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Grenzmuseum Bad Sooden-Allendorf zeigt Alltag im Osten nach 1991

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Blick in die Plakat-Ausstellung „Postsowjetische Lebenswelten Gesellschaft und Alltag nach dem Kommunismus“
Zeithistorische Fotos sind aktuell in der Plakat-Ausstellung „Postsowjetische Lebenswelten - Gesellschaft und Alltag nach dem Kommunismus“ im Grenzmuseum Schifflersgrund zu besichtigen. © Grenzmuseum Schifflersgrund

Die Plakat-Ausstellung „Postsowjetische Lebenswelten - Gesellschaft und Alltag nach dem Kommunismus“ wird ab sofort im Grenzmuseum Sickenberg oberhalb von Bad Sooden-Allendorf präsentiert – und ist plötzlich aktueller als gewünscht geworden.

Bad Sooden-Allendorf – Die Schau widmet sich dem historischen Wandel, den die 15 Nachfolgestaaten der Sowjetunion seit der endgültigen Auflösung 1991 durchlaufen haben, kündigen die Veranstalter vom Grenzmuseum an. Er schließt Staaten ein, deren Größe und Einwohnerzahl, Nationalgeschichte und kulturelle Prägungen, aber auch wirtschaftliche Ausgangspositionen kaum unterschiedlicher sein könnten.

Umso eindrücklicher sind die Gemeinsamkeiten, die den Alltag dieser Gesellschaften vor allem in den 1990er-Jahren prägten. Die Ausstellung werfe Schlaglichter auf den sozialen Ausnahmezustand jenes Jahrzehnts, in dem die Menschen den Härten des Staatszerfalls und einem Markt ohne Recht ausgeliefert waren. Ferner nimmt sie die Lebensverhältnisse in den Blick und macht die Wanderungsbewegungen sichtbar, die Menschen auf der Suche nach Arbeit und Wohlstand die Heimat verlassen ließen. Der Raubzug der Mafia und die Selbstbereicherung früherer Funktionäre, die das Staatseigentum privatisierten, sind ebenso Themen wie die ethnischen Konflikte und regionalen Kriege.

Die 20 großformatige Tafeln umfassende Schau zeige, wie mit Geschichte, aber auch mit Religion Politik gemacht wird, wie der demokratische Aufbruch gelang, aber auch wie neue Autokratien entstanden.

Konzept und Texte der Ausstellung stammen von Jan C. Behrends vom Leibniz-Zentrum für Zeithistorische Forschung in Potsdam. Der Osteuropa-Historiker hat gemeinsam mit dem Kurator der Ausstellung, Ulrich Mählert, die 130 zeithistorischen Fotos ausgewählt, die im Mittelpunkt der Ausstellung stehen.

Der ursprüngliche Anlass der Sonderausstellung im Grenzmuseum war die Unabhängigkeitserklärung von Litauen vor 32 Jahren, am 11. März 1990. Litauen war damit das erste Land, das sich aus der Sowjetunion löste. Mit dem russischen Angriffskrieg gegen die Ukraine ist die Ausstellung „von erschreckender Aktualität und unvorhersehbar zu einem unausweichlichen Gegenwartsthema geworden“, sagt Museumsleiter Dr. Christian Stöber.

Insofern lädt die Ausstellung dazu ein, so informieren die Veranstalter, sich näher mit den historischen Kontexten, der jüngsten osteuropäischen Geschichte sowie den damit verbundenen Machtansprüchen und Militäreingriffen Russlands auseinanderzusetzen.

Infos: Tel. 03 60 87/9 84 09, täglich geöffnet von 10 bis 17 Uhr

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