Bad Sooden-Allendorf: Zum Schutz der Insekten

BUND wirbt bei Kommunen um Verzicht auf Pestizide

Angeregte Gespräche pro Naturschutz: BUND-Kreisvorstandsmitglied Wolf von Bültzingslöwen (von links), Stadtbauamtschef Helmut Franke und Corinna Hölzel von der BUND-Bundesgeschäftsstelle in Berlin.
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Angeregte Gespräche pro Naturschutz: BUND-Kreisvorstandsmitglied Wolf von Bültzingslöwen (von links), Stadtbauamtschef Helmut Franke und Corinna Hölzel von der BUND-Bundesgeschäftsstelle in Berlin.

Um das „dramatische Insektensterben“ aufzuhalten, hat der Bund für Umwelt- und Naturschutz Deutschland (BUND) an Kommunen appelliert, auf ihren Flächen auf Pestizide zu verzichten.

Bad Sooden-Allendorf – Dies setze zu allererst den politischen Willen voraus, erklärte am Dienstag Corinna Hölzel während einer Informationsveranstaltung im Kultur- und Kongresszentrum in Bad Sooden-Allendorf.

Auf Einladung ihrer Organisation im Werra-Meißner-Kreis war die Expertin bei der BUND-Bundesgeschäftsstelle eigens aus Berlin in die Kurstadt angereist. Für den Kreisvorstand äußerte Wolf von Bültzingslöwen die Hoffnung, der Appell möge auch bei den Gartenbesitzern und Landwirten nicht ungehört bleiben.

Bundesweit 560 Kommunen hätten sich bislang dem Projekt „Pestizidfreie Gemeinde“ angeschlossen, sagte Hölzel und ermunterte möglichst viele Nachahmer, weil die reine Biomasse an Insekten in den vergangenen 20 Jahren um 75 Prozent zurückgegangen sei.

Ursache für den Verlust des Lebensraumes dieser Tiere sei nicht nur, aber ganz besonders der Einsatz der Giftstoffe in einer bundesweiten Größenordnung von jährlich deutlich mehr als 30 000 Tonnen. So sei in Europa die „Ackerbegleitflora“ vornehmlich durch Glyphosat am meisten gefährdet.

Mit dem Klimawandel stehe die Menschheit vor einer riesigen Herausforderung. Dabei komme den Kommunen zum Schutz von Wasser, Luft und Boden eine Vorbildfunktion zu.

Gemeinden forderte Hölzel auf, insektenfreundliche Projekte umzusetzen, wie das Anlegen von Blühflächen oder Kräuterinseln. Pachtverträge müssten ein Verbot des Einsatzes von Giftstoffen beinhalten. Die Ökolandwirte, die das bereits beherzigten, sollte ein Nachlass auf den Pachtzins eingeräumt werden.

Grundsätzlich und speziell mit Blick auf die „nutzlosen Schottergärten“ regte sie einen Abschied von dem gängigen Schönheitsideal an: „In Gärten muss nicht alles sauber und aufgeräumt sein.“ Der Natur tue „ein bisschen Wildnis“ gut.

Der Chef des städtischen Bauamtes, Helmut Franke, befand, die Kurstadt befinde sich schon „auf einem guten Weg“. Seit vier Jahren setze sie keine Pestizide mehr ein, habe bereits eine Blühwiese angelegt, der im kommenden Jahr eine weitere folgen werde.

In Bearbeitung ist außerdem ein Antrag der Grünen-Fraktion, die aus Bad Sooden-Allendorf eine pestizidfreie Stadt machen möchte.

Es schloss sich eine rege Diskussion an, nachdem Bürgermeister Frank Hix bereits vorab versichert hatte, im Sinne des Naturschutzes „das Beste“ machen zu wollen. (Von Christoph Cortis)

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