Raus aus dem Teufelskreis

Wenn der Start ins Berufsleben misslingt

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Wollen Jugendlichen eine Perspektive geben: Bernhard Henn (von links), Heilerziehungspflegerin Susanne Beck, Karolina Hix, Kunsttherapeutin Lisa Hottenroth und Sabine Leidig vor dem Second Home.  

Schulabschluss? Fehlanzeige. Berufsausbildung? Ist nicht. Dann können junge Menschen schnell zwischen allen Stühlen sitzen und im schlimmsten Fall auf der Straße landen. 

Auf der Suche nach Wegen aus diesem Teufelskreis haben sich am Montag die Bundestagsabgeordnete Sabine Leidig (Kassel) und der Leiter der Hauptstadtvertretung der Bundesagentur für Arbeit, Bernhard Henn (Berlin), im Second Home in Bad Sooden-Allendorf informiert.

Das – übersetzt – zweite Zuhause ist kreisweit die einzige Jugendhilfeeinrichtung, die sich mit zehn pädagogischen, therapeutischen und pflegerischen Fachkräften um junge Leute kümmert mit dem Ziel, ihnen eine Perspektive zu eröffnen und sie auf ein eigenständiges Leben vorzubereiten.

Wohngruppe nimmt maximal neun Kinder und Jugendliche auf

In ihre Wohngruppe nimmt Geschäftsführerin Karolina Hix maximal neun Kinder und Jugendliche auf, die nach einem verkorksten Start ins Leben unter Traumata, Depressionen oder tiefen Enttäuschungen leiden, wie etwa die 15-jährige Sibylle Z.*, für die sich bundesweit kein Jugendamt zuständig erklärte und die deshalb ein halbes Jahr unter freiem Himmel leben musste.

Aufbau von Beziehungen und Vertrauen ist der Schlüssel

Der Aufbau von Beziehungen und Vertrauen in einem familienorientierten Umfeld sei der Schlüssel für eine erfolgreiche persönliche und berufliche Entwicklung, beschreibt Karolina Hix den Weg hin zu passgenauen Bildungschancen für ihre Schützlinge, die aus den üblichen Rastern heraus fielen.

„Kein junger Mensch darf uns verloren gehen“, bringt es Bernhard Henn auf den Punkt. Oft aber fehle den jungen Leuten der Überblick über die verschiedenen Sozialleistungsträger. Häufig wüssten aber selbst die nicht, ob ein Jugendlicher etwa von der Agentur für Arbeit, dem Jobcenter oder dem Jugendamt betreut werde. 

Erhofft sich bundespolitisches Signal

Deswegen sei eine enge Vernetzung der einzelnen Institutionen vonnöten, die auf ein sogenanntes „Kerndatensystem“ Zugriff haben müssten, erhofft sich Henn von dem Modellprojekt Second Home ein bundespolitisches Signal.

Das sieht auch Sabine Leidig so. „Wir brauchen eine frühzeitige präventive Unterstützung durch Verbesserung der Rahmenbedingungen“, sagt die Abgeordnete der Linken, die unseren Wahlkreis im Bundestag vertritt. 

Großartige Unterstützung der Jugendlichen

Alle Träger müssten noch frühzeitig vor der Berufswahl der Jugendlichen an einen Tisch und ein gezieltes Maßnahmenpaket schnüren.

Ausdrücklich lobte sie „die wertvolle und hervorragende Arbeit“ im Second Home: „Eine großartige Unterstützung, die diese Jugendlichen wirklich benötigen.“

(*Name von der Redaktion geändert)

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