Hainsbachweg ist der Favorit

NS-Funktionär soll nicht länger Namensgeber einer Straße sein

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Wird bald verschwunden sein: Der Namenszug dieser Straße in Allendorf soll Mitte des Jahres ausgetauscht werden. 

Der Johannes-Rädlein-Weg Bad Sooden-Allendorf ist nach einem ehemaligen NS-Funktionär benannt. Das soll sich bald ändern, künftig könnte die Straße Hainsbachweg heißen. 

Wegen seiner unrühmlichen Vergangenheit als Verehrer Adolf Hitlers soll der frühere NS-Funktionär Johannes Rädlein nicht länger Namensgeber für eine kleine Straße in Allendorf sein. Stattdessen soll sie in Hainsbachweg umbenannt werden.

Diese Bezeichnung erwies sich als klarer Favorit am Donnerstagabend während einer Versammlung im Hochzeitshaus, zu der die Stadt neben den Anwohnern auch interessierte Bürger eingeladen hatte. Das letzte Wort haben die Stadtverordneten. Es gilt als sicher, dass sie in ihrer März-Sitzung dem Vorschlag aus den Reihen der Anwohner folgen werden.

13 Anwohner für Hainsbachweg 

Nach zum Teil hitziger Debatte und bei nur äußerst dürftigem Publikumsbesuch entschieden sich 13 Anwohner für den neuen Namen Hainsbachweg. Nur drei Anwohner votierten für den Vorschlag von Dr. Hans Bachmann, der mit der Bezeichnung Bodenheim-Weg an den jüdischen Unternehmer Gumpert Bodenheim erinnern wollte, der einst in Bad Sooden-Allendorf die weltweit erste Tütenfabrik gegründet hatte. Dessen Enkelsohn Rudolf Bodenheim war wegen seiner jüdischen Abstammung ins Konzentrationslager Theresienstadt deportiert und dort im Jahr 1943 umgebracht worden.

Als „ein politisches Signal“ hatte der Grünen-Stadtverordnete Martin Herrmann diesen Vorschlag vehement unterstützt. Dabei erhielt er Schützenhilfe von Anwohnerin Cornelia Claußen, die von einer „Chance“ sprach.

Auch in den Augen von Peter Hieronimus müsse „die Schande der Ehrung“ des früheren Lehrers, Heimatdichters und Stadtchronisten Johannes Rädlein „rückgängig“ gemacht werden. Allerdings warnte der SPD-Fraktionschef vor nicht näher bezeichneten „Befindlichkeiten“, wenn man die Straße nach Bodenheim benenne.

Drastischer formulierte CDU-Fraktionschef Georg von Lüninck die Ablehnung des Bodenheim-Vorschlags: „Es ist die Frage, ob wir von einem Extrem ins andere fallen wollen.“

Johannes-Weg wurde abgelehnt

„Eine bodenlose Frechheit“, urteilte Martin Herrmann. Hier würden Täter und Opfer gleichgestellt, empörte er sich. Als verdienter Bürger der Stadt habe Bodenheim „was Besseres verdient als eine Notlösung“, schlug sich CDU-Abgeordneter Stefan Heuckeroth-Hartmann auf die Seite der Befürworter des Hainsbachweges und befand im Übrigen, es sei „traurig, dass wir erst jetzt über Bodenheim reden“.

Schon früh ohne Abstimmung verworfen wurde der Vorschlag des Anwohners Burkhard Günther: Man solle einfach den Namen Rädlein aus der Straßenbezeichnung herausschneiden, dann bliebe „Johannes-Weg übrig“.

Geplant ist, die Umbenennung der keine 200 Meter langen Straße mit neun Häusern zum 1. Juli zu vollziehen. Bis dahin sollen die Anwohner Gelegenheit haben, ihre Dokumente und Papiere auf den neuen Namen umzuschreiben. Einen Teil der anfallenden Kosten will die Stadt in noch unbekannter Höhe übernehmen.

Johannes Rädlein  verstarb 1970 mit 83 Jahren

Unbeantwortet blieben auch am Donnerstag die Fragen, wer wann und warum die noch gültige Straßenbezeichnung angeregt und wer sie letztlich beschlossen hatte. Entsprechende Dokumente gebe es nicht oder seien nicht auffindbar, erklärte Bürgermeister Frank Hix.

Bereits vor zwei Jahren hatte sich die Historikerin und Stadtarchivarin Dr. Antje Laumann-Kleineberg mit der zweifelhaften Vergangenheit von Johannes Rädlein auseinandergesetzt, der 83-jährig im Jahr 1970 verstorben war.

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