Bad Sooden-Allendorf

Wanderer pilgerten zehn Kilometer durch Wald und Flur

Ein Teil der Pilger auf ihrem Weg ins thüringische Asbach, unter ihnen Johanna Rühling (von links), Peter Drechsler, Volker Schulze (Vierter von links) und Pfarrer Thomas Schanze (rechts).
+
Guter Dinge: Ein Teil der Pilger auf ihrem Weg ins thüringische Asbach, unter ihnen Johanna Rühling (von links), Peter Drechsler, Volker Schulze (Vierter von links) und Pfarrer Thomas Schanze (rechts).

Die Gegenwart Gottes zu erfahren – darum ging es laut Pfarrer Thomas Schanze bei der ersten Pilgerwanderung, zu der die evangelische St.-Crucis-Gemeinde am Sonntag 20 Teilnehmer aller Generationen auf die Beine brachte.

Bad Sooden-Allendorf - Und es soll nicht die letzte gewesen sein.

Die Sonne blinzelte durch düstere Wolken, als die Gruppe bei angenehmen 20 Grad nach einem Gottesdienst unter freiem Himmel vom Kirchplatz aus in Richtung Osten startete. Wohlweislich hatten sich die Pilger mit Anorak und Regenschirm „bewaffnet“, was sich schon nach kurzer Zeit bezahlt machen sollte: Ein heftiger Regenschauer ließ die Wanderer unter das dichte Blätterwerk des Waldes flüchten, der zusätzlichen Schutz bot.

Auf gut zehn Kilometern ging es über den Holzborn nach Asbach und nach einer Brotzeit über den ehemaligen Pfarrweg und das Finstertal zurück zum Ausgangspunkt. Zwischendurch verharrte die Gruppe schweigend in Gedanken.

Bei der Auswahl des Rundwegs hatte sich der Geistliche auf den fachmännischen Rat von Peter Drechsler (78) verlassen können, der als „bekennender Wandervogel“ fast jeden Stein in der Umgebung sozusagen mit Vornamen kennt. Für Drechsler wie für Schanze war es die erste Pilgerwanderung überhaupt.

Ganz anders als bei Volker Schulze (76): Er hat den berühmten Jakobsweg nach Santiago de Compostela schon sieben Mal unter die Wanderstiefel genommen und dabei mehrere tausend Kilometer zurückgelegt.

Als erprobte Wanderin und mit 80 Jahren älteste Teilnehmerin dabei war auch Johanna Rühling, die unter anderem schon den rund 200 Kilometer langen Elisabeth-Pilgerweg von Eisenach nach Marburg gemeistert hat. Das war vor 13 Jahren zum 800. Todestag der Heiligen.

Neben Teilnehmern aus Schleswig-Holstein und Bayern reihten sich auch Jan Constantin (12) und Nils Benedikt (15) in die Pilgerschar ein. „Wir mussten mit“, gestanden die Söhne von Pfarrer Schanze, weil ihre Mutter zur selben Zeit an der Arbeit war und sie nicht allein zu Hause bleiben sollten.

„Wir alle sind unterwegs durch Raum und Zeit und zugleich Pilger vor Gott“, hatte zuvor ihr Vater beim einführenden Gottesdienst gepredigt. Zuweilen wandere der Mensch durch ein dürres Tal, um dann doch die rettende Oase zu erreichen. Die Gottesbegegnung erlebe man etwa in den Kindern, in der Musik oder in der Natur. Und so sei es auch bei dieser Pilgerwanderung: „Gott ist jeden Schritt und Tritt bei uns.“

Umrahmt mit weltlicher Musik wurde der Gottesdienst durch das siebenköpfiges Vokal-Ensembles der Stadtkantorei mit Maximilian Göllner am Piano. Der 25-jährige Meister-Organist an der St.-Crucis_Kirche überraschte unter den gut 50 Besuchern seinen langjährigen Vorgänger Walter Brill mit einem Ständchen. Er war am Vortag 69 Jahre alt geworden. (Chris Cortis)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.