Rathof-Gebäude

Räume gesperrt: Archivarin vermutet Kampagne der Stadt

Dr. Antje Laumann-Kleineberg im Archiv.
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Dr. Antje Laumann-Kleineberg im Archiv.

Sie engagiert sich als Stadtarchivarin von Bad Sooden-Allendorf – nun ist ihr Arbeitsplatz gesperrt: Dr. Antje Laumann-Kleineberg kritisiert die Stadt und vermutet eine Kampagne.

Nach Orkan Friederike im Januar war bemerkt worden, dass die Dachkonstruktion des Rathofes, einem der ältesten Gebäude von Bad Sooden-Allendorf, massiv beschädigt ist. Deshalb sei aus Sicherheitsgründen das Stadtarchiv gesperrt worden, das direkt unter dem Dach liegt, wie die Stadt vor Kurzem mitteilte. Doch warum ist nicht auch das Allendorfer Bauamt betroffen, das darunter arbeitet, fragt nun die ehrenamtliche Stadtarchivarin Dr. Antje Laumann-Kleineberg. Hier ihr Schreiben:

„Dem Allendorfer Bauamt bröselt der Dachstuhl weg. Infolge der unbestrittenen Schäden soll nun das Archiv nicht mehr betreten werden, aber die Besatzung des Bauamtes sitzt darunter weiter in ihren Räumen, auch für das Sozialbüro und die angebaute Altentagesstätte scheint keine Gefahr zu existieren.

Kein Professionelles Gutachen

Über den Zustand des Dachstuhls gibt es kein professionelles Gutachten, das Art und Schwere der Schäden dokumentiert – nur eine Lose-Blatt-Empfehlung eines ortsansässigen Ingenieurs. Ich habe mit dem Vorsitzenden der Bundesbaukommission gesprochen, der mir bestätigte: Bei Einsturzgefahr eines Hauses oder Teilen davon ist das gesamte Gebäude zu räumen. Dass hier nur das Archiv von Restriktionen betroffen ist, macht die Sache dubios.

Vernachlässigte Institution

Es scheint mir, dass hier eine seit Jahrzehnten vernachlässigte Institution die Räume freimachen soll. Perfide wird das gerade bewerkstelligt: Zur Reparatur eines Schwellbalkens ist im Frühjahr die Decke zum Dachboden im Archiv an zwei Stellen geöffnet und nicht wieder sachgerecht verschlossen worden. Ein paar Bretter über den Öffnungen werden nicht verhindern, dass ab dem Winter Feuchtigkeit hineinzieht. 

Archivierte Bestände werden schimmeln

Die dort gelagerten Stadtrechnungen von 1637 und die alten Katasterbände seit jener Zeit aus handgeschöpftem Papier, Leder- und Leineneinbänden werden anfangen zu schimmeln. Diese Kompendien der Stadtgeschichte haben 350 Jahre überdauert; jetzt werden sie durch die Ignoranz der städtischen Ämter und Gremien zugrunde gehen. Für mich ein typisches Bild für die Allendorfer Stadtpolitik.“

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