Sorge wegen unangemeldeter Markierung

Weißes Quadrat in Bad Sooden-Allendorf irriert Suedlink-Anlieger

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Anstoß für kurzfristigen Protest: Die weiße Markierung auf der Straße „Im Finstertal“ am nördlichen Ortsrand Allendorfs lässt diese Badestädter befürchten, dass man vor vollendete Tatsachen gestellt werden soll.

Bad Sooden-Allendorf – Bei den Anliegern der geplanten Gleichstrom-Erdkabel-Trasse Suedlink in Bad Sooden-Allendorf geht seit dem Wochenende große Sorge um.

Werden Nägel mit Köpfen gemacht, sprich die Trasse bereits konkret geplant und festgelegt? Und das, obwohl die Entscheidung doch noch gar nicht gefallen ist – oder sein soll? Anlass für die Sorge ist ein Vorfall am frühen Freitagabend, den Landwirt Thomas Scharff schildert: Ein Mann stellte ein dreibeiniges Messgerät im Einfahrtbereich zu seinem Hof am Ortsrand von Allendorf – da, wo der vorgeschlagene Trassenkorridor verläuft – auf.

„Ohne um Erlaubnis zu fragen“, wie Eigentümer Scharff betonte. Erst nach mehrfacher Aufforderung habe der Mann, der schlecht Deutsch verstanden und von „Suedlink“ als Begründung für sein Handeln gesprochen habe, das Gerät auf die Straße umplatziert.

Dem Fahrzeug des Vermessers zufolge handelt es sich um einen Mitarbeiter der tschechischen Firma GB-Geodezie, eigenen Angaben zufolge einer der größten Anbieter von geodätischen Arbeiten in der Tschechischen Republik.

Auf der Straße – „Im Finstertal“ – gegenüber der Hofzufahrt von Thomas Scharff hinterließ der Vermesser am Freitag ein 30 x 30 Zentimeter großes Quadrat. Nach Scharffs Kenntnis sollen auch im Ringgau weiße Markierungen im Bereich des Trassenkorridors aufgesprüht worden sein.

„Wir fühlen uns überrumpelt“, sagte Scharff, der sich in der örtlichen Gruppe gegen Suedlink engagiert. Mitstreiterin Karin Grabing geht noch einen Schritt weiter: „Ohne Skrupel werden sie auf Privatgelände gehen und weiter markieren.“ Die Stromnetzbetreiberfirma Tennet „stellt uns hier vor vollendete Tatsachen“. Alle Eingaben, mutmaßt nicht nur sie, „scheinen da doch irgendwie nutzlos“.

Am Dienstagnachmittag kamen dann 50 Badestädter zu einer kurzfristig organisierten Demonstration zusammen, um ihre Ablehnung gegen die Trasse zu bekunden. Auch Bürgermeister Frank Hix und sein Amtsvorgänger Ronald Gundlach kamen dazu.

Beweisfoto: Mit seinem Handy dokumentierte Landwirt Thomas Scharff, dass auf seinem Grundstück am Freitagabend vermessen wurde.

„Wir wissen davon nichts und sind auch erstaunt“, sagte Hix bezüglich der Markierung. Nun gebe es die Befürchtung, dass man vor vollendete Tatsachen gestellt werden soll. „Das ist ein völliges Unding“, so der Bürgermeister, der nun rechtlich prüfen lassen will, ob es sich um eine Sachbeschädigung handele und strafrechtlich verfolgbar sei.

Eine Abstimmung zum Markieren habe es mit der Stadt nicht gegeben. Hix: „Wir werden uns natürlich zur Wehr setzen.“ Landwirt Helmut Scharff sorgt sich, wie er bei der Demo sagte, um ein Übergehen der Ängste der Bevölkerung: „Heute kommen sie zum Abmarkieren, morgen kommen die Bagger.“

Das scheint allerdings unbegründet: Grund für die Markierungen sei, wie von der TransnetBW gestern zu erfahren war, dass auf Wunsch der Landesdenkmalbehörde aktuelle Luftaufnahmen vom Korridor gefertigt werden. Dafür seien die weißen Quadrate erforderlich.

Vermessungen auf Privatgrund sind zu dulden, wenn sie vorher bekannt sind

Ist das Betreten von Privatgrundstücken unter bestimmten Umständen erlaubt? Diese Frage wird im Fall der Planung der Gleichstrom-Trasse durch das Energiewirtschaftsgesetz beantwortet. In Paragraf 44 heißt es, dass Eigentümer „notwendige Vermessungen, Boden- und Grundwasseruntersuchungen einschließlich der vorübergehenden Anbringung von Markierungszeichen sowie sonstige Vorarbeiten durch den Träger des Vorhabens oder von ihm Beauftragte zu dulden“ haben. 

Unverhofft muss man die Vermesser aber nicht antreffen. Denn in Absatz 2 des Paragrafen ist festgelegt, dass die Absicht, solche Arbeiten auszuführen, dem Eigentümer „ mindestens zwei Wochen“ vorher dem Betroffenen oder durch ortsübliche Bekanntmachung in den Gemeinden bekannt zu geben. 

Bei den Baugrundvoruntersuchungen in der Stadt Bad Sooden-Allendorf im Herbst 2018 geschah dies auch, da wurden die Voruntersuchungen in einer amtlichen Bekanntmachung rechtzeitig und ausführlich mitgeteilt. Im Falle der Vermessung samt Markierung im Finstertal in Allendorf war das offensichtlich nicht der Fall.

Mehr zum Thema Suedlink und wie Bürger sich formell korrekt beteiligen können, lesen Sie in der Mittwochausgabe der Witzenhäuser Allgemeinen. 

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