Abstrich im Liegestuhl

Comedian Torsten Sträter redet in Bad Sooden-Allendorf über den alltäglichen Irrsinn

Dampfplauderer aus dem Ruhrgebiet: Torsten Sträter unterhielt das Publikum in Bad Sooden-Allendorf von der ersten Minute an.
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Dampfplauderer aus dem Ruhrgebiet: Torsten Sträter unterhielt das Publikum in Bad Sooden-Allendorf von der ersten Minute an.

Torsten Sträter erhielt bei seinem Auftritt in Bad Sooden-Allendorf Lacher und Applaus.

Bad Sooden-Allendorf – Bad Sooden-Allendorf ist schön – und zwar so sehr, dass sich der Comedian Torsten Sträter spontan in das Städtchen verliebt zu haben schien, in dem er am Donnerstag beim Soundgarten-Open-Air auftrat. Eine Lobeshymne nach der anderen baute er in sein gut zweieinhalbstündiges Programm ein.

Rübezahl als Nachbar, der verlangt, dass ab 22 Uhr die Lichter auf der Bühne auszugehen haben, und die Frage „Ist das Fototapete?“ angesichts von Wald und Werra im Hintergrund der rund 650 Zuschauer – das ist aus Sicht Sträters Bad Sooden-Allendorf. Und bestimmt spreche man hier auch noch in mittelalterlichem Duktus wie „Lasset die Kandelaber zur achten Stunde anzünden“. Auch die Verfilmung der Schlacht von Helms Klamm aus dem Dreiteiler „Herr der Ringe“ verortete er in die Umgebung.

Aber eigentlich waren es die alltäglichen Skurrilitäten des Lebens, die der Dampfplauderer aus Waltrop am Rande des Ruhrgebiets wild durcheinander mixte und dabei vom Hölzchen aufs Stöckchen kam. Dieses „Perpetuum mobile des Irrsinns“, wie er selbst es nannte. Da ging es um „Manfred, die Knötterbirne“ als drittes Geschlecht beim Thema Gendern ebenso wie um den „Wochenend-Auslieferungsvertrag“, den er mit der Mutter seines Sohnes hat, bis zu der verwirrenden Position der Zuschauer-Liegestühle, die ihn dazu animierten, dass er „jedem einen Abstrich machen möchte“ und die Bifi, die auch als Hunde-Leckerli im Regal liegen könnte, und direkt aus dem „Rinder-KZ“ kommt.

Und immer wieder war da die Uhr der nahe gelegenen St.-Crucis-Kirche, deren Schläge Sträter erst zu der entgeisterten Frage brachten, ob das alle Viertelstunde so ist. Später baute er diese aber so geschickt in sein Programm ein, als seien die Glockenschläge bestellt.

Allerdings kann Sträter nicht nur skurril, sondern auch politisch. So stellte er klar: „Ich und Nena, das wird nichts mehr.“ Und auch die Rechten bekamen ihr Fett weg. „Wenn Sie die AfD wählen wollen, tun Sie das, viel Spaß. Sie bekommen die Auswirkung ja nicht mit, Sie haben eine Waldgrenze.“ Er im Ruhrpott jedoch schon. Zudem sei die AfD eine Partei, die alle anderen „Altparteien“ nenne, „aber ein Programm in den Grenzen von 1933 hat“.

Dem Publikum gefiels von Anfang an. Auch wenn Sträter die Zuschauer selbst auf die Schippe nahm. „Sie machen Meerschweinchen-Geräusche“, durfte sich eine Frau über ihr Lachen ebenso anhören wie die Frotzelei, dass „der gestandene Mann dahinten sich nicht zu schade ist, sich mit einer pinken Decke zuzudecken“ – und diese daraufhin schnell wieder weglegte.

Und so gab es nicht nur von der ersten Minute an immer wieder Zwischenapplaus, sondern auch reichlich Beifall am Schluss der Vorstellung, die Sträter mit zwei alternativen Enden beschloss. (nde)

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