölkerung, zumindest in gewisser Weise entgegengewirkt werden. Orferode zeichnet sich aus durch ein reges Vereinsleben. Ältester Verein ist der Gesangverein, der 1913 gegründet wurde und aus zwei Gesangvereinen hervorgegangen ist. Der Heimatverein als jüngster mit aktuell 70 Mitgliedern wurde im April 2014 aus der Taufe gehoben. Der örtlichen Feuerwehr gehört mit über 100 Männern und Frauen jeder dritte Einwohner an. Automobilsportgemeinschaft, Landfrauen-, Turn- und Sport- sowie Winzerverein runden das breite Spektrum ehrenamtlicher Betätigungsmöglichkeiten ab. Und die Mundart-Theatergruppe pflegt mit ihren heiteren oder spannenden Aufführungen das Orferöder Platt.

Seit vor 25 Jahren das 800-jährige Ortsjubiläum groß gefeiert wurde, hat sich eine Menge getan in Orferode.

In Eigenleistung und unter Mithilfe des Ausbildungszentrums Mühlhausen wurde ein neues Backhaus errichtet, das gute Dienste leistet bei Festen und privaten Veranstaltungen. Der Kinderspielplatz erhielt nach seiner Umgestaltung neue Geräte. Hauptaugenmerk aber lag und liegt auf dem Dorfgemeinschaftshaus, das wegen klammer städtischer Finanzen in die Trägerschaft des Heimatvereins überging. Und der legte sich mächtig ins Zeug: Dach und Fassade wurden erneuert und der Eingangsbereich umgestaltet. Aus der Gemeinschaftsgefrieranlage wurde ein schicker Jugendraum. Neu sind auch Heizung, Küche und sanitäre Anlagen.

Gekrönt wurde das Engagement der Orferöder in diesem Jahr mit dem dritten Platz im Bundeswettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“. Nach Erhalt der Bronzemedaille bei einem Festakt im Januar in Berlin gab es erst in diesen Tagen sogar einen Empfang von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier an seinem Amtssitz im Schloss Bellevue.

Termin zur Feier ist noch offen

Es war alles so gut vorbereitet: Das Catering bestellt, das Programm ausgearbeitet. Aber die für kommenden Samstag geplante Jubiläumsfeier im Dorfgemeinschaftshaus aus Anlass des 825-jährigen Bestehens von Orferode musste kurzfristig abgesagt werden. Schuld daran ist die weltweit grassierende Coronavirus-Epidemie, die auch Deutschland nicht verschont hat. So sind im Werra-Meißner-Kreis auf dringendes Anraten der Gesundheitsbehörden sämtliche Veranstaltungen mit 100 oder mehr Teilnehmern verboten worden, um ein Fortschreiten der unaufhaltsamen Erkrankung, gegen die es noch keinen Impfstoff gibt, zumindest zu verlangsamen. Wann Orferode feiern kann, sei noch völlig offen, so Ortsvorsteher Jochen Ullrich, der persönlich einen Termin im Herbst favorisiert.

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