Aktuell brodelt nur Gerüchteküche

Gasthaus in Kleinvach bleibt wegen zwei Corona-Fällen vorerst geschlossen

Bis zum 22. Oktober geschlossen: Die Seniorchefs der Linde in Kleinvach haben am Mittwoch das positive Ergebnis ihres Coronatests erhalten, Tochter Christiane hatte die Gaststätte vorsorglich seit Montag geschlossen.
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Bis zum 22. Oktober geschlossen: Die Seniorchefs der Linde in Kleinvach haben am Mittwoch das positive Ergebnis ihres Coronatests erhalten, Tochter Christiane hatte die Gaststätte vorsorglich seit Montag geschlossen.

Vier nachgewiesene Neuinfektionen mit dem Coronavirus hat das Gesundheitsamt des Werra-Meißner-Kreises am Freitag vermeldet. Somit liegt die Zahl der Infizierten bei insgesamt 264.

Die aktuell acht Erkrankten stammen aus Bad Sooden-Allendorf (2) Eschwege (3), Sontra (1) und Witzenhausen (2). 240 Menschen sind inzwischen wieder genesen, 16 verstorben.

Aktuell befinden sich laut Kreissprecher Jörg Klinge 160 Personen in Quarantäne. Diese Zahl werde noch weiter steigen, da das Gesundheitsamt noch nicht alle Kontaktpersonen gesprochen hätte, die in Verbindung mit den beiden am Mittwoch im Bereich von Bad Sooden-Allendorf bestätigten Corona-Fällen in der Gastronomie stehen. In dem Zusammenhang warnt Klinge aus gegebenem Anlass davor, Infizierte vorzuverurteilen.

Auf Hygienevorschriften wurde geachtet

Kleinvach – Seit drei Tagen hängt Christiane Scharff ununterbrochen am Telefonhörer und versucht, alle Telefonate entgegenzunehmen und den Anrufern Rede und Antwort zu stehen. „Wir haben immer auf Mundschutz und Hygienevorschriften geachtet“, sagt Scharff, die mit ihrem Bruder das Gasthaus Zur Linde in Kleinvach betreibt.

Seitdem ihre Eltern am Mittwoch positiv auf Corona getestet wurden, brodelt die Gerüchteküche: Aus einer Ecke wird laut, die Wirtsleute hätten es mit der Maskenpflicht nicht so genau genommen, andere behaupten, sie hätten den Betrieb trotz Kenntnis über die Infektion aufrecht erhalten.

Das Gegenteil sei der Fall gewesen, nimmt Scharff Stellung zu den Vorwürfen: Vom 18. bis zum 20. September sei ein guter Freund der Familie bei ihnen zu Gast gewesen, der auch viele Bekannte in Bad Sooden-Allendorf habe. Er habe zusammen mit Scharffs Vater am Frühstückstisch gesessen – natürlich ohne Maske – und sich unterhalten. Nachdem er abgereist war, hätte er am 23. September erste Symptome bemerkt und sich testen lassen. Wie vom Robert-Koch-Institut vorgegeben, habe das örtliche Gesundheitsamt die Rückverfolgung der Kontaktpersonen ab dem zweiten Tag vor Auftreten der ersten Symptome – also ab dem 21. September – vorgenommen.

Rücksprache mit dem Gesundheitsamt

Als der Freund der Familie am 28. September das positive Ergebnis von seinem Abstrich erhielt, informierte er trotzdem seine Badestädter Freunde. „Wir haben dann mit zwei Ärzten und dem Gesundheitsamt Rücksprache gehalten und alle meinten, dass eine Ansteckung unwahrscheinlich sei und wir die Gaststätte nicht schließen brauchen“, berichtet Scharff. Da sich für den nächsten Tag eine größere Gruppe angekündigt hatte und der Vater seit dem 23. September auch leichte Symptome zeigte, entschied Scharff sich noch am selben Tag, an dem sie von der Corona-Erkrankung des Freundes erfuhr, dazu, die Gaststätte nicht mehr zu öffnen. Dass das die richtige Entscheidung war, habe sich dann zwei Tage später gezeigt, als die Abstriche bestätigten, dass sowohl Vater als auch Mutter das Virus haben. Da ihr Vater zeitgleich mit dem Bekannten Symptome gezeigt habe, sei aber nicht nachverfolgbar, wer wen angesteckt und wo derjenige sich das Virus eingefangen habe. „Wir sind ein Familienbetrieb, mein Vater ist oft draußen unterwegs, viele kennen ihn und sagen ihm Hallo“, sagt Scharff. Daher seien neben ihr und den restlichen Mitarbeitern am Freitag auch viele Kontaktpersonen zum Abstrich gebeten worden.

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Sie hätten immer darauf geachtet, die Auflagen einzuhalten, sagt Scharff. Obwohl eine Mitarbeiterin Atemprobleme unter der Maske habe, hätten sie nach Rücksprache mit dem Ordnungsamt keine Plastikschilde eingeführt, sondern sich strikt an die Anweisung gehalten, Einmalmasken zu tragen. Auch bei anfänglicher Verärgerung („Es stehen auch andere Betriebe dahinter, die jetzt 14 Tage schließen müssen.“) hätten alle Anrufer, denen sie die Situation erklärt habe, am Ende Verständnis gezeigt.

DAS SAGT DER LANDKREIS: „Eigenverantwortung ist entscheidend“

Es gebe bei Corona durchaus auch asymptomatische Verläufe, warnt Kreissprecher Jörg Klinge davor, positiv auf Corona getesteten Menschen im Nachhinein Vorwürfe zu machen. Die Eigenverantwortung sei entscheidend: Bei den Betroffenen, indem sie telefonisch den Kontakt zum Arzt suchen, der die Situation einschätzen könne, und bei denjenigen, die sich durch eventuell fahrlässiges Verhalten anderer gefährdet sähen, indem sie dies ansprechen oder die Lokalität verlassen.

DAS SAGT DAS ORDNUNGSAMT: Alle Corona-Regeln vorbildlich befolgt

Christiane Scharff ist laut Rainer Langefeld, Leiter des Ordnungsamts Bad Sooden-Allendorf, „eine der wenigen, die sich immer gemeldet und nachgefragt haben, wie man etwas machen kann“. Sie hätte alle Regeln vorbildlich befolgt und sich keine Vorwürfe zu machen. Das Gasthaus sei öfter kontrolliert worden und auch Kollegen, die privat dort eingekehrt seien, hätten nie Verstöße festgestellt. „Von unserer Seite aus gesehen war alles super – und der Rest ist Rufmord.“

(Gudrun Skupio)

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