Ehrung

Allendorfer Heinrich Lange ist seit 80 Jahren in der Freiwilligen Feuerwehr 

Bad Sooden-Allendorf. In seinem Haus wurde Heinrich Lange für acht Jahrzehnte in der Freiwilligen Feuerwehr geehrt. Der 93-Jährige nutzte den Anlass, um einige Anekdoten zu erzählen.

Gratulationscour zur 80-jährigen Zugehörigkeit: Heinrich Lange (sitzend) erhielt zum außergewöhnlichen Jubiläum Besuch von (von links) Horst Scharff von der Alters-und Ehrenabteilung, Vereinsvorsitzendem Jörg Hering, Erstem Stadtrat Günter Leis und den Kameraden Peter Booss und Werner Amlung von der einstigen Steigergruppe.

Früher war er der erste Mann auf der Feuerwehrleiter, heute muss er oft schon den Rollstuhl bemühen, um vorwärtszukommen. Heinrich Lange, 93 Jahre alt, ist für die Brandschützer von Bad Sooden-Allendorf etwas Besonderes: Er hält dem Verein seit 80 Jahren die Treue.

Dafür erfuhr der Senior jetzt eine besondere Ehrung: In seinem Haus in Allendorf stellten sich fünf blau Uniformierte ein, darunter Peter Booss und Werner Amlung, die selbst viele Jahre zusammen mit Heinrich Lange übten und löschten. Doch da die Feuerwehr für 80-jährige Mitgliedschaft gar keine vorgefertigten Urkunden vorrätig hat, kreierten die Kameraden kurzerhand eine eigene, die wohl einmalig bleiben wird, wie Werner Amlung schätzt.

Erste Einsätze auf der Holzleiter

Er nutzte die Feierstunde dann auch, um einige Anekdoten aus dem Feuerwehrleben von Heinrich Lange in Erinnerung zu rufen: Durch die Hitlerjugend fand er schon in jungen Jahren zur Feuerwehr. Nach dem Kriegsdienst zurück in der Heimat, wirkte er wieder bei der Feuerwehr von Bad Sooden-Allendorf mit, konkret bei der Steigergruppe. Diese war bei Einsätzen zunächst mit der alten, von Hand zu ziehenden Holzleiter unterwegs.

Altes Hilfsmittel: Die Steigergruppe der Feuerwehr Bad Sooden-Allendorf arbeitete nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst weiter mit der alten, von Hand zu ziehenden Holzleiter. Das Bild, das Werner Amlung aufbewahrt hat, zeigt diese Leiter im Einsatz bei der Osterübung 1912. (Für volle Ansicht bitte auf das Bild klicken.)

Als Zimmermann war Lange für den Leiterdienst bestens geeignet, weil man absolut schwindelfrei sein musste. Später kam dann die erste Drehleiter der Marke Magirus Deutz. „Das war natürlich eine ganz tolle Sache“ und in jener Zeit einmalig im Kreis Witzenhausen. Das bedeutete, dass die Steigergruppe bei allen Verbandstagen im Landkreis zugegen war, schilderte Amlung, der selbst seit 48 Jahren bei der Feuerwehr ist und Lange sogar noch länger kennt.

Gruppenführer der Steigergruppe

Als die Truppe mit ihrer Drehleiter einmal gerade beim Verbandstag in Fürstenhagen war, so um das Jahr 1970, wurde sie zu einem Einsatz nach Großalmerode gerufen. Eine Firma wollte einen Kohlebunker abreißen, weiß Amlung noch. „Als wir ankamen, stand der Bunker ganz schief. Wir mussten am oberen Ende Stahltrossen in verschiedenen Stärken anbringen. Dann kam ein Bergepanzer der Bundeswehr und zog den ganzen Bunker um. Vorher mussten alle in Deckung gehen, weil es eine riesige Kohlenstaub-Explosion gab.“

Der Nachfolger: Die neu in Dienst gestellte Drehleiter der Freiwilligen Feuerwehr Bad Sooden-Allendorf,  mit dem 1. Fahrer Willi Martin Ende der 1950-er Jahre.

Als Nachfolger von Rudi Baum und Ehrenfried Hoffmann wurde Heinrich Lange auch Gruppenführer bei der Drehleiter, später wurde er von Erwin Hildebrand abgelöst. Auch an die Jahresabschlüsse im Deutschen Haus und die alljährlichen Gartenfeste beim Kameraden Heinz Rinke erinnerte Amlung, der von der Steigergruppe als eine „verschworene Gemeinschaft“ spricht.

Brennenden Mann mit Jacke gelöscht

Ein beeindruckendes Erlebnis erwähnte Amlung noch: Bei einem Kreisfeuerwehrverbandstag in Hebenshausen – Mitte der 1970er-Jahre – verließen Heinrich Lange und er das Festzelt kurz, um zur Toilette zu gehen. In dem Moment zündete der Festwirt gerade den Grill an und kippte, weil dies nicht funktionierte, Spiritus auf die Kohle. Durch die Stichflamme brannte der Mann sofort lichterloh. Geistesgegenwärtig zog Lange seine Dienstjacke aus und warf sie über den brennenden Mann. Der Verletzte wurde dann mit dem Hubschrauber nach Kassel geflogen. Der Lebensretter, so Amlung, wurde nie erwähnt oder geehrt.

Rubriklistenbild: © Repro: Forbert

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